{"id":1053,"date":"2017-02-23T15:31:06","date_gmt":"2017-02-23T14:31:06","guid":{"rendered":"http:\/\/diebuchmacherei.de\/?p=1053"},"modified":"2017-02-23T15:31:06","modified_gmt":"2017-02-23T14:31:06","slug":"zeitschrift-die-internationale-magazin-der-internationalen-sozialistischen-organisation-nr-1-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/zeitschrift-die-internationale-magazin-der-internationalen-sozialistischen-organisation-nr-1-2017\/","title":{"rendered":"Zeitschrift &#8220;die internationale. Magazin der Internationalen Sozialistischen Organisation&#8221; Nr. 1 \/ 2017"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Zielsetzung der Autoren<\/strong><\/p>\n<p>Schriften der Arbeiter\/innenbewegung berichten von den Uneinigkeiten, Konflikten und Auseinandersetzungen zwischen Marxist\/innen und Anarchist\/innen. Anh\u00e4nger\/innen beider Str\u00f6mungen haben nicht selten theoretische oder historische Arbeiten verfasst, um die Gegenspieler\/innen anzuprangern. Ein recht bekanntes Beispiel ist Stalins: Anarchismus oder Sozialismus? (1907). Der sp\u00e4tere Generalsekret\u00e4r der KPdSU schreibt darin: \u201eWir sind der Auffassung, dass die Anarchisten richtige Feinde des Marxismus sind. Wir erkennen also auch an, dass man gegen richtige Feinde einen richtigen Kampf f\u00fchren muss.\u201c<\/p>\n<p>Besancenot und L\u00f6wy distanzieren sich ausdr\u00fccklich von dieser destruktiven Tradition: \u201eZiel unseres Buches ist das genaue Gegenteil\u2026\u201c: \u201eWir hoffen, die Zukunft wird rot und schwarz sein: der Antikapitalismus, der Sozialismus oder Kommunismus des 21. Jahrhunderts wird aus diesen beiden Quellen der Radikalit\u00e4t sch\u00f6pfen m\u00fcssen. Wir wollen einige Samen eines libert\u00e4ren Marxismus streuen, in der Hoffnung, dass sie auf fruchtbaren Boden fallen, dass sie wachsen und gedeihen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Inhalt\/Themen<\/strong><\/p>\n<p>Marxistische und anarchistische Str\u00f6mungen geh\u00f6rten in den revolution\u00e4ren Bewegungen des 20. Jahrhunderts zu den dynamischsten Kr\u00e4ften der sozialrevolution\u00e4ren Bewegungen \u2013zeitweise im B\u00fcndnis miteinander, aber auch in unerbittlicher Gegnerschaft.<\/p>\n<p>Im ersten Teil ihres Buches stellen B. und L. knapp dar:<\/p>\n<p>die Erste Internationale und die Pariser Commune (1871), den Ersten Mai und die M\u00e4rtyrer von Chicago (1886), den Syndikalismus und die Charta von Amiens (1906), die Revolution in Spanien (1936-1937), den Mai 68, die Entwicklung von der globalisierungskritischen Bewegung zu den Indignad@s.<\/p>\n<p>Es folgt eine Reihe von Portr\u00e4ts libert\u00e4rer K\u00e4mpfer\/innen: Louise Michel (1830-1905), Pierre Monatte (1881-1960), Rosa Luxemburg (1870-1919), Emma Goldman (1869-1940), Buenaventura Durruti (1896-1936), Benjamin P\u00e9ret (1899-1959) und Subcomandante Marcos (geb. 1957).<\/p>\n<p>In einem zweiten Teil diskutieren die Autoren \u201eGemeinsamkeiten und Konflikte\u201c: die Russische Revolution, Kronstadt und Machno.<\/p>\n<p>In einem dritten Teil stellen sie drei marxistisch-libert\u00e4re Theoretiker dar: Walter Benjamin (1894-1940), Andr\u00e9 Breton (1896-1966) und Daniel Gu\u00e9rin (1904-1988).<\/p>\n<p>Im vierten und letzten Teil diskutieren sie politische Fragen, die zwischen Anarchisten\u00a0 und Marxisten strittig sind, in der Perspektive einer m\u00f6glichen Einigung: Individuum oder Kollektiv? Die Revolution machen, ohne die Macht zu \u00fcbernehmen? Autonomie oder F\u00f6deralismus? Demokratische Planung oder Selbstverwaltung? Direkte oder repr\u00e4sentative Demokratie? Gewerkschaft oder Partei? \u00d6kosozialismus oder libert\u00e4re \u00d6kologie?<\/p>\n<p>Sie beenden ihr Buch mit dem Pl\u00e4doyer: \u201eF\u00fcr einen libert\u00e4ren Marxismus!\u201c<\/p>\n<p><strong>M\u00e4ngel<\/strong><\/p>\n<p>Leider enth\u00e4lt das Buch ein paar unn\u00f6tige M\u00e4ngel: etwa die wenig gl\u00fcckliche deutsche \u00dcbersetzung des Titels; kein Inhaltsverzeichnis trotz vieler Kapitel und Unterkapitel; gelegentliche sprachliche M\u00e4ngel (von denen ich nicht feststellen kann, ob sie auf die Autoren oder die \u00dcbersetzer\/innen zur\u00fcckgehen, da mir das franz\u00f6sische Original nicht zug\u00e4nglich ist) \u2013 so wird etwa Rosa Luxemburgs Satz \u00fcber die Freiheit, die immer nur die Freiheit des anders Denkenden ist, sehr unangemessen, wie ich finde, als \u201eh\u00fcbscher Satz\u201c charakterisiert.<\/p>\n<p>Wenig \u00fcberzeugend finde ich auch die Ernennung von Walter Benjamin und Andr\u00e9 Breton zu \u201emarxistisch-libert\u00e4ren Theoretikern\u201c. Das Wenige von Benjamin und Breton, das &#8211; schwerstverst\u00e4ndlich formuliert &#8211; in diese Tradition geh\u00f6rt, scheint mir kein Beitrag zu sein, mit dem sich die Zielsetzung oder die Strategie revolution\u00e4r-sozialistischer Bewegungen verbessern lie\u00dfe.<\/p>\n<p>Warum die beiden Autoren das marxistische Konzept einer sozialistischen \u00d6konomie \u201ejenseits des Mangels\u201c \u2013 eine M\u00f6glichkeit, die von\u00a0 anarchistischer Seite keineswegs bestritten, sondern vielmehr geteilt wird \u2013 f\u00fcr illusorisch erkl\u00e4ren, und zwar ohne ernsthaft zu argumentieren, ist mir unverst\u00e4ndlich.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich: Es trifft nicht zu, dass Besancenot und L\u00f6wy mit ihrem Buch \u201eeine Diskussion er\u00f6ffnen\u201c. Sie f\u00fchren vielmehr eine Diskussion fort, wie etwa ihre intensive Bezugnahme auf den libert\u00e4ren Marxisten Daniel Gu\u00e9rin klar zeigt. Und bereits 1925 stellte der anarchistische Historiker des Anarchismus, Max Nettlau, die Frage:<\/p>\n<p>\u201eM\u00fcssen die K\u00e4mpfe zwischen den autorit\u00e4ren und den freiheitlichen Richtungen auch erst Jahrhunderte dauern, um dann wie einst das Theologengez\u00e4nk beiseitegeschoben zu werden? Oder hat man den Willen, ist man imstande, aus jenem warnenden Beispiel zu lernen?\u201c<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Trotz der genannten M\u00e4ngel ist das Buch durchaus lesenswert, weil es \u2013 verst\u00e4ndlich geschrieben \u2013 von inhaltlichem Reichtum ist und konstruktiv mit den vorhandenen Gegens\u00e4tzen und Konflikten umgeht.<\/p>\n<p>J.-F.Anders<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Zielsetzung der Autoren Schriften der Arbeiter\/innenbewegung berichten von den Uneinigkeiten, Konflikten und Auseinandersetzungen zwischen Marxist\/innen und Anarchist\/innen. 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