{"id":1310,"date":"2017-12-02T20:47:31","date_gmt":"2017-12-02T19:47:31","guid":{"rendered":"http:\/\/diebuchmacherei.de\/?p=1310"},"modified":"2025-08-28T18:37:17","modified_gmt":"2025-08-28T16:37:17","slug":"salzburger-nachrichten-v-24-11-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/salzburger-nachrichten-v-24-11-2017\/","title":{"rendered":"&#8220;Salzburger Nachrichten&#8221;, 24. November 2017"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ein Vagabund dichtet sich seine Welt<\/strong><\/p>\n<p><em>Er hasste Hitler, schmuggelte Teppiche und schrieb kraftvoll &#8211; dennoch ist Jakob Haringer vergessen. Das soll sich \u00e4ndern.<\/em><\/p>\n<p>SALZBURG. Leicht ist es nicht, Jakob Haringer auf die Spur zu kommen. Das f\u00e4ngt schon mit dem Geburts\u00adjahr an. 1888? 1887? 1898? Das ge\u00adnaue Datum ist umstritten. Irgend\u00adwann jedenfalls begann es, das Un\u00adstete, das dieses Schriftstellerleben in der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhun\u00adderts durchzieht.<\/p>\n<p>Jakob Haringers Dichtung &#8211; vor allem ist es Lyrik &#8211; n\u00e4hrt sich aus ge\u00adnauer Beobachtung und einem stets wachen, kritischen Blick. Sein Le\u00adben n\u00e4hrt sich aus Legenden, denen Dieter Braeg nachgegangen ist, der nun die erste Biografie \u00fcber Haringer vorlegt.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>In Salzburg und M\u00fcnchen war Haringer in der Volksschule. Der bayerisch-salzburgische\u00a0\u00a0 Grenzraum war ihm immer wieder Le\u00adbensraum. Er wohnte unter ande\u00adrem in Bad Reichenhall, Salzburg und Ebenau. Haringer passt in kein Klischee, er war ein Vagabund, der immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt geriet. Ein Akt \u00fcber einen angeblichen Teppichschmuggel f\u00fcllt Hunderte Seiten.<\/p>\n<p>Klar ist, dass Haringer am 3. April in Z\u00fcrich verstorben ist, \u201evollkom\u00admen vergessen und unbeachtet&#8221;, wie gut zehn Jahre sp\u00e4ter Paul H\u00fch\u00adnerfeld, Schriftsteller und Feuille\u00adton-Chef der \u201eZeit&#8221;, in der Zeit\u00adschrift \u201eAkzente&#8221; in einem ,Yer-such \u00fcber Haringer&#8221; schreibt.<\/p>\n<p>\u00dcber diesen Aufsatz war Dieter Braeg auf Haringer gesto\u00dfen. Und er wurde nicht mehr losgelassen yon diesem Leben und dieser Spra\u00adche&#8221;, sagt Braeg.<\/p>\n<p>Mit seiner Biografie \u201eDu bist f\u00fcr keinen Stern, kein Gl\u00fcck geborn&#8221; will er ihn \u201eein wenig jener Verges\u00adsenheit entrei\u00dfen, die dem von Bestsellerlisten und Einschaltquo\u00adten getriebenen Literaturbetrieb\u00a0 eigen ist&#8221;. Er mischt dazu Lebensdaten und Geschriebenes, stellt geografische Zusammenh\u00e4nge her zwischen dem Leben und dem Schreiben. Aufschlussreich f\u00fcr das bisweilen trostlose, armselige Da\u00adsein Haringers sind viele Briefe. Es taucht in dieser Biografie einer auf, der sich vor allem selbst im Weg ge\u00adstanden sein d\u00fcrfte &#8211;\u00a0 zum einen weil er keinerlei politische Kompro\u00admisse machte. Zum anderen, weil \u00advor allem die Brief zeigen das &#8211; bei ihm oft auch jene schnell in Ungna de gefallen sind, die zuvor ihre sch\u00fctzende Hand \u00fcber ihn gehalten hatten. Haringer, so viel wird klar, war ein eigener Planet. Das macht auch seine Literatur au\u00dfergew\u00f6hn\u00adlich.<\/p>\n<p>1988 war das bisher letzte Buch \u00fcber Haringer erschienen. Germa\u00adnist Hildemar Holl hatte sich da\u00admals des Autors angenommen, von dem auch Material im Salzburger Literaturarchiv liegt. Im Residenz Verlag waren damals unter dem Ti\u00adtel \u201eAber des Herzens verbrannte M\u00fchle tr\u00f6stet ein Vers&#8221; Lyrik, Prosa und Briefe erschienen. Damals war auch eine Stra\u00dfe im Salzburger Stadtteil Itzling nach Haringer be\u00adnannt worden.<\/p>\n<p>Arnold Sch\u00f6nberg vertonte drei Gedichte von Haringer. Theodor Adorno schloss daraus, dass dieser Dichter allein deshalb nicht verges\u00adsen werden wird, weil sich einer wie Sch\u00f6nberg seiner angenommen hatte. Adorno hat sich get\u00e4uscht. Viel Material \u00fcber den Dichter liegt unbearbeitet in Archiven &#8211; ein gro\u00dfer Teil davon in der Schweiz, wo Haringer die letzten Lebens\u00adjahre verbracht hat. Braegs Buch hat auch den Sinn, dieses Materi\u00adal zu sichern. \u201eOhne regelm\u00e4\u00dfige Behandlung (&#8230;) d\u00fcrfte ein gro\u00ad\u00dfer Teil der Sammlung aufgrund des schlechten Zustands nicht mehr zu retten sein&#8221;, f\u00fcrchtet er.<\/p>\n<p>Vorgestellt wird das Buch \u00fcber diesen Widerst\u00e4ndler und Unan\u00adgepassten passenderweise bei den Kritischen Literaturtagen in der ARGEkultur. Bei der dritten Auflage dieser kleinen Buchmes\u00adse werden am kommenden Wo\u00adchenende 39 Verlage dabei sein. Das ist Rekord. F\u00fcr ARGEkultur-Leiter Markus Gr\u00fcner-Musil geht es vor allem darum, eine Platt\u00adform zu bieten f\u00fcr Verlage, \u201edie sonst im PR-getriebenen Buch\u00admarkt kaum vorkommen&#8221;. Oft\u00admals seien da &#8220;engagierte Ein\u00adzelk\u00e4mpfer&#8221; t\u00e4tig, deren Ver\u00f6f\u00adfentlichungen von Leidenschaft und tiefer \u00dcberzeugung getra\u00adgen seien.<\/p>\n<p>Erstmals gibt es heuer auch eine gemeinsame Veranstaltung vier wichtiger Salzburger Verla\u00adge: Autorinnen und Autoren von Residenz, Jung&amp;Jung, M\u00fcry-Salzmann und Otto-M\u00fcller lesen bei der &#8220;Nacht der Salzburger Verlage&#8221;.<\/p>\n<p>BERNHARD FLIEHER<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Vagabund dichtet sich seine Welt Er hasste Hitler, schmuggelte Teppiche und schrieb kraftvoll &#8211; dennoch ist Jakob Haringer vergessen. 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