{"id":10244,"date":"2026-07-29T12:26:55","date_gmt":"2026-07-29T10:26:55","guid":{"rendered":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/?p=10244"},"modified":"2026-07-29T12:36:07","modified_gmt":"2026-07-29T10:36:07","slug":"nd-v-18-10-2024","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/nd-v-18-10-2024\/","title":{"rendered":"nd v. 18.10. 2024"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Die Crux der Augenauswischerei<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In \u00d6sterreich, Niederlande und Italien sind die Ultrarechten die st\u00e4rksten Parteien. In Frankreich&nbsp;wird gerade eine konservative Regierung vom ultrarechten Rassemblement National&nbsp;(RN, Nationale Sammelbewegung; bis 2018 Front National) toleriert, obwohl dort bei den Parlamentswahlen eigentlich ein&nbsp;linkes Parteienb\u00fcndnis die relative Mehrheit gewonnen hat.&nbsp;Auch in Deutschland scheint sich mit der AfD eine ultrarechte Partei dauerhaft in der Parteienlandschaft zu etablieren. Gr\u00fcne und Linksliberale begegnen&nbsp;dieser&nbsp;Rechtsentwicklung meistens nur mit moralischen Aufrufen zur Verteidigung demokratischer Werte.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Buch von Anton Stengl hebt sich wohltuend von&nbsp;einer hilflosen Antirechts-Rhetorik ohne Analyse ab. Anton Stengl ist ein Alias-Name, hinter dem sich ein jahrzehntelanger Beobachter der rechten Szene verbirgt, die Anonymisierung dient dem Selbstschutz. Das Buch ist eine Sammlung von Aufs\u00e4tzen zu verschiedenen Aspekten&nbsp;und Facetten der neuen Rechten, unterf\u00fcttert mit profunden historischen Kenntnissen. Das zeigt sich besonders in den Kapiteln, in denen der Autor auf wichtige Stichwortgeber der aktuellen Rechten eingeht. Mit Kurzportr\u00e4ts von Ernst J\u00fcnger, Ernst Niekisch und Armin Mohler widerlegt er linksliberale Augenauswischerei, wonach die extreme Rechte nichts mit der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft, insbesondere dem Konservatismus, zu tun habe.<\/p>\n\n\n\n<p>J\u00fcnger bekam in der BRD zahlreiche Preise, obwohl er seine guten Kontakte in die ultrarechte Szene nie verheimlichte. Bei seiner Beerdigung trauerten auch CDU-Politiker. F\u00fcr verschwommene Grenzen zwischen Konservativen und Neuen Rechten zeugt auch das Beispiel Armin Mohler. Der Schweizer kam als 20-J\u00e4hriger 1942 illegal&nbsp;nach Deutschland,&nbsp;um sich der Waffen-SS anzuschlie\u00dfen. Sp\u00e4ter wurde er Privatsekret\u00e4r von J\u00fcnger und schrieb f\u00fcr konservative Zeitungen in Westdeutschland und der Schweiz, aber auch f\u00fcr das rechte Blatt \u00bbJunge Freiheit\u00ab und die \u00bbDeutsche Nationalzeitung\u00ab.&nbsp;Er verfasste Reden f\u00fcr den CSU-Chef und Unionskanzlerkandidaten Franz Josef Strau\u00df und engagierte sich Mitte der 1980er Jahre f\u00fcr die rechte CSU-Abspaltung \u00bbDie Republikaner\u00ab. Bis zum Lebensende blieb Mohler ein Bewunderer Hitlers, dem&nbsp;er bescheinigte, \u00bbeine richtige F\u00fchrung geschaffen\u00ab zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Statt moralischer Emp\u00f6rung \u00fcber die Rechten liefert Stengl Beitr\u00e4ge f\u00fcr eine tiefere Analyse. Wie aus dem Untertitel ersehbar, blickt er auch in die Ukraine. \u00bbTerroristen\u00ab nennt er die Angeh\u00f6rigen des Asow-Regiments,&nbsp;dem er ein ganzes Kapitel widmet. Darin verweist er auch auf deren enge Kontakte zu deutschen Neonazis wie der Kleinstpartei \u00bbDer III. Weg\u00ab.&nbsp;Stengl \u00fcbersieht nicht die rechte Szene in Russland und geht auf prorussische Positionen bei Rechten in Deutschland ein. Der im Untertitel aufgef\u00fchrte \u00bbitalienische Showmann\u00ab ist Diego Fusaro, ein rechter Intellektueller, der in seiner Heimat eine gro\u00dfe Reichweite hat und auch bei Rechtsintellektuellen in Deutschland viel Zuspruch bekommt.&nbsp; Fusaro versucht dreist, den italienischen Kommunisten Antonio Gramsci und sogar Karl Marx f\u00fcr die Rechten vereinnahmen, wobei er nat\u00fcrlich deren staats- und kapitalismuskritischen, emanzipatorischen Aussagen ausblendet beziehungsweise missdeutet.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00c4hnliche Artikel<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1186017.ein-ganz-normaler-mann.html?pk_campaign=similar-articles&amp;pk_kwd=older-articles\"><time>15.10.2024<\/time> \/ Gerald Gr\u00fcneklee Ein ganz normaler Mann? 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Stengl zeigt auf, dass die Vorstellung vom Leben in kleinen \u00fcberschaubaren Gemeinschaften f\u00fcr beide Lager kompatibel ist. Wenn Michael Walzer, ein bekannter Theoretiker des Kommunitarismus, sagt, \u00bbgute Z\u00e4une&nbsp;ergeben gute Gesellschaften\u00ab, dann bekommt jener sowohl bei Sozialdemokrat*innen als auch bei Rechtsau\u00dfen-Politiker*innen Applaus. Kurzum, Stengls Buch empfiehlt sich f\u00fcr alle, die sich mit Rechten und Rechtsextremen auseinandersetzen m\u00fcssen und wollen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Crux der Augenauswischerei In \u00d6sterreich, Niederlande und Italien sind die Ultrarechten die st\u00e4rksten Parteien. 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