Medienkritik zu "Aufstieg und Fall der Arbeitermacht in Russland"

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„Neues Deutschland“ v. 9.10. 2018

Von den Schwierigkeiten, Revolution zu machen

Rainer Thomann und Anita Friedetzky über Aufstieg und Fall der Arbeitermacht in Russland

»Dadurch, dass sich die Arbeiter an der Selbstverwaltung in den einzelnen Unternehmen beteiligen, bereiten sie sich auf jene Zeit vor, wenn das Privateigentum an Fabriken und Werken abgeschafft sein wird und die Produktionsmittel zusammen mit den Gebäuden, die auch von Arbeiterhand geschaffen wurden, in die Hände der Arbeiterklasse übergehen.«
Dies ist ein Zitat aus den Protokollen der Fabrikkomitees der Putilow-Werke in Petersburg, dem späteren Leningrad. Die Beschäftigten des Maschinenbaukonzerns spielten 1917 eine wichtige Rolle beim Sturz des Zaren und in der Zeit der Doppelherrschaft, als den Arbeiterräten ein gewichtiges Wort in der gesellschaftlichen Umwandlung Russlands zukam.

Zeugnisse dieser Selbstorganisation russischer Arbeiter liegen jetzt erstmals auf Deutsch vor. Zu danken ist dies der Hamburger Russischlehrerin und Publizistin Anita Friedetzky, die sich der schwierigen Aufgabe gewidmet hat, Protokolle von Sitzungen der Fabrikräte im revolutionären Russland so zu übersetzen, dass sie heutigen Lesern verständlich sind und ihnen authentische Einblicke in eine stürmische, längst vergangene Zeit geben, als Arbeiter Geschichte schrieben. Grundlage ihrer Übersetzung ist ein schon 1979 in einem Moskauer Wissenschaftsverlag erschienener Sammelband: »Die Fabrik- und Werkkomitees Petrograds 1917.
Der Berliner Verlag Die Buchmacherei hat die Protokolle verdienstvollerweise noch mit einem ausführlichen Glossar versehen. Dort werden heute kaum noch bekannte Personen vorgestellt und Organisationen erklärt, die vor über 100 Jahren die Geschicke in Russland mitbestimmten. Das Protokoll selbst, einschließlich der dazugehörenden Anlagen und Erläuterungen, nimmt nur knapp ein Drittel des Buches ein, zwei Drittel sind der historischen Einführung aus der Feder des Schweizer Rätekommunisten Rainer Thomann vorbehalten. Er bietet einen sachkundigen Überblick nicht nur über die entscheidenden Monate des turbulenten Jahres 1917, sondern auch über die Geschichte der Industrialisierung und der Arbeiterbewegung im zaristischen Russland.

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„ak – analyse & kritik – zeitung für linke Debatte und Praxis / Nr. 640 / 21.8.2018“

Arbeiter in Russland

»Dadurch, dass sich die Arbeiter an der Selbstverwaltung in den einzelnen Unternehmen beteiligen, bereiten sie sich auf jene Zeit vor, wenn das Privateigentum an Fabriken und Werken abgeschafft sein wird und die Produktionsmittel zusammen mit den Gebäuden, die auch von Arbeiterhand geschaffen wurden, in die Hände der Arbeiterklasse übergehen.« So steht es in einem Protokoll der Fabrikkomitees der Putilow-Werke in Petersburg, dem späteren Leningrad. Die Beschäftigten des Maschinenbaukonzerns spielten 1917 eine wichtige Rolle beim Sturz des Zaren und in der Zeit der Doppelherrschaft. Dass ein Teil dieser wichtigen Zeugnisse der Selbstorganisation der Arbeiter_innen jetzt erstmals auf Deutsch vorliegt, ist der Hamburger Russischlehrerin und Publizistin Anita Friedetzky zu verdanken. Ihre Übersetzung gibt Einblicke in eine Zeit, als die Arbeiter_innen Geschichte schrieben. Der Berliner Verlag Die Buchmacherei, der sich mit der Veröffentlichung von vergessenen Dokumenten der Arbeiterbewegung Verdienste erworben hat, hat die Protokolle herausgegeben und mit einen ausführlichen Glossar versehen. Der Schweizer Rätekommunist Rainer Thomann liefert einen ausführlichen Einstieg in die Geschichte der Industrialisierung und der Arbeiterbewegung in Russland. So kommen zum 100. Revolutionsjubiläum auch die russischen Lohnabhängigen zu Wort, die die Revolution gemacht haben und dann, wie so oft in der Geschichte, wieder in Vergessenheit geraten sind.

Peter Nowak


Online-Portal „Schattenblick“ April 2018

Redakeure des Online-Mediums Schattenblick – 1994 die erste reinen Online-Zeitung im deutschsprachigen Raum – begleiteten die Veranstaltung mit den Autor/innen des Buches in Hamburg und erstellten einen sehr schönen Einblick ins Thema und die Debatte darum. Sie liegt in drei Teilen vor, auf die wir hier gerne hinweisen möchten:

Teil I (Zum Inhalt des Buches)

http://www.schattenblick.de/infopool/politik/report/prbe0316.html

Teil II (Statements und Diskussion)

http://www.schattenblick.de/infopool/politik/report/prbe0317.html

Teil III (Interview mit Rainer)

http://www.schattenblick.de/infopool/politik/report/prin0411.html


„Junge Welt“, v. 9.4. 2018

Revolution ist Kleinkram
Eine Dokumentation geht »Aufstieg und Fall der Arbeitermacht in Russland« nach und idealisiert diese

Vielleicht hat sich dieses Buch zuviel vorgenommen. Jedenfalls für eine einzige Publikation. Es versucht eine Geschichte des Jahres 1917 in Russland von unten, es ediert die Protokolle des Fabrikkomitees der Petersburger Putilow-Werke aus dem Revolutionsjahr, und es beansprucht, eine Erklärung dafür zu finden, dass die Arbeitermacht, wie sie in der Februarrevolution zutage trat, schon ein Jahr später von den Bolschewiki relativ widerspruchslos liquidiert werden konnte.

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„ajour“ – ★ – magazin für autonomen journalismus vom 30. März 2018

„Aus der Räte-Idee keinen Fetisch machen!“ – über Sowjets in der Russischen Revolution und warum das kein Schnee von gestern ist.

Ein Intervew mit Rainer Thomann

Unzählige Bücher sind im letzten Jahr zur Russischen Revolution erschienen. Einige davon beschäftigen sich nicht erneut mit den berühmten Figuren und ihren vermeintlich genialen Streichen, sondern wagen etwa eine Geschichte «von unten». Dazu gehört auch Rainer Thomanns und Anita Friedetzkys «Aufstieg und Fall der Arbeitermacht in Russland». Das Buch richtet den Fokus auf die Masse der Arbeiter*innen, Soldaten und Bäuer*innen – also auf die eigentlichen Protagonist*innen der Revolution von 1917 – und beleuchtet eingehend deren genuine Organisationsform: die Räte. Wir haben mit dem Winterthurer Autor gesprochen.

Text des Interviews im ajour

Das Interview wurde auch im „Untergrundblättle“ (UB) gespiegelt:

„Untergrund Blättle“ (UB)

 


„Express“ Nr. 1-2 / 2018

Geschichte schreiben

Dokumente zur Rolle der Fabrikkomitees in der russischen Revolution zugänglich gemacht – Von Renate Hürtgen*

Nach dem Sturz der Zarenherrschaft im Februar 1917 und der Übernahme der Macht durch eine „Provisorische Regierung“ nahm die Arbeiterbewegung in Russland einen rasanten Aufschwung. Ein „Arbeiterrat“ in Petrograd gab das Vorbild für die legendären Arbeiter- und Soldatenräte, die als proletarische Gegenmacht zur provisorischen Regierung jene „Doppelherrschaft“ begründeten, welche im Oktober 1917 zu ihren Gunsten endete. Neben dem Ausbau dieses auf Stadt-, Bezirks- und Landesebene arbeitenden Rätenetzes begann sich nach dem Februar die russische Gewerkschaftsbewegung zu entwickeln; als im Juni 1917 die Allrussische Gewerkschaftskonferenz zusammentrat, waren bereits 2.000 Gewerkschaften aller Größen, Berufsgruppen und Branchen gegründet.[1]

Eine noch größere Verbreitung als die der Gewerkschaften fand nach der Februarrevolution eine in dieser Art bisher unbekannte betriebliche Arbeitervertretung: die Fabrikkomitees. Vor allem in großen Industriebetrieben, namentlich der Metallindustrie, wählten im April 1917 die Belegschaften hier Fabrik- und Werkkomitees. Deren „Vorgeschichte“ begann 1905, als in den Massenstreiks, neben der Abschaffung unmenschlicher Zustände in den Fabriken und dem Kampf um Brot, auch erste Forderungen nach ständigen Kommissionen von Arbeiterdelegierten erhoben wurden. Die Kampfkraft der russischen Arbeiter reichte jedoch seinerzeit noch nicht so weit, es gelang lediglich, betriebliche Vertretungsorgane wie „Werkstattobleute“ und „Ältestenräte“ in russischen Großbetrieben zu installieren. Betriebliche und überbetriebliche Organisationen einer autonomen Arbeiterbewegung sind in Russland erst im Zuge der Februarrevolution 1917 erkämpft worden.
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