{"id":10076,"date":"2026-05-24T12:42:12","date_gmt":"2026-05-24T10:42:12","guid":{"rendered":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/?p=10076"},"modified":"2026-07-27T14:28:03","modified_gmt":"2026-07-27T12:28:03","slug":"antifa-mai-juni-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/antifa-mai-juni-2026\/","title":{"rendered":"&#8220;antifa&#8221; Mai\/Juni 2026"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>J\u00fcdisches Engagement zwischen Geschichte und Gegenwart<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Joachim Holz<\/p>\n\n\n\n<p>Bereits im Vorwort von \u00bbDie radikale j\u00fcdische Tradition\u00ab wird ein Leitmotiv der deutschen Ausgabe formuliert: Donny Gluckstein und Janey Stone betonen, dass j\u00fcdisches politisches Engagement in vielen \u00bbwestlichen\u00ab L\u00e4ndern \u2013 vor allem in der Bundesrepublik \u2013 besonders starker Repression ausgesetzt ist.<br><br>Umschlag in offenen Antisemitismus Gluckstein und Stone erinnern daran, dass bereits<br>vor dem Ersten Weltkrieg Antisemiten in f\u00fchrenden Positionen des britischen Empire das Projekt einer j\u00fcdischen Staatsgr\u00fcndung unterst\u00fctzten, nicht zuletzt, um J\u00fcdinnen und Juden aus Europa zu verdr\u00e4ngen. Die scheinbar widerspr\u00fcchliche Verbindung von Antisemitismus und Zionismus ist ein wiederkehrendes Motiv, das immer wieder aufgegriffen wurde. Wie Deborah Feldman im Essay \u00bbFor the Love of Jews\u00ab im Berlin Review betont, kann ein solcher Philosemitismus und Philozionismus leicht in offenen Antisemitismus umschlagen.<br><br>Im Zentrum des Buches steht die linksradikale j\u00fcdische Tradition im sp\u00e4ten 19. und fr\u00fchen 20.<br>Jahrhundert zwischen Ostsee und Schwarzem Meer. Mit den Emigrationsbewegungen verlagerte sich dieser Widerstandsgeist zun\u00e4chst nach London und sp\u00e4ter nach New York. In beiden St\u00e4dten waren J\u00fcdinnen und Juden \u00fcberproportional in sozialistischen, kommunistischen und anarchistischen Bewegungen aktiv. So schrieb der j\u00fcdisch-jiddische Bund 1901 in seiner Zeitung Di Arbeyter Shtimme: \u00bbWie das Proletariat jeder Nation ist auch [der Bund] eine unabh\u00e4ngige Partei des universalen Proletariats.\u00ab<br><br>Auch Antisemitismus innerhalb der Arbeiterbewegung wird thematisiert. Die Autoren betonen<br>jedoch, dass insbesondere revolution\u00e4re Bewegungen aktiv dagegen vorgingen. So verpflichtete sich der erste allrussische R\u00e4tekongress am 22. Juni 1917 dem Kampf gegen den Antisemitismus. Kommunistische Kr\u00e4fte betrieben Bildungsarbeit und gingen teils gewaltsam gegen Pogrome vor; 1918 hie\u00df es in der Prawda: \u00bbGegen die Juden zu sein hei\u00dft, f\u00fcr den Zar zu sein.\u00ab<br><br><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Mythos j\u00fcdischer Bolschewismus<\/strong><br><br><\/p>\n\n\n\n<p>Zugleich zeigen Gluckstein und Stone, wie der Mythos vom \u00bbj\u00fcdischen Bolschewismus\u00ab entstand,<br>mit dem rechte Kr\u00e4fte seit 1918 Antikommunismus und Antisemitismus miteinander verkn\u00fcpfen. Prominente Personen wie Lenin oder Trotzki wurden dabei zu Projektionsfl\u00e4chen gemacht, gleichwohl sie sich selbst nicht als j\u00fcdisch bezeichneten. So sei die Arbeiterbewegung zwar weniger \u00bbj\u00fcdisch\u00ab gewesen, als ihre Gegner behaupteten, jedoch habe es ein deutliches j\u00fcdisches \u00dcbergewicht gegeben.<br><br><\/p>\n\n\n\n<p>Ein ausf\u00fchrliches Kapitel widmet sich den Auseinandersetzungen in den USA der 1930er-Jahre. Im<br>Februar 1939 kulminierte der Konflikt in New York, als Proteste gegen den \u00bbAmerikadeutschen Bund\u00ab im Madison Square Garden in eine stundenlange Stra\u00dfenschlacht m\u00fcndeten. Trotz Zur\u00fcckhaltung etablierter Organisationen \u2013 der gro\u00dfen jiddischen Zeitungen, der Arbeiterzionisten von Hashomer Hatzair sowie der Kommunistischen Partei \u2013 mobilisierte die kleine trotzkistische Socialist Workers Party (SWP) Zehntausende zu den Protesten.<br><br><\/p>\n\n\n\n<p>An den K\u00e4mpfen beteiligten sich j\u00fcdische Arbeiterinnen und Arbeiter ebenso wie schwarze Aktivistinnen und Aktivisten, Mitglieder der kommunistischen Partei sowie weitere migrantische Gruppen wie die italienischen und irischen Arbeiterinnen und Arbeiter. Obwohl die f\u00fcnfst\u00fcndige Stra\u00dfenschlacht den Kongress des Amerikadeutschen Bundes nicht verhindern konnte, wurde sie als \u00fcberw\u00e4ltigender Erfolg gewertet. Auf ein weiteres Kr\u00e4ftemessen wollten sich Faschisten und Polizei offenbar nicht einlassen. Der Vormarsch des Amerikadeutschen Bundes wurde in New York gestoppt. Mit der breiten Allianz zwischen Juden und Schwarzen, damals bekannt als \u00bbnegro-jewish alliance\u00ab, zeigte der Antifaschismus eine bis heute un\u00fcbertroffene Schlagkraft.<br><\/p>\n\n\n\n<p><strong>J\u00fcdischer Widerstand gegen die Nazis<\/strong><br><br>Der dritte Teil des Buches widmet sich dem bewaffneten j\u00fcdischen Widerstand gegen die Nazis und den Holocaust. Im vierten Teil schlagen die Autoren den Bogen zur Gegenwart. Sie stellen eine Verbindung zwischen dem Aufstand im Warschauer Ghetto und dem heutigen Kampf der Pal\u00e4stinenserinnen und Pal\u00e4stinenser gegen die israelische Besatzung Gazas und der Westbank her. Sie berufen sich dabei unter anderem auf Marek Edelman, einen der Anf\u00fchrer des Aufstands von 1943, der sich sp\u00e4ter solidarisch mit der pal\u00e4stinensischen Bewegung \u00e4u\u00dferte und sich zeitlebens gegen eine zionistische Vereinnahmung der Erinnerung stellte.<\/p>\n\n\n\n<p>Abschlie\u00dfend formulieren Gluckstein und Stone eine grunds\u00e4tzliche Ablehnung der deutschen Staatsr\u00e4son gegen\u00fcber Israel. Sie argumentieren, dass ein ernsthaftes Gedenken an die Opfer des deutschen Faschismus nicht mit der Unterst\u00fctzung eines Staates vereinbar sei, den sie als ultranationalistisch charakterisieren, und verbinden dies mit einer generellen Kritik an gegenw\u00e4rtigen politischen Entwicklungen.<br><br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>J\u00fcdisches Engagement zwischen Geschichte und Gegenwart Joachim Holz Bereits im Vorwort von \u00bbDie radikale j\u00fcdische Tradition\u00ab wird ein Leitmotiv der deutschen Ausgabe formuliert: Donny Gluckstein&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_eb_attr":"","footnotes":""},"categories":[218,121,188],"tags":[],"class_list":["post-10076","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-die-radikale-juedische-tradition","category-lebendiger-antifaschismus","category-medienkritiken"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10076","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10076"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10076\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10210,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10076\/revisions\/10210"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10076"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10076"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10076"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}