{"id":169,"date":"2015-03-16T18:19:45","date_gmt":"2015-03-16T17:19:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.diebuchmacherei.dev\/?p=169"},"modified":"2025-08-28T17:49:46","modified_gmt":"2025-08-28T15:49:46","slug":"direkte-aktion-nr-220-novemberdezember-2013","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/2015\/03\/16\/direkte-aktion-nr-220-novemberdezember-2013\/","title":{"rendered":"&#8220;Direkte Aktion&#8221; Nr. 220 # November\/Dezember 2013"},"content":{"rendered":"<p><strong>Das Buch wirft wichtige Fragen auf, die noch zu beantworten sind.<\/strong><br \/>\nIm Oktober wird der Verlag Die Buchmacherei Volins Studie neu herausgeben. F\u00fcr D. Gu\u00e9rin ist sie ein bemerkenswertes Werk anarchistischen Denkens, entstanden mit dem Experiment der Russischen Revolution. W.B. Eichenbaum, Pseudonym Volin, wird am 11.8.1882 als Sohn einer wohlhabenden \u00c4rztefamilie geboren, er nimmt an der Revolution 1905 teil. Aus dem Exil kehrt er 1917 nach Russland zur\u00fcck. Nach der Verfolgung der AnarchistInnen durch die Bolschewiki schlie\u00dft sich Volin der Machno-Bewegung an.\u00a0 Nach seiner Verhaftung durch die Bolschewiki kann er aufgrund der Intervention europ\u00e4ischer Gewerkschafter Russland verlassen. In Marseille beendet er 1939 sein Werk \u00fcber die Russische Revolution. Volin versucht die Revolution aus der Perspektive von unten zu schreiben. Er beschreibt u.a. das schwierige Verh\u00e4ltnis zwischen den aktiven linken Minderheiten und der b\u00e4uerlichen Mehrheit. 1905 ist Volin bei der\u00a0 Entstehung des ersten Sowjets (Arbeiterrats) anwesend. <!--more-->1917 entwickeln sich die neu geschaffenen Sowjets zu Organen der Doppelherrschaft. Da alle sich bildenden Regierungen unf\u00e4hig sind, die wesentlichen Probleme zu l\u00f6sen, ist im Oktober 1917 der Weg frei f\u00fcr die soziale Revolution. Unterst\u00fctzt\u00a0 von der Mehrheit der sich radikalisierenden ArbeiterInnen und B\u00e4uerInnen, ihre Forderungen aufgreifend, gelingt es den Bolschewiki die Staatsmacht zu erringen. Erst danach wird deutlich, dass sich zwei widersprechende Konzepte gegen\u00fcberstehen. F\u00fcr A. Soboul gibt es seit der Franz\u00f6sischen Revolution zwei Linien der revolution\u00e4ren Haltung und Praxis: Auf der einen Seite die\u00a0 revolution\u00e4re Bewegung und Praxis der Massen mit libert\u00e4ren Tendenzen, auf der anderen die zentralistische Praxis unter der F\u00fchrung einer hierarchischen Organisation. Die libert\u00e4re Kraft ist in Russland erst schwach, w\u00e4chst aber dann schnell aufgrund der Entt\u00e4uschung der arbeitenden Klassen \u00fcber die Regierungspraxis der Bolschewiki. Die K\u00e4mpfe um die Emanzipation und\u00a0 gegen eine neue Diktatur \u00fcber das Proletariat dauern bis 1921.\u00a0 H\u00f6hepunkte sind der Aufstand von Kronstadt im M\u00e4rz 1921 und die Machnowina in der Ukraine (1918-1921). In beiden Bewegungen finden sich freiheitlich-kommunistische Momente. Die Matrosen Kronstadts beteiligen sich an vorderster Front in allen revolution\u00e4ren K\u00e4mpfen, basisdemokratische Organisationen und Institutionen werden geschaffen.\u00a0 Nach ihrer Machtergreifung l\u00f6sen die Bolschewiki diese Strukturen langsam wieder auf und ersetzen sie durch b\u00fcrokratische Formen. Zur Eskalation kommt es im Fr\u00fchjahr 1921. In Petrograd\u00a0 streiken Ende Februar die ArbeiterInnen. Der Regierung gelingt es, den Konflikt durch Zugest\u00e4ndnisse und Repression zu befrieden. Aber der Funke springt auf Kronstadt \u00fcber. In Volins Werk sind zahlreiche Ausz\u00fcge aus der Kronst\u00e4dter Iswestija abgedruckt. Die werkt\u00e4tigen Massen wollen endlich selbst bestimmen und fordern alle Macht den freien Sowjets. Die Bolschewiki\u00a0 schlagen den Aufstand milit\u00e4risch nieder,\u00a0 produzieren dabei eine Menge L\u00fcgen. Diese Politik sichert den Machterhalt der Partei. Mit der Niederlage der Matrosen, Soldaten und Arbeiter Kronstadts verschwindet in Russland die Hoffnung, eine Gesellschaft der Freien und Gleichen schaffen zu k\u00f6nnen. Zu diesem Zeitpunkt existiert aber noch in der Ukraine die Machnowina, f\u00fcr Volin die bedeutendste Erscheinung w\u00e4hrend der Revolution. In der Ukraine bildet sich aufgrund besonderer Bedingungen eine soziale Bewegung mit libert\u00e4ren Merkmalen.\u00a0 Bemerkenswert ist die Ablehnung der F\u00fchrung durch politische Parteien, stattdessen wird die Idee einer freien Selbstverwaltung der Arbeiter und Bauern entwickelt. Freisch\u00e4rlerabteilungen verschmelzen zu einer aufst\u00e4ndischen Armee und f\u00fchren Krieg gegen alte und neue Herren. Die Machnowina \u00f6ffnet R\u00e4ume f\u00fcr die Initiativen der Massen. Es gibt Versuche, das gesellschaftliche Leben frei und selbstbestimmt auf einer kommunalen und egalit\u00e4ren Basis zu organisieren. Periodische Kongresse der Bauern, Arbeiter und Aufst\u00e4ndischen sollen auch \u00fcber die Grundprinzipien entscheiden. Im Oktober 1919 leben mehr als 2 Mio Einwohner im befreiten Gebiet. Die Bolschewiki versuchen schon fr\u00fch die \u201eVolksmacht\u201c zu zerst\u00f6ren. Allerdings sind sie auf die Kampfkraft der Aufst\u00e4ndischen angewiesen. Im Herbst 1919 retten diese die Bolschewiki indem sie die wei\u00dfe konterrevolution\u00e4re Armee besiegen. Nach der endg\u00fcltigen Niederlage der Monarchisten 1920 kommt es zum Verrat der Bolschewiki. Alle autonomen Ans\u00e4tze werden zerst\u00f6rt. Die Reste der aufst\u00e4ndischen Armee k\u00e4mpfen noch bis August 1921 im Namen der Rechte und Interessen der werkt\u00e4tigen Massen gegen die Bolschewiki. Dann ist der Traum eines selbstbestimmten Lebens auch f\u00fcr die aufst\u00e4ndischen Bauern vorbei. Volin beschreibt\u00a0 differenziert St\u00e4rken und Schw\u00e4chen der Machnowina. Die gew\u00e4hlte Methode der Bolschewiki, autorit\u00e4r alles von oben\u00a0 bestimmen zu wollen, verhindert die m\u00f6gliche Emanzipation der ausgebeuteten und unterdr\u00fcckten Klassen. Volins Schlussfolgerung aus den Erfahrungen der Russischen Revolution ist die, dass jeder Versuch die soziale Revolution mit Hilfe des Staates, einer Regierung durchzuf\u00fchren, scheitern muss. Die jakobinische Konzeption ist zu verwerfen. F\u00fcr die, die immer noch tr\u00e4umen von einer Welt ohne Ausbeutung und Herrschaft,\u00a0 macht die Lekt\u00fcre Sinn, durch das Aufwerfen wichtiger Fragen, die noch zu beantworten sind. Die unbekannten Revolution\u00e4rInnen\u00a0 geh\u00f6ren zu unserem kollektiven Ged\u00e4chtnis, zur schwarzroten Suche nach dem Gl\u00fcck.<\/p>\n<p><strong>C. Winter<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Buch wirft wichtige Fragen auf, die noch zu beantworten sind. Im Oktober wird der Verlag Die Buchmacherei Volins Studie neu herausgeben. F\u00fcr D. 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