{"id":247,"date":"2015-03-18T18:44:05","date_gmt":"2015-03-18T17:44:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.diebuchmacherei.dev\/?p=247"},"modified":"2025-08-28T21:26:47","modified_gmt":"2025-08-28T19:26:47","slug":"marx-21-no-32-2013","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/marx-21-no-32-2013\/","title":{"rendered":"Marx 21 No 32 \/ 2013"},"content":{"rendered":"<p><strong>Freudent\u00e4nze mit Facharbeitern oder<\/strong><br \/>\n<strong>\u00bbEin Betriebsrat, auf sich allein gestellt, kann nichts erreichen\u00ab<\/strong><\/p>\n<p>Vor vierzig Jahren<strong> traten die Arbeiterinnen der Neusser Vergaserfabrik Pierburg in den Ausstand<\/strong>. Der damalige stellvertretende Betriebsratsvorsitzende erinnert sich an einen der legend\u00e4rsten Streiks der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte<\/p>\n<p>Interview: Martin Haller und Yaak Pabst<\/p>\n<p>Dieter Braeg arbeitete von 1971 bis 2004 beim Automobilzulieferbetrieb Pierburg in Neuss. Hier war er zehn Jahre im Betriebsrat t\u00e4tig. Zum vierzigsten Jahrestag des Pierburg-Streiks hat er einen Sammelband mit historischen Dokumenten zum Streik von 1973 herausgegeben.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Dein Buch \u00fcber den Arbeitskampf bei Pierburg hei\u00dft \u00bbWilder Streik \u2013 Das ist Revolution\u00ab. Was hat es mit dem Titel auf sich?<\/strong><br \/>\nDer Titel geht auf eine Aussage des damaligen Polizeidirektors von Neuss gegen\u00fcber einem Journalisten zur\u00fcck. Mit dem Verweis auf den \u00bbrevolution\u00e4ren Charakter\u00ab des Streiks versuchte er, die brutalen \u00dcbergriffe der Polizei gegen die Arbeiterinnen zu rechtfertigen. Bereits unmittelbar bei Streikbeginn zur Montagsfr\u00fchschicht um sieben Uhr hetzte die Firmenleitung \u00fcber Notruf die Polizei auf die Arbeitsunwilligen vor den Werktoren. Die setzte Kn\u00fcppel gegen die Kolleginnen ein. Die Staatsmacht sch\u00e4tzte die Streikbewegung als so gef\u00e4hrlich ein, dass sie bereit war mit repressivsten Methoden dagegen vorzugehen.<\/p>\n<p><strong>Der Streik bei Pierburg war Teil einer ganzen Welle von \u00bbwilden\u00ab Streiks, die im Fr\u00fchjahr und Sommer 1973 durch die Bundesrepublik rollte. \u00dcber 300.000 Arbeiterinnen und Arbeiter waren daran beteiligt. Wie kam es dazu?<\/strong><br \/>\nDie SPD-Regierung unter Brandt war aus den Wahlen 1972 gest\u00e4rkt hervorgegangen. Viele ihrer W\u00e4hler hatten gro\u00dfe Erwartungen und erhofften sich eine wesentliche Verbesserung ihrer Lebensverh\u00e4ltnisse. Doch ihre Hoffnungen wurden ent\u00e4uscht und die SPD nutzte ihren Einfluss in den Gewerkschaften, um die Lohnforderungen niedrig zu halten. Auch die IG-Metall-F\u00fchrung schloss entgegen den Erwartungen ihrer Basis verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig niedrige Tarifvertr\u00e4ge ab. Angesichts der hohen Inflation bedeutete das in Bezug auf die Reall\u00f6hne die erste Nullrunde seit dem Wirtschaftswunder. Eine Serie von betrieblichen Arbeitsk\u00e4mpfen, die nicht von den F\u00fchrungen der Gewerkschaften getragen wurden, hebelten diesen Abschluss bis zum Sp\u00e4tsommer faktisch aus.<br \/>\nEs ging aber nicht nur um Lohnerh\u00f6hungen. Gerade in Unternehmen, in denen viele ausl\u00e4ndische Arbeiterinnen und Arbeiter besch\u00e4ftigt waren, gab es weitere Forderungen. Die Wohnungssituation, hoher Arbeitsdruck, ungleiche Behandlung und Bezahlung waren wichtige Themen.<\/p>\n<p><strong>Bei Pierburg arbeiteten damals fast 3000 Besch\u00e4ftigte, \u00fcberwiegend Frauen, darunter etwa 1700 Migrantinnen. Wie sah der Alltag im Betrieb aus?<\/strong><br \/>\nMeister, Vorarbeiter und Einrichter \u2013 nat\u00fcrlich alles M\u00e4nner \u2013 bestimmten den Arbeitseinsatz der Frauen an den Flie\u00dfb\u00e4ndern. Die erhielten zwar Zeitlohn, aber je nach Auftragslage wurden immer h\u00f6here St\u00fcckzahlen verlangt. Zeitnehmer setzten alle Vierteljahre neue Normen. Dabei spielte die Grenze des menschlichen Leistungsverm\u00f6gens keine Rolle. Fertigte eine Flie\u00dfbandeinheit im Jahr 1970 noch 800 Vergaser pro Schicht, waren es 1973 bereits 1.300. Am st\u00e4rksten betroffen waren die ausl\u00e4ndischen Frauen. Bis auf wenige Ausnahmen mussten sie \u2013 wegen der angeblich \u00bbgeringen k\u00f6rperlichen Belastung\u00ab \u2013\u00a0 in der Lohngruppe zwei f\u00fcr 4,70 DM pro Stunde im Akkord schuften.<\/p>\n<p><strong>Wie konnte die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung solche unmenschlichen Arbeitsbedingungen durchsetzen?<\/strong><br \/>\nWer nicht mitzog, musste mit Bestrafung rechnen. Also: keine \u00dcberstunden, st\u00e4ndige Einteilung an besonders unbeliebten und schwierigen, schmutzigen Arbeitspl\u00e4tzen. Wenn eine der Frauen zu oft auf die Toilette ging, gab es daf\u00fcr Verwarnungen und die Androhung der Entlassung.<\/p>\n<p><strong>Der Streik erfolgte ohne Urabstimmung und ohne formale Genehmigung der Gewerkschaft. Wer hat ihn organisiert?<\/strong><br \/>\nAusl\u00e4ndische und deutsche Vertrauensfrauen und -m\u00e4nner organisierten gemeinsam mit dem Betriebsrat den Streik. Dabei mussten die Betriebsr\u00e4te besonders geschickt taktieren, weil die Bestimmungen des Betriebsverfassungsgesetzes die \u00bbvertrauensvolle Zusammenarbeit zum Wohle des Betriebes\u00ab fordert.<\/p>\n<p><strong>Viele Betriebsr\u00e4te begreifen das \u00bbCo-Management\u00ab ja auch heute noch als ihre eigentliche Aufgabe. War das bei Pierburg schon immer anders?<\/strong><br \/>\nNein, ganz im Gegenteil. Der Betriebsrat war lange Zeit ein echter \u00bbPartner\u00ab der Gesch\u00e4ftsleitung. Die gingen auch mal gemeinsam ein paar Bierchen trinken. Es gab Aufrufe, in denen der Betriebsrat gemeinsam mit der Gesch\u00e4ftsleitung Ma\u00dfnahmen f\u00fcr diejenigen androhte, die unp\u00fcnktlich mit der Arbeit begannen.<br \/>\nUm die Probleme der Besch\u00e4ftigten k\u00fcmmerte er sich hingegen wenig. Vor allem nicht um die der ausl\u00e4ndischen Arbeiterinnen und Arbeiter. Obwohl 75 Prozent der Belegschaft aus dem Ausland kamen, waren alle Betriebsratsmitglieder Deutsche.<\/p>\n<p><strong>Wie begann sich dieses Verh\u00e4ltnis zu ver\u00e4ndern?<\/strong><br \/>\nEine wichtige Rolle spielte der Aufbau des gewerkschaftlichen Vertrauensk\u00f6rpers durch die IG-Metall-Ortsverwaltung. In ihm waren die ausl\u00e4ndischen Kolleginnen und Kollegen zu 50 Prozent vertreten. Die ungef\u00e4hr 30 bis 40 Vertrauensleute konnten gute Erfolge vorweisen. Innerhalb weniger Jahre stiegen die Mitgliederzahlen von etwa 200 auf \u00fcber 2000 an. Im Jahr 1970 begann der Vertauensk\u00f6rper, offensiv den damaligen Betriebsrat zu bek\u00e4mpfen. Bei der Betriebsratswahl 1972 gelang es schlie\u00dflich, \u00fcber die H\u00e4lfte der Sitze mit Vertrauensleuten zu besetzen. Als auch der ehemalige Betriebsratsvorsitzende bei der Wahl knapp unterlag, traten die letzten alten Betriebsr\u00e4te zur\u00fcck.<\/p>\n<p><strong>Was machte der neuen Betriebsrat anders?<\/strong><br \/>\nEr ignorierte die Unterdr\u00fcckungsmethoden der Vorgesetzten nicht l\u00e4nger. Korrupte Dolmetscher zog er zur Rechenschaft. Seit der Betriebsratswahl 1972 gab es keine Zustimmung der Betriebsr\u00e4te mehr zu geplanten Entlassungen. Die gewerkschaftliche Arbeit wurde noch aktiver. Vertrauensleute und Betriebsr\u00e4te diskutierten die geleistete Arbeit und die anfallenden Probleme. Vereinbarungen erarbeiteten beiden Gremien gemeinsam. Das gewerkschaftliche politische Schulungsprogramm wurde ausgenutzt, Tarifbewegungen offensiv eingeleitet und durchgef\u00fchrt, Chile-Resolutionen und Geldsammlungen f\u00fcr gek\u00fcndigte Kollegen bei Mannesmann organisiert. Das Wichtigste war aber, dass alle Konflikte nun immer \u00f6ffentlich ausgetragen wurden, vor den Augen der Arbeiterinnen und Arbeiter. Wir haben regelm\u00e4\u00dfige Betriebsversammlungen durchgef\u00fchrt, in allen Sprachen, die im Betrieb gesprochen wurden. Diese Versammlungen gingen durch die vielen Diskussionsbeitr\u00e4ge teilweise bis zu f\u00fcnf Stunden. In akuten Konfliktsituationen versuchten wir, so rasch wie m\u00f6glich zus\u00e4tzliche Abteilungsversammlungen durchzuf\u00fchren.<\/p>\n<p><strong>Warum war diese Kurs\u00e4nderung wichtig?<\/strong><br \/>\nWir wussten, dass wir ohne offene Information der Kollegen schwach sind. Deswegen durfte unsere Arbeit als Betriebsr\u00e4te nicht hinter verschlossenen T\u00fcren stattfinden. Die Arbeiterinnen und Arbeiter mussten lernen, dass ein Betriebsrat, auf sich allein gestellt, nichts erreichen kann. Wir mussten begreifen, dass wir dazu da waren, die Meinungsbildung innerhalb der Belegschaft anzusto\u00dfen und umzusetzen. Wir verstanden uns nicht als Integrationsfunktion\u00e4re, sondern wollten die Besch\u00e4ftigten dabei unterst\u00fctzen, eigenst\u00e4ndig zu handeln. Denn letztendlich sind Interessen nicht \u00bbvertretbar\u00ab. Ihre Durchsetzung l\u00e4sst sich nur gemeinsam erk\u00e4mpfen.<\/p>\n<p><strong>Welchen Effekt hatte diese Strategie des Betriebsrates?<\/strong><br \/>\nDie Arbeiterinnen und Arbeiter gewonnen an Selbstvertrauen und es kam vermehrt zu Aktionen. Ganze Abeilungen zogen in die Kantine und diskutierten mit ihren Vorgesetzten \u00fcber die Arbeitsbediungen. Unterschriftenaktionen der Belegschaft stellten sich als ein wichtiges Mittel heraus, um Kampfbereitschaft zu entwickeln. Wir als Betriebsrat haben die so entstandene Unruhe im Betrieb weiter politisiert, bis die Streikbereitschaft unter den Kolleginnen und Kollegen gegeben war.<\/p>\n<p><strong>Was waren die Forderungen des Streiks?<\/strong><br \/>\nSchon im Juni 1973 war es erstmals zu einem spontanen Streik gekommen. Etwa 300 Arbeiterinnen und Arbeiter beteiligten sich daran und verlangten die Erf\u00fcllung einer ganzen Reihe von Forderungen, die sie selbst in einer l\u00e4ngeren Diskussion mit dem Betriebsrat zusammengetragen hatten. Genau daran ist der Streik dann aber auch gescheitert. Denn zum Schluss war das ein Katalog von dreizehn Punkten, die kein Mensch mehr durchschauen konnte. Es fehlte das Vertrauen, diese Forderungsliste auch durchgesetzt zu bekommen, und keiner war mehr bereit, daf\u00fcr \u00fcberhaupt zu streiken. Nach zwei Tagen brach der Streik zusammen.<br \/>\nDaraufhin haben wir gemeinsam diskutiert, mit welchen Forderungen man einen Streik \u00fcber eine l\u00e4ngere Zeit zum Erfolg f\u00fchren kann. Die beiden wichtigsten Forderungen waren eine Stundenlohnerh\u00f6hung um eine Mark und die sofortige Streichung der sogenannten Leichtlohngruppe zwei. Die Forderung nach einer Mark mehr war f\u00fcr die gesamte Belegschaft aufgestellt worden. Die zweite Forderung war speziell f\u00fcr die Frauen, die im Streik ja auch eine f\u00fchrende Rolle gespielt haben.<\/p>\n<p><strong>Wie reagierte die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung?<\/strong><br \/>\nDie Gesch\u00e4ftsleitung war nicht bereit, auf die Forderungen der Streikenden einzugehen. Ruhe im Werk war stets erste Pierburg-Pflicht. Um jeden Preis sollte die Leichtlohngruppe zwei \u00fcber den Sommer hinweg gerettet werden. Im Herbst gedachte man dann 300 neue Migrantinnen einzustellen und die l\u00e4nger Besch\u00e4ftigten abzuschieben. Das erkl\u00e4rt auch die kompromisslose H\u00e4rte, mit der die Pierburg KG den Arbeitskampf f\u00fchrte und streckenweise bis ins Unertr\u00e4gliche zu eskalieren trachtete.<br \/>\nMit Hilfe eines Werkschutzes, der sich aus leitenden F\u00fchrungskr\u00e4ften der Firma zusammensetzte, versuchte das Unternehmen die Streikenden zur Aufgabe des Kampfes zu zwingen. Doch weder die K\u00fcndigungsandrohungen noch brutale Polizeieins\u00e4tze beendeten den Streik. Es gab keine Minute, in der wir h\u00e4tten bef\u00fcrchten m\u00fcssen, dass dieser Arbeitskampf wegen der Einsch\u00fcchterungen an Kraft verlieren w\u00fcrde.<\/p>\n<p><strong>Der Streik im K\u00f6lner Fordwerk 1973, der ebenfalls von migrantischen Arbeitern getragen wurde, endete in einer Niederlage. Die Aktivisten wurden als angebliche R\u00e4delsf\u00fchrer abgeschoben und die Springerpresse titelte: \u00bbDeutsche Arbeiter k\u00e4mpfen Ford frei\u00ab. Wie gelang es in Pierburg, die Spaltung der Belegschaft aufzuheben und auch die deutschen Facharbeiter f\u00fcr den Kampf zu gewinnen?<\/strong><br \/>\nDer Arbeitskampf bei Ford konnte niedergeschlagen werden, weil es nicht gelang, eine einheitliche Streikfront zu errichten. Unterst\u00fctzt durch rassistische Hetze in der Presse und massiven Polizeieinsatz konnte die Gesch\u00e4ftsleitung die Streikenden spalten.<br \/>\nDer Betriebsrat und der Vertrauensk\u00f6rper bei Ford bestanden fast ausschlie\u00dflich aus Deutschen. Sie sahen durch die spontanen Aktionen ihre Autorit\u00e4t und damit ihre Stellung als anerkannte Vermittler gef\u00e4hrdet. Um ihre Privilegien zu sichern, halfen die Betriebsr\u00e4te aktiv mit, den Streik abzuw\u00fcrgen. Der Personalrat lobte sie sp\u00e4ter f\u00fcr ihren \u00bbvorbildlichen k\u00f6rperlichen Einsatz\u00ab.<\/p>\n<p><strong>Was war bei Pierburg anders?<\/strong><br \/>\nDass sich die Belegschaft bei Pierburg nicht spalten lie\u00df, liegt sicherlich auch daran, dass die betrieblichen Gewerkschaftsstrukturen voll hinter dem Streik standen und ihn mit allen Mitteln unterst\u00fctzten. Nat\u00fcrlich gab es auch hier Probleme mit Rassismus und Spaltungsversuchen. Aber es gelang nicht, den Streik zu brechen. Am vierten Streiktag \u00fcberreichten die Streikenden jedem Arbeiter, der ins Werk ging, eine rote Rose. Eine Gruppe streikender Frauen brachte einen riesigen Strau\u00df zu den Facharbeitern im Werkzeugbau. Auf der Karte stand: \u00bbViele Gr\u00fc\u00dfe von den streikenden Frauen an den Werkzeugbau. Helft uns!\u00ab Als die Kollegen mit dem hocherhobenen Strau\u00df aus dem Werk kamen und sich dem Streik anschlossen, kam es zu Tr\u00e4nenausbr\u00fcchen, Umarmungen und Freudent\u00e4nzen. Erst als auch die Facharbeiter in den Streik eingriffen, war die Gesch\u00e4ftsleitung bereit, sich mit dem Betriebsrat auf Verhandlungen einzulassen. Letztlich wurden die Forderungen weitgehend erf\u00fcllt. Die Lohngruppe zwei wurde restlos gestrichen und zudem Lohnzuschl\u00e4ge von 53 bis 65 Pfennig pro Stunde erk\u00e4mpft.<\/p>\n<p><strong>Wie ging es in den folgenden Jahren weiter?<\/strong><br \/>\nEs gab Versuche, das Werk zu verlagern und die \u00bbR\u00e4delsf\u00fchrer\u00ab des Streiks fristlos zu entlassen. Beides gl\u00fcckte der Gesch\u00e4ftsleitung jedoch nicht. Die kritische Betriebsarbeit wurde viele Jahre fortgesetzt und f\u00fchrte zu einer entsprechend kritischen Belegschaft, die sich wehren konnte.<\/p>\n<p><strong>Welche Lehren ziehst du aus dem Streik bei Pierburg f\u00fcr heute ?<\/strong><br \/>\nDer Pierburg-Streik ist ein Beispiel\u00a0 f\u00fcr den erfolgreichen Widerstand gegen Kapitalinteressen. Er zeigt das gewaltige Potenzial von Solidarit\u00e4t. Ausgangspunkt dieser Solidarit\u00e4t war dabei das selbstbewusste und mutige Handeln der Arbeiterinnen und ein Betriebsrat, der sich nicht als Co-Manager verstand, sondern als Werzeug zur Selbsterm\u00e4chtigung der Besch\u00e4ftigten. Wenn ich heute sehe, wie widerstandlos die Frauen von Schlecker in die Arbeitslosigkeit getrieben werden, dann frage ich mich: Haben die Gewerkschaften verlernt, sich wirkungsvoll gegen solche \u00dcbergriffe des Kapitals zu wehren? Viele der Punkte, die schon 1973 auf der Tagesordnung standen, sind heute leider immer noch aktuell. Die Frauenlohngruppen sind zwar abgeschafft, aber die Niedriglohngruppen haben sich mittlerweile in einen veritablen Niedriglohnsektor verwandelt. Die K\u00e4mpfe der Besch\u00e4ftigten dort haben \u00c4hnlichkeit mit dem der Pierburg-Frauen. Das sieht man zum Beispiel bei den streikenden Geb\u00e4udereinigerinnen und -reinigern, die im Jahr 2010 f\u00fcr bessere L\u00f6hne und Arbeitsbedingungen gek\u00e4mpft haben, oder den Verk\u00e4uferinnen und Verk\u00e4ufern im Einzelhandel, die sich momentan im Arbeitskampf befinden. Ich hoffe, mein Buch kann eine Anregung sein, die Diskussion \u00fcber eine Demokratie zu f\u00fchren, die endlich nicht mehr an den Betriebstoren endet, sondern in die Betriebe einkehrt und von dort aus die Gesellschaft ver\u00e4ndert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Freudent\u00e4nze mit Facharbeitern oder \u00bbEin Betriebsrat, auf sich allein gestellt, kann nichts erreichen\u00ab Vor vierzig Jahren traten die Arbeiterinnen der Neusser Vergaserfabrik Pierburg in den&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_eb_attr":"","footnotes":""},"categories":[22],"tags":[],"class_list":["post-247","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wilder-streik-das-ist-revolution"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/247","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=247"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/247\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8222,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/247\/revisions\/8222"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=247"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=247"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=247"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}