{"id":1427,"date":"2018-01-15T15:39:49","date_gmt":"2018-01-15T14:39:49","guid":{"rendered":"http:\/\/diebuchmacherei.de\/?p=1427"},"modified":"2025-08-28T07:50:06","modified_gmt":"2025-08-28T05:50:06","slug":"neues-deutschland-online-13-1-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/neues-deutschland-online-13-1-2018\/","title":{"rendered":"&#8220;Neues Deutschland&#8221;, vom 13\/14.1. 2018"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Scham eines Berliner R\u00e4temanns<\/strong><\/p>\n<p>\u00bbMit Willy Huhn verlieren seine pers\u00f6nlichen und politischen Freunde einen guten Genossen, der als sozialistischer Theoretiker, P\u00e4dagoge und Publizist eine wertvolle politische Arbeit geleistet hat &#8230; Am meisten erstaunte sein enzyklop\u00e4disches Wissen, das er sich autodidaktisch angeeignet hat.\u00ab Mit diesen Worten w\u00fcrdigten Westberliner Jungsozialisten am 24. Februar 1970 Willy Huhn an dessen Grab. Verabschiedet wurde ein Mann, der in seinen letzten Jahren eng mit der jungen Generation der sich gerade entwickelnden au\u00dferparlamentarischen Bewegung verbunden war und ihr die Ideen des R\u00e4tekommunismus zu vermitteln suchte. Huhn geh\u00f6rte zudem zu den fr\u00fchen Kritiker der Atomkraft, nicht nur f\u00fcr milit\u00e4rische Zwecke, sondern auch zur sogenannten friedlichen Nutzung. Bereits Ende der 1950er Jahre hatte er in Westberlin eine Anti-AKW-Initiative ins Leben rufen wollen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Es ist Jochen Gester, Gr\u00fcnder des Verlags Die Buchmacherei zudanken, dass nach Jahrzehnten des Vergessens an Willy Huhn erinnert wird. Das vorz\u00fcglich lektorierte Buch gibt einen \u00dcberblick \u00fcber dessen Leben und Kampf links von SPD und KPD, gegen stalinistische und sozialdemokratische Konterrevolution, was ihn nicht vor fatalen politischen Fehlschl\u00fcssen bewahrte.<\/p>\n<p>In seiner Kindheit und Jugend litt Huhn unter einem tyrannischen Vater, der ihn mehrmals krankenhausreif schlug. \u00bbIch habe Pr\u00fcgel bekommen &#8230; viel Pr\u00fcgel, Pr\u00fcgel \u00fcber Pr\u00fcgel und noch mal Pr\u00fcgel\u00ab, schrieb er, als er die sozialistische Jugendbewegung entdeckte und entschied: \u00bbDer Sozialismus &#8211; ich geh\u00f6re ihm.\u00ab Er wurde dann jedoch Mitglied der \u00bbRoten K\u00e4mpfer\u00ab, einer r\u00e4tekommunistischen Gruppierung, die sich dem Erbe von Rosa Luxemburg verpflichtet f\u00fchlte. Nach Hitlers Machtantritt 1933 gingen einige seiner Freunde in den Widerstand, andere versuchten im NS-Staat zu \u00fcberwintern. Huhn selbst wurde 1941 zum Protagonisten des deutschen \u00bbEndsiegs\u00ab. Diese erschreckende \u00c4u\u00dferung fand Gester in Huhns Nachlass.<\/p>\n<p>Es ist gut, dass der Biograf diese Epoche in Huhns Leben nicht unterschlug. Der Leser lernt keinen Helden kennen, sondern eine widerspr\u00fcchliche Person, die neben scharfsinniger Kritik am Nominalsozialismus und sozialdemokratischen Etatismus in einer Zeit, da das NS-Regime Europa mit Terror \u00fcberzog, S\u00e4tze wie diese notierte: \u00bbWir k\u00f6nnen uns jedenfalls keine Parlamentarisierung Deutschlands noch die Balkanisierung Mitteleuropas w\u00fcnschen, solange die \u00fcbrige Welt imperialistisch ist. Deshalb muss Deutschland siegen.\u00ab<\/p>\n<p>Nach 1945 \u00e4u\u00dferte Huhn Scham \u00fcber seine NS-Apologie und erkl\u00e4rte sie mit Vereinsamung und mangelndem Kontakt zu Genossen. Nach einem kurzen Intermezzo in der Sowjetischen Besatzungszone, wo er der KPD und sp\u00e4ter der SED beitrat, allerdings alsbald in Konflikt mit der autorit\u00e4ren Partei geriet, \u00fcbersiedelte er nach Westberlin und geh\u00f6rte der SPD an, die ihn ausschloss, als er deren Rolle in der Novemberrevolution kritisierte.<\/p>\n<p>Huhn hinterlie\u00df zahlreiche Texte, die in dem Buch teils erstmalig ver\u00f6ffentlicht sind, allerdings nur in einer Auswahl.<\/p>\n<p><em>Peter Nowak<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Scham eines Berliner R\u00e4temanns \u00bbMit Willy Huhn verlieren seine pers\u00f6nlichen und politischen Freunde einen guten Genossen, der als sozialistischer Theoretiker, P\u00e4dagoge und Publizist eine&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_eb_attr":"","footnotes":""},"categories":[49],"tags":[],"class_list":["post-1427","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-auf-der-suche-nach-rosas-erbe"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1427","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1427"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1427\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7983,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1427\/revisions\/7983"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1427"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1427"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1427"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}