Medienkritik zu "Auf der Suche nach Rosas Erbe"

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„Neues Deutschland“, vom 13/14.1. 2018

Die Scham eines Berliner Rätemanns

»Mit Willy Huhn verlieren seine persönlichen und politischen Freunde einen guten Genossen, der als sozialistischer Theoretiker, Pädagoge und Publizist eine wertvolle politische Arbeit geleistet hat … Am meisten erstaunte sein enzyklopädisches Wissen, das er sich autodidaktisch angeeignet hat.« Mit diesen Worten würdigten Westberliner Jungsozialisten am 24. Februar 1970 Willy Huhn an dessen Grab. Verabschiedet wurde ein Mann, der in seinen letzten Jahren eng mit der jungen Generation der sich gerade entwickelnden außerparlamentarischen Bewegung verbunden war und ihr die Ideen des Rätekommunismus zu vermitteln suchte. Huhn gehörte zudem zu den frühen Kritiker der Atomkraft, nicht nur für militärische Zwecke, sondern auch zur sogenannten friedlichen Nutzung. Bereits Ende der 1950er Jahre hatte er in Westberlin eine Anti-AKW-Initiative ins Leben rufen wollen.

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„Arbeiterstimmen“ vom 1.1.2018

Willy Huhn, ein unbekannter Rätekommunist

Der Author bezeichnet diese Arbeit als eine ’biografische Skizze’. Das ist zu bescheiden, ist es Gester doch gelungen die charakterliche und politische Entwicklung Huhns in 200 Seiten zu beschreiben und kritisch zu analysieren. Das Buch enthält weiter eine Auswahl von 400 gedruckten Seiten Texten Huhns, wie mehr als 200 Seiten als PDF-Datei auf CD-ROM.

In seinem Vorwort erklärt der Autor, Jochen Gester, wie er zufälligerweise auf Huhns Text “Trotzki – der verhinderte Stalin” stieß. Damit war sein Interesse in den ihm unbekannten Willy Huhn geweckt. Nicht ohne Grund wird Huhn ein bedeutender Theoretiker der Sozialismus genannt, wie die Auswahl von Texten aus den 10 Regalmeter umfassenden Huhn-Archiv des IISG Amsterdam in der Beilage dokumentiert. Der Schwerpunkt seiner Arbeiten gilt der Kritik der deutschen Mehrheitssozialdemokratie, des Leninismus und Trotzkismus. Politisch seit 1929 gebildet in der sozialdemokratischen Jugend- und Gewerkschaftsbewegung, gehörte Huhn als junger Mann zum linken Flügel der SPD, machte nach dessen Ausschluss zum ersten Mal Bekanntschaft mit dem Trotzkismus, wurde aber abgestoßen von dessen bolschewistischen Methoden. Nachdem kam er in Kontakt mit früheren Mittgliedern der KAPD die später in Deutschland die Roten Kämpfer bildeten. Seitdem ist er zu charakterisieren als Rätekommunist. Huhn analysierte den aufkommenden Faschismus in den 1930-er Jahren als ein Prozess dessen Ursprünge bereits in der Lasallschen Tendenz der deutschen Arbeiterbewegung, sich den Bismarck’schen Staat anzulehnen, liegen. Isoliert in de NS-Ära, verirrte Huhn sich in einer Art Nationalbolschewismus, den er nie ganz los wurde, wie Gester kritisch belegt. Nach 1945 war Huhn aktiv in der SED, wurde ausgeschlossen, wechselte zur SPD, wurde abermals ausgeschlossen. In dieser Zeit war er Redakteur bei Pro und Contra, Mitarbeiter an Neues Beginnen und Funken. In den 1960-er Jahren knüpfte Huhn Kontakte zur Studentenbewegung, dessen anti-autoritärer Flügel ihm sympathisch war. Mit Kopfschütteln reagierte er auf die ”autoritäre Wende” des SDS, in der sich eine Mehrheit der ML-Parteibildung widmete.

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„Graswurzelrevolution“ 423, November 2017

„Die Tragik des Rätekommunisten Willy Huhn. Auf der Suche nach Rosa Luxemburgs Erbe?“

An den lange vergessenen Rätekommunisten erinnert Jochen Gester mit einem Buch, das auch Texte von ihm enthält, die man lieber nicht lesen wollte.

„Mit Willy Huhn verlieren seine persönlichen und politischen Freunde einen guten Genossen, der als sozialistischer Theoretiker, Pädagoge und Publizist eine wertvolle politische Arbeit geleistet hat. Willy verfügte über eine bemerkenswerte Denk- und Ausdruckskraft, die er mit starkem Willen und der Fähigkeit zu tiefen Empfindungen verband. Am meisten erstaunte sein enzyklopädisches Wissen, das er sich autodidaktisch angeeignet hat.“ Diese Rede wurde von Westberliner Jungsozialisten am 24.2.1970 auf der Trauerfeier für Willy Huhn gehalten. Damit wurde ein Mann verabschiedet, der mit 61 Jahren nach langer schwerer Krankheit gestorben ist und in seinen letzten Jahren noch einmal Kontakt zur jungen Generation der sich gerade entwickelnden außerparlamentarischen Bewegung bekommen hat. Es zeugt von der Offenheit und Neugierde von Huhn, dass er einer sich gerade entwickelnden Neuen Linken noch etwas von der Geschichte des Rätekommunismus vermitteln konnte, einer linken marxistischen Strömung jenseits von Nominalsozialismus und Sozialdemokratie. Huhn konnte noch die Anfänge der Dogmatisierung der Neuen Linken in verschiedene K-Gruppen wahrnehmen und davor warnen. Lange Zeit war Huhn nur Insidern bekannt. Jetzt hat Jochen Gester, der Gründer des Verlags „Die Buchmacherei“, in langer Forschungsarbeit das Leben des Willy Huhn aufgearbeitet. Das vorzüglich lektorierte Buch gibt einen Überblick über das ungewöhnliche Leben eines Mannes, der schon in frühester Jugend mit rätekommunistischen Gedankengut in Berührung kam. Der Kampf gegen die Zwillingsbrüder der stalinistischen und sozialdemokratischen Konterrevolution bestimmten sein politisches Leben, das ihn nicht vor verheerenden politischen Fehlschlüssen bewahrte. In einer biogra schen Skizze zeigt Gester wie der junge Huhn unter seinem tyrannischen Vater gelitten hat, der ihn mehrmals krankenhausreif schlug. Doch mehr noch litt Huhn darunter, dass sein Vater und später seine Schwester sein Tagebuch mit den Texten aus früher Jugend an sich nahmen und vernichteten. Huhn empfand das als Diebstahl seiner Kindheit. Er rebelliert in frühester Jugend gegen den autoritären Patriarchen, in dieser Zeit bezog er sich positiv auf den Anarchismus und erlebte den frühen Tod des Vaters als Befreiung. „Ich habe Prügel bekommen von 2-3 bis 18 Jahren. D.H. bis in die letzte Zeit, viel Prügel, Prügel über Prügel und noch mal Prügel“, schreibt Huhn als er die sozialistische Jugendbewegung entdeckt.

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