{"id":1029,"date":"2016-12-31T23:34:41","date_gmt":"2016-12-31T22:34:41","guid":{"rendered":"http:\/\/diebuchmacherei.de\/?p=1029"},"modified":"2016-12-31T23:35:41","modified_gmt":"2016-12-31T22:35:41","slug":"neues-deutschland-vom-21-12-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/neues-deutschland-vom-21-12-2016\/","title":{"rendered":"&#8220;Neues Deutschland&#8221; vom 21.12. 2016"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u00bbF\u00fcr einen libert\u00e4ren Marxismus\u00ab<\/strong><\/p>\n<p>Linke wollen mit einem Buch \u00fcber das Verh\u00e4ltnis von Anarchisten und Marxisten eine Br\u00fccke zwischen den Str\u00f6mungen schlagen<\/p>\n<p>Der ehemalige franz\u00f6sische Pr\u00e4sidentschaftskandidat Oliver Besancenot und Philosoph Michael L\u00f6wy bieten die analytische Basis f\u00fcr Kooperationsm\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<p><em>Von Peter Nowak<\/em><\/p>\n<p>\u00bbDie Schwarze Front und die Rote Front sind wir\u00ab. Dieser Refrain eines Liedes der Band \u00bbTon-Steine-Scherben\u00ab wird noch immer auf linken Demonstrationen angestimmt. Daher d\u00fcrfte das k\u00fcrzlich im Verlag \u00bbDie Buchmacherei\u00ab erschienene Buch mit dem Titel \u00bbRevolution\u00e4re Ann\u00e4herung \u2013 unsere roten und schwarzen Sterne\u00ab zumindest vom Titel her auf Zustimmung sto\u00dfen. Schlie\u00dflich verwenden auch anarchosyndikalistische Organisationen und die Basisgewerkschaft FAU diese Farben.<\/p>\n<p>Den beiden Buchautoren geht es jedoch um einen Dialog zwischen den Marxisten und Anarchisten. Auf dem Cover wird das etwas missverst\u00e4ndlich mit einer Solidarit\u00e4t zwischen den beiden linken Str\u00f6mungen beschrieben. Doch Solidarit\u00e4t angesichts von Repression oder rechten Angriffe kann auch linken Str\u00f6mungen gelten, mit denen man ansonsten politisch nicht viel zu tun hat.<\/p>\n<p>Den Autoren Oliver Besancenot und Michal L\u00f6wy ging es im Kern darum, \u00bbeine Br\u00fccke zwischen den beiden gro\u00dfen revolution\u00e4ren Traditionen zu schlagen\u00ab. Das unterstreichen sie besonders im letzten Teil des Buches, der die \u00dcberschrift \u00bbF\u00fcr einen libert\u00e4ren Marxismus\u00ab tr\u00e4gt. Beide kommen aus der antistalinistischen franz\u00f6sischen Linken, die stark von Trotzki beeinflusst war. Michael L\u00f6wy befasste sich zudem fr\u00fch mit \u00f6kosozialistischen Themen. Besancenot ist Brieftr\u00e4ger und war als Pr\u00e4sidentschaftskandidat der Neuen Antikapitalistischen Linken (NPA) bei den vorletzten Pr\u00e4sidentschaftswahlen landesweit bekannt geworden. Ihm ist es zu verdanken, dass Thesen der radikalen Linken in gr\u00f6\u00dferen Kreisen der Gesellschaft diskutiert wurden. Doch die Hoffnung, dass die NPA, die von einem Teil der trotzkistischen Linken gegr\u00fcndet wurde, zu einem B\u00fcndnisprojekt einer neuen Linken werden k\u00f6nnte, die sich sowohl von der Sozialdemokratie als auch den Erben des Stalinismus abhebt, erf\u00fcllte sich nicht. Oliver Besancenot lehnte bei den letzten Pr\u00e4sidentenwahlen trotz Bitten seiner Partei eine erneute Kandidatur ab. Er arbeitet stattdessen wieder an der Basis. Mit dem Buch, das in Frankreich bereits 2014 erschienen ist, kn\u00fcpfen beide Autoren an den Gr\u00fcndungsvorstellungen der NPA an.<\/p>\n<p>Der gr\u00f6\u00dfte Teil des Buches befasst sich mit historische Ereignissen wie der Pariser Commune und den M\u00e4rtyrern von Chicago, sieben Arbeiter, die 1886 wegen eines Anschlags, mit dem sie nichts zu tun hatten, hingerichtet wurden. Die II. Internationale rief ihnen zum Gedenken den 1. Mai als Internationalen Kampftag aus.<\/p>\n<p>Auch die historischen Begebenheiten, die zum Zerw\u00fcrfnis zwischen Anarchisten und Marxisten f\u00fchrten, werden ausf\u00fchrlich behandelt. So gibt es etwa eine Analyse zu dem Aufstand der Kronst\u00e4dter Matrosen gegen die Sowjetregierung im M\u00e4rz 1921. Trotzki geh\u00f6rte seinerzeit zu den Bef\u00fcrwortern der Niederschlagung des Aufstands. Vermittlungsversuche von Anarchisten wie Emma Goldmann wurden ignoriert. Damals zerriss das Band zwischen Anarchisten und Anarchosyndikalisten auf der einen Seite und der kommunistischen Mehrheitsstr\u00f6mung, die sich mit der SU identifizierte, auf der anderen.<\/p>\n<p>Die Autoren entwerfen ein differenziertes Bild dieser Geschehnissen und kritisieren auch die Rolle Trotzkis. Der hatte noch 1937 im Exil die Niederschlagung des Aufstands verteidigt. Kurz vor seiner Ermordung verfasste er gemeinsam mit Andre Breton ein \u00bbManifest f\u00fcr eine freie revolution\u00e4re Kultur\u00ab, in dem es hei\u00dft: \u00bbDie Revolution muss von Anfang an f\u00fcr das k\u00fcnstlerische Schaffen ein anarchistisches Regime pers\u00f6nlicher Freiheit schaffen und garantieren\u00ab.<\/p>\n<p>In Kurzbiografien werden von Emma Goldmann \u00fcber den spanischen Anarchisten Durrutti bis zu Walter Benjamin linke Pers\u00f6nlichkeiten vorgestellt, die eine Kooperation zwischen Anarchismus und Kommunismus bef\u00fcrworteten. Etwas zu knapp werden dagegen die derzeitigen K\u00e4mpfe thematisiert. Dabei sollte sich die rot-schwarze Kooperation gerade in den aktuellen politischen Fragen bew\u00e4hren. Nichtsdestotrotz bietet das die Basis f\u00fcr eine fundierte Debatte \u00fcber Kooperationsm\u00f6glichkeiten. Der Verlag \u00bbDie Buchmacherei\u00ab hat in der Vergangenheit schon B\u00fccher herausgegeben, die Gemeinsamkeiten zwischen Marxisten und Anarchisten ausloten. Bei den beiden \u00dcbersetzern des Buches ist die Kooperation auch praktisch gelungen. Andreas F\u00f6rster ist in der FAU aktiv und Elfriede M\u00fcller geh\u00f6rt zu den Unterst\u00fctzern der NPA.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00bbF\u00fcr einen libert\u00e4ren Marxismus\u00ab Linke wollen mit einem Buch \u00fcber das Verh\u00e4ltnis von Anarchisten und Marxisten eine Br\u00fccke zwischen den Str\u00f6mungen schlagen Der ehemalige franz\u00f6sische&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_eb_attr":"","footnotes":""},"categories":[39],"tags":[],"class_list":["post-1029","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-revolutionaere-annaeherung"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1029","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1029"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1029\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1029"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1029"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1029"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}