{"id":1383,"date":"2018-01-04T21:23:12","date_gmt":"2018-01-04T20:23:12","guid":{"rendered":"http:\/\/diebuchmacherei.de\/?p=1383"},"modified":"2025-08-28T07:50:06","modified_gmt":"2025-08-28T05:50:06","slug":"arbeiterstimmen-vom-1-1-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/arbeiterstimmen-vom-1-1-2018\/","title":{"rendered":"&#8220;Arbeiterstimmen&#8221; vom 1.1.2018"},"content":{"rendered":"<p><strong>Willy Huhn, ein unbekannter\u00a0R\u00e4tekommunist<\/strong><\/p>\n<p>Der Author bezeichnet diese Arbeit als eine \u2019biografische Skizze\u2019. Das ist zu bescheiden, ist es Gester doch gelungen die charakterliche und politische Entwicklung Huhns in 200 Seiten zu beschreiben und kritisch zu analysieren. Das Buch enth\u00e4lt weiter eine Auswahl von 400 gedruckten Seiten Texten Huhns, wie mehr als 200 Seiten als PDF-Datei auf CD-ROM.<\/p>\n<p>In seinem Vorwort erkl\u00e4rt der Autor, Jochen Gester, wie er zuf\u00e4lligerweise auf Huhns Text \u201cTrotzki \u2013 der verhinderte Stalin\u201d stie\u00df. Damit war sein Interesse in den ihm unbekannten Willy Huhn geweckt. Nicht ohne Grund wird Huhn ein bedeutender Theoretiker der Sozialismus genannt, wie die Auswahl von Texten aus den 10 Regalmeter umfassenden Huhn-Archiv des IISG Amsterdam in der Beilage dokumentiert. Der Schwerpunkt seiner Arbeiten gilt der Kritik der deutschen Mehrheitssozialdemokratie, des Leninismus und Trotzkismus. Politisch seit 1929 gebildet in der sozialdemokratischen Jugend- und Gewerkschaftsbewegung, geh\u00f6rte Huhn als junger Mann zum linken Fl\u00fcgel der SPD, machte nach dessen Ausschluss zum ersten Mal Bekanntschaft mit dem Trotzkismus, wurde aber abgesto\u00dfen von dessen bolschewistischen Methoden. Nachdem kam er in Kontakt mit fr\u00fcheren Mittgliedern der KAPD die sp\u00e4ter in Deutschland die Roten K\u00e4mpfer bildeten. Seitdem ist er zu charakterisieren als R\u00e4tekommunist. Huhn analysierte den aufkommenden Faschismus in den 1930-er Jahren als ein Prozess dessen Urspr\u00fcnge bereits in der Lasallschen Tendenz der deutschen Arbeiterbewegung, sich den Bismarck\u2019schen Staat anzulehnen, liegen. Isoliert in de NS-\u00c4ra, verirrte Huhn sich in einer Art Nationalbolschewismus, den er nie ganz los wurde, wie Gester kritisch belegt. Nach 1945 war Huhn aktiv in der SED, wurde ausgeschlossen, wechselte zur SPD, wurde abermals ausgeschlossen. In dieser Zeit war er Redakteur bei Pro und Contra, Mitarbeiter an Neues Beginnen und Funken. In den 1960-er Jahren kn\u00fcpfte Huhn Kontakte zur Studentenbewegung, dessen anti-autorit\u00e4rer Fl\u00fcgel ihm sympathisch war. Mit Kopfsch\u00fctteln reagierte er auf die \u201dautorit\u00e4re Wende\u201d des SDS, in der sich eine Mehrheit der ML-Parteibildung widmete.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Dagegen begn\u00fcgte Huhn sich nicht wie \u201cAktivisten linker Kleingruppen (\u2026) damit (\u2026) in \u2018Wachturm\u2019-Manier aller Welt zu verk\u00fcnden, er allein habe die Wahrheit gefunden.\u201d (S. 9\/10). In seinem Nachwort kommt Gester zu der Schlussfolgerung \u201cVorw\u00e4rts geht es nur mit einer neuen politischen Kultur des miteinander Umgehens, in der wir lernen, zu streiten und uns gleichzeitig zu respektieren.\u201d Dazu im Gegensatz sieht er neo-leninistische Organisationen, die gepr\u00e4gt sind von \u201cder irrigen Vorstellung, die Ideentr\u00e4ger dieser Organisationen w\u00fcssten, wo es langgeht, und die Anderen verst\u00fcnden es noch nicht oder wollten es nicht begreifen. Genau an diesen Punkt zog Willy Huhn eine seiner zentralen Lehren aus der Erfahrung des gemeinsamen Scheiterns, eine Einsicht, die nun tats\u00e4chlich anschlussf\u00e4hig und zu empfehlen ist.\u201d<\/p>\n<p>Zu diesem Motto gebe ich hier folgendes Huhn-Zitat aus dem Buch, da\u00df mir besonders gefallen hat auf Grund meiner Erfahrungen mit einer immer mehr als leninistische Sekte funktionierenden linkskommunistischen Organisation in den 1970-er und 1980-er Jahren:<\/p>\n<p>\u201e\u00dcberhaupt die Angst vor der \u201aVerwirrung\u2018! man macht langsam daraus ein Schlagwort zur Abw\u00fcrgung der Meinungs- und Gewissensfreiheit. Wie stellt ihr Euch eigentlich eine lebendige demokratische Diskussion vor, ohne jene Verworrenheit, die zun\u00e4chst einmal das Ergebnis jeden Aufeinanderprallens verschiedener Ansichten ist? Das ist ja gerade die Voraussetzung sch\u00f6pferischer Meinungs- und Bewusstseinsbildung, dass es durch die Auseinandersetzung der Standpunkte immer wieder zu einem chaotischen (,verwirrenden\u2018) Moment kommt, aus dem immer wieder aufs Neue sich die klareren, besseren Anschauungen entwickeln m\u00fcssen. Wer nat\u00fcrlich von vornherein mit der wahnwitzigen Arroganz auftritt, nur seine Meinung sei die einzig richtige, f\u00fcr den, der diese mit allen Mitteln \u2013 auch \u2018demokratischen\u2018 (sprich demagogischen) \u2013 durchzusetzen sucht, sind nat\u00fcrlich alle anderen Auffassungen ,verwirrend\u2018. Wenn ich es mir erlauben d\u00fcrfte, wurde ich mit der gleichen Berechtigung Eure Ansichten als verwirrende bezeichnen. Mir ist aber diese Verwirrung, diese momentane Unklarheit, diese Aufl\u00f6sung erstarrter Meinungen gerade recht, um zu neuen, besseren, h\u00f6heren Bewusstseinsformen gelangen zu k\u00f6nnen. Ich bejahe also die ,Verwirrung\u2018! Ohne diese ,Verwirrung\u2018 ist demokratische Meinungsfreiheit nur ein demagogisches Geschw\u00e4tz. Nicht aus der Diskussion, sondern aus der Akklamation zu bereits gebildeten, oben dekretierten Auffassungen soll bei Euch das Klassenbewusstsein hervorgehen. Das aber ist keine proletarische, sondern eine plebiszit\u00e4re Demokratie, das ist die Demokratie des Bonapartismus, des Faschismus und Nationalsozialismus. Wir kennen diese so gut, dass wir f\u00fcr jeden geringen Anklang an ihre Formen und Methoden \u00fcberempfindlich geworden sind.\u201c (Huhn zitiert auf S. 114)<\/p>\n<p><em>Fredo Corvo, 27-12-2017<br \/>\nQuelle:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/arbeiterstimmen.wordpress.com\/\">Arbeiterstimmen<\/a><br \/>\n<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Willy Huhn, ein unbekannter\u00a0R\u00e4tekommunist Der Author bezeichnet diese Arbeit als eine \u2019biografische Skizze\u2019. 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