Medienkritik zu "Allgemein"

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“taz” v. 22.3. 2021

Ausbeutung von Arbeitern in Berlin: „Erfahrungen zusammentragen“

Im Interview: Olga Schell & Hendrik Lackus

Viele Arbeiter auf der Baustelle der Mall of Berlin wurden um ihren Lohn geprellt. Ein Buch geht der Frage nach, was aus ihnen wurde.

taz: Frau Schell, Herr Lackus, der Arbeitskampf migrantischer Bauarbeiter der „Mall of Berlin“ hat in den Jahren 2014 und 2015 Schlagzeilen gemacht. Warum geben Sie sechs Jahre später ein Buch dazu heraus?

Hendrik Lackus: Nachdem wir jahrelang den Kampf begleitet hatten, wollten wir die Erfahrungen zusammentragen und dazu beitragen, dass diese Geschichte eines migrantischen Arbeitskampfes auf einer Berliner Baustelle nicht in Vergessenheit gerät. Insbesondere wollten wir wissen, was die Bauarbeiter, die längst wieder weitergezogen waren, rückblickend über diesen Kampf denken. Und wir wollten den Kampf historisch und politisch einordnen. Deshalb haben wir recherchiert und auch Interviews mit Leuten geführt, die nicht direkt beteiligt waren.

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“Augustin” v. 9. März 2021

Arbeitskampf auf der Baustelle

«Ich bin einer der sieben Arbeiter, die nicht akzeptieren wollten, erniedrigt und verraten zu werden.» So begann Elvis Iancu 2015 seine Protestrede vor der Baustelle einer glitzernden Shopping Mall in Berlin. Das Bauunternehmen hatte ihn um seinen Lohn geprellt. Zusammen mit sechs Kollegen, die alle in Rumänien angeworben worden waren, kämpfte Elvis Iancu bis 2019 um seinen Lohn. Unterstützt wurde die Gruppe von der linken Basis­gewerkschaft FAU. Vergeblich: Als die Arbeiter vor Gericht Recht erhielten, flüchteten sich die Unternehmen in die Insolvenz. Heute trägt die Mall bei den Berliner_innen den Namen Mall of Shame – Kaufhaus der Schande. In dem gleichnamigen Buch dokumentieren Hendrik Lackus und Olga Schell nun den Arbeitskampf der rumänischen Wanderarbeiter. Im Mittelpunkt stehen Interviews mit Elvis Iancu und seinen Kollegen. Sie werden ergänzt durch Interviews mit FAU-Aktivist_innen und anderen Beteiligten. Eine ungewöhnliche Geschichte ohne «Happy End», die trotzdem Mut macht.

Henrik Lebuhn


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