{"id":2596,"date":"2020-02-18T11:20:54","date_gmt":"2020-02-18T10:20:54","guid":{"rendered":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/?p=2596"},"modified":"2025-08-28T07:52:09","modified_gmt":"2025-08-28T05:52:09","slug":"archiv-fuer-sozialgeschichte-band-59-2019","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/archiv-fuer-sozialgeschichte-band-59-2019\/","title":{"rendered":"&#8220;Archiv f\u00fcr Sozialgeschichte&#8221; Band 59 \/ 2019"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>&#8220;Mitbestimmung im wahren Wortsinn&#8221;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zwei mit viel Sympathie f\u00fcr den einfachen Arbeiter verfasste Sozialgeschichten wid-men sich dem Fabrikalltag und den Lebensbedingungen des Petrograder Proletariats: zum einen die grundlegend \u00fcberarbeitete Neuauflage der an der Columbia University in New York bei Leopold Haimson entstandenen Dissertation des heute an der Universit\u00e4t von Quebec lehrenden Politologen Mark-David Mandel. In der Forschung fand die zweib\u00e4ndige, urspr\u00fcnglich vor dreieinhalb Jahrzehnten publizierte Studie, die vor allem auf umfangreichen Recherchen von Fabrik- und Gewerkschaftsunterlagen in drei Leningrader Archiven basiert, ein \u00fcberaus positives Echo. Auf die Neuauflage hat Mandel viel Zeit und M\u00fche verwendet. Zahlreiche Passagen sind neu geschrieben, die Bibliografie um einige wenige Neuerscheinungen erg\u00e4nzt, die allerdings selten Eingang in die Anmerkungen finden. Der Duktus der Argumentation und eine partiell mangelnde Quellenkritik sind allerdings erhalten geblieben, auch sind die neuen Textpassagen nicht frei von indifferenten Formulierungen und auch Fehlern.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum zweiten ist auf die von\ndem Winterthurer Gewerkschaftler Rainer Thomann stam-mende\nDarstellung zu verweisen, die \u2013 wie Mandel auch \u2013 den Zeitraum\nvom Februar 1917 bis zum Sommer 1918 thematisiert. Eine\nQuellenedition erg\u00e4nzt das Textkorpus, n\u00e4mlich eine \u00dcbersetzung\naus dem Russischen von Dokumenten der Arbeiterfabrikkomitees. Die\nTexte zeigen, wie die Arbeiter, ihre Fabrikr\u00e4te und auch\nGewerkschaften versuchten, sich in die wechselvollen revolution\u00e4ren\nZeitl\u00e4ufte einzubringen, aus der Not geboren, soziale Verantwortung\nzu \u00fcbernehmen, um das wirtschaftliche Chaos zu minimieren und ihre\nBetriebe am Laufen zu erhalten. Sie mussten in ihnen bis dato\nunbekannte Sph\u00e4ren vordringen, sich im Prinzip \u00bbHerrschaftswissen\u00ab\naneignen, um die Produktion zu organisieren. Sie taten dies weniger,\num dem sozialistischen Endziel Rechnung zu tragen, als vielmehr das\n\u00dcberleben ihres Betriebs zu gew\u00e4hrleisten und die Interessen der\nBelegschaften zu wahren. Es handelte sich um Mitbestimmung im wahren\nWortsinn.\nMandels Quellenbasis ist umfassender, seine\nHerangehensweise professioneller, doch veranschaulichen beide Werke\neindrucksvoll, wie das Petrograder Proletariat die Revolution 1917\ninitiierte, sie in nicht geringem Ma\u00dfe mitgestaltete, letztlich aber\nmehrheitlich kaum von dem politischen, sozialen und wirtschaftlichen\nWandel, der sich nach dem Oktober 1917 vollzog, profitierte. Vielmehr\nfolgten Fabrikschlie\u00dfungen, Arbeitslosigkeit, Hunger, der Exodus aus\nden St\u00e4dten und damit letztlich auch das Ende des \u00bbklassenbewu\u00dften\u00ab\nPetrograder Proletariats.<\/p>\n\n\n\n<p>Lutz H\u00e4fner<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Mitbestimmung im wahren Wortsinn&#8221; Zwei mit viel Sympathie f\u00fcr den einfachen Arbeiter verfasste Sozialgeschichten wid-men sich dem Fabrikalltag und den Lebensbedingungen des Petrograder Proletariats: zum&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_eb_attr":"","footnotes":""},"categories":[59],"tags":[],"class_list":["post-2596","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aufstieg-und-fall-der-arbeitermacht-in-russland"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2596","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2596"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2596\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7986,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2596\/revisions\/7986"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2596"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2596"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2596"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}