Medienkritik zu "Allgemein"

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“ak 670” v. 20.4.2021

… überaus hilfreich für die Frage der Zukunft migrantisch geprägter Arbeitskämpfe

Der Verlag Die Buchmacherei entpuppt sich als wichtigster Verlag für soziale Bewegungen in der Arbeitswelt. Das zeigt auch die neue Publikation »Mall of Shame« um den migrantisch geprägten und von der Freien Arbeiterinnen- und Arbeiter-Union (FAU) unterstützten Arbeitskampf an dem Berliner Einkaufszentrum Mall of Berlin. Der Sammelband wird von zwei im Konflikt als Übersetzer*innen Aktiven herausgegeben. Das macht den Band zum spannendsten Buch zum Thema Arbeitskonflikt seit Langem. Gut die Hälfte besteht aus Interviews mit den osteuropäischen Arbeitern, die den Konflikt getragen haben. Das ist so erfrischend wie aufschlussreich. Das Engagement der Basisgewerkschaft tritt bescheiden in den Hintergrund gegenüber der Perspektive jener, um die es geht. Da darf im Nachhinein ein solcher Kampf auch durchaus zu »verlorener Zeit« erklärt werden, individuelle Rassismen, Differenzen und die Distanz zur Anarcho-Subkultur sind (auch in einem Interview mit Aktiven aus der FAU) Thema, vor allem aber auch die Lebensgeschichte und aktuelle Lage der Berichtenden. Chronologie und Aufsätze zur juristischen und gesellschaftlichen Einordnung des Kampfes sind eher Beiwerk zu den zentralen Gesprächen. Schmankerl: In einer Diskussion mit Karl-Heinz Roth vergleichen die Herausgeber*innen den aktuellen Kampf mit den »wilden« Streiks der frühen 1970er Jahre; auch diese vergleichende Perspektive ist überaus hilfreich für die Frage der Zukunft migrantisch geprägter Arbeitskämpfe.

Torsten Bewernitz


“taz” v. 22.3. 2021

Ausbeutung von Arbeitern in Berlin: „Erfahrungen zusammentragen“

Im Interview: Olga Schell & Hendrik Lackus

Viele Arbeiter auf der Baustelle der Mall of Berlin wurden um ihren Lohn geprellt. Ein Buch geht der Frage nach, was aus ihnen wurde.

taz: Frau Schell, Herr Lackus, der Arbeitskampf migrantischer Bauarbeiter der „Mall of Berlin“ hat in den Jahren 2014 und 2015 Schlagzeilen gemacht. Warum geben Sie sechs Jahre später ein Buch dazu heraus?

Hendrik Lackus: Nachdem wir jahrelang den Kampf begleitet hatten, wollten wir die Erfahrungen zusammentragen und dazu beitragen, dass diese Geschichte eines migrantischen Arbeitskampfes auf einer Berliner Baustelle nicht in Vergessenheit gerät. Insbesondere wollten wir wissen, was die Bauarbeiter, die längst wieder weitergezogen waren, rückblickend über diesen Kampf denken. Und wir wollten den Kampf historisch und politisch einordnen. Deshalb haben wir recherchiert und auch Interviews mit Leuten geführt, die nicht direkt beteiligt waren.

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