Medienkritik zu "Mall of Shame"

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“Direkte Aktion” 28.4. 2021

Die nicht bezahlten Wanderarbeiter:innen der Mall of Shame

Sammelband über den Bau eines Berliner Luxuskaufhauses

Von: Caroline Königs – 28. April 2021

Im letzten Jahr wurde vermehrt die Frage nach den Arbeitsbedingungen von Wanderarbeiter:innen[1] gestellt: Wie kann es in Deutschland sein, dass Arbeiter:innen der Fleischindustrie zu dritt in kleinen Zimmern hausen müssen? Wieso wird in einem Land mit Bruttoinlandsprodukt in Billionenhöhe rumänischen Erntehelfer:innen ihr Lohn vorenthalten? Und wieso wurde im Herbst 2019 vor Gericht entschieden, dass die Bauarbeiter:innen der Mall of Shame für ihre Arbeit nicht bezahlt werden? Mit diesen Fragen beschäftigt sich der Sammelband Mall of Shame. Kampf um Würde und Lohn von Hendrik Lackus und Olga Schell.

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“ak” Nr. 670 v. 20.4.2021

Mall of Shame

Der Verlag Die Buchmacherei entpuppt sich als wichtigster Verlag für soziale Bewe­gungen in der Arbeitswelt. Das zeigt auch die neue Publikation »Mall of Shame« um den migrantisch geprägten und von der Freien Arbeiterinnen- und Arbeiter-Union (FAU) unterstützten Arbeitskampf an dem Berliner Einkaufszentrum Mall of Berlin. Der Sammelband wird von zwei im Konflikt als Übersetzer*innen Aktiven herausgegeben. Das macht den Band zum spannendsten Buch zum Thema Arbeitskonflikt seit Langem. Gut die Hälfte besteht aus Interviews mit den ost­europäischen Arbeitern, die den Konflikt getragen haben. Das ist so erfrischend wie aufschlussreich. Das Engagement der Basisgewerkschaft tritt bescheiden in den Hintergrund gegenüber der Perspektive jener, um die es geht. Da darf im Nachhi­nein ein solcher Kampf auch durchaus zu “verlorener Zeit” erklärt werden, individu­elle Rassismen, Differenzen und die Dis­tanz zur Anarcho-Subkultur sind (auch in einem Interview mit Aktiven aus der FAU) Thema, vor allem aber auch die Lebens­geschichte und aktuelle Lage der Berich­tenden. Chronologie und Aufsätze zur juristischen und gesellschaftlichen Ein­ordnung des Kampfes sind eher Beiwerk zu den zentralen Gesprächen. Schman­kerl: In einer Diskussion mit Karl-Heinz Roth vergleichen die Herausgeber*innen den aktuellen Kampf mit den »wilden« Streiks der frühen 197oer Jahre; auch diese vergleichende Perspektive ist überaus hilfreich für die Frage der Zukunft migrantisch geprägter Arbeitskämpfe.

Torsten Bewernitz


“Graswurzelrevolution” 459, Mai 2021

Arbeitskampf als verlorene Zeit?

Wer pflückt unsere Erdbeeren? Wer erntet den Spargel“ Wer putzt, pflegt und bringt die Pakete? Je schlechter eine Arbeit, je Mieser bezahlt, desto stärker setzt die Branche migrantische Arbeit ein. Kapitalistische Logik: Menschen, die die Landessprache nicht sprechen; Menschen, die die Gesetze nicht kennen; Menschen, die Geld brauchen, weil sich in ihrer Heimat der Kapitalismus ohne soziale Maske zeigt, lassen sich leichter ausbeuten. Peter Nowak schreibt über die migrantische Arbeit in Deutschland und das System der Subunternehmen.

„Eingeflogen, ausgebeutet, infiziert“, lautete kürzlich die Überschrift eines Artikels in der Tageszeitung Neues Deutschland. Dort wurde an die Arbeitsbedingungen der ausländischen Erntehelfer*innen in Deutschland erinnert, die im letzten Jahr kurz im Fokus der medialen und politischen Aufmerksamkeit standen. Es war mitten im ersten Lockdown. Alle Grenzen waren geschlossen, aber Erntehelfer*innen aus Osteuropa durften mit einer Sondergenehmigung nach Deutschland kommen. Schließlich ging es darum, dass die Spargelernte im Kalender stand, und die ließ sich nun nicht verschieben. Ein Jahr später heißt es auf der Internetplattform agrarheute: „Die Corona-Pandemie hält Europa weiter fest im Griff. Dennoch brauchen die Landwirte wieder ausländische Saisonarbeitskräfte zur Ernte von Spargel, Erdbeeren und vielen anderen Kulturen.“ Erleichtert stellen die Landwirt*innen fest, dass mit Ausnahme einiger Virusvariantengebiete die Saisonarbeitskräfte ungehindert nach Deutschland einreisen können. 

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“express” 3-4 / 2021

Gegenseitige Hilfe in allen möglichen Bereichen

Das Buch zum »Mall of Shame«-Konflikt lässt die Arbeiter zu Wort kommen

Den meisten Leser:innen des express dürfte der Begriff »Mall of Shame« bekannt sein. Er steht für den Kampf um nicht ausgezahlte Löhne, den irregulär beschäftigte rumänische Arbeiter auf der Großbaustelle des Einkaufszentrums »Mall of Berlin« ab November 2014 mit Unterstützung der syndikalistischen Basisgewerkschaft FAU Berlin führten und der ein Schlaglicht warf auf weit verbreitete illegale Beschäftigungspraktiken in der Bauindustrie. Dass Wanderarbeiter selbst für ihre Interessen kämpften – und eine breite Öffentlichkeit dafür geschaffen werden konnte – war angesichts ihrer prekären Lage keineswegs selbstverständlich.

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“taz” v. 22.3. 2021

Ausbeutung von Arbeitern in Berlin: „Erfahrungen zusammentragen“

Im Interview: Olga Schell & Hendrik Lackus

Viele Arbeiter auf der Baustelle der Mall of Berlin wurden um ihren Lohn geprellt. Ein Buch geht der Frage nach, was aus ihnen wurde.

taz: Frau Schell, Herr Lackus, der Arbeitskampf migrantischer Bauarbeiter der „Mall of Berlin“ hat in den Jahren 2014 und 2015 Schlagzeilen gemacht. Warum geben Sie sechs Jahre später ein Buch dazu heraus?

Hendrik Lackus: Nachdem wir jahrelang den Kampf begleitet hatten, wollten wir die Erfahrungen zusammentragen und dazu beitragen, dass diese Geschichte eines migrantischen Arbeitskampfes auf einer Berliner Baustelle nicht in Vergessenheit gerät. Insbesondere wollten wir wissen, was die Bauarbeiter, die längst wieder weitergezogen waren, rückblickend über diesen Kampf denken. Und wir wollten den Kampf historisch und politisch einordnen. Deshalb haben wir recherchiert und auch Interviews mit Leuten geführt, die nicht direkt beteiligt waren.

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“Augustin” v. 9. März 2021

Arbeitskampf auf der Baustelle

«Ich bin einer der sieben Arbeiter, die nicht akzeptieren wollten, erniedrigt und verraten zu werden.» So begann Elvis Iancu 2015 seine Protestrede vor der Baustelle einer glitzernden Shopping Mall in Berlin. Das Bauunternehmen hatte ihn um seinen Lohn geprellt. Zusammen mit sechs Kollegen, die alle in Rumänien angeworben worden waren, kämpfte Elvis Iancu bis 2019 um seinen Lohn. Unterstützt wurde die Gruppe von der linken Basis­gewerkschaft FAU. Vergeblich: Als die Arbeiter vor Gericht Recht erhielten, flüchteten sich die Unternehmen in die Insolvenz. Heute trägt die Mall bei den Berliner_innen den Namen Mall of Shame – Kaufhaus der Schande. In dem gleichnamigen Buch dokumentieren Hendrik Lackus und Olga Schell nun den Arbeitskampf der rumänischen Wanderarbeiter. Im Mittelpunkt stehen Interviews mit Elvis Iancu und seinen Kollegen. Sie werden ergänzt durch Interviews mit FAU-Aktivist_innen und anderen Beteiligten. Eine ungewöhnliche Geschichte ohne «Happy End», die trotzdem Mut macht.

Henrik Lebuhn


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