{"id":273,"date":"2015-03-18T19:01:12","date_gmt":"2015-03-18T18:01:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.diebuchmacherei.dev\/?p=273"},"modified":"2025-08-28T00:12:05","modified_gmt":"2025-08-27T22:12:05","slug":"trend-online-56-2012-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/2015\/03\/18\/trend-online-56-2012-2\/","title":{"rendered":"Trend-online 5\/6 2012"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der lange Weg zur &#8220;Harmonie&#8221; &#8211; ein Buch zum Kooperativenverbund Cecosesola in Venezuela Cecosesola<\/strong><\/p>\n<p>Die Kooperativistas betreiben gro\u00dfe Gem\u00fcsem\u00e4rkte, produzieren Lebensmittel und bieten Gesundheitsversorgung und andere Dienstleistungen an. Die Organisation hat 20 000 Mitglieder und 1200 Besch\u00e4ftigte, die einen j\u00e4hrlichen Umsatz von 100 Millionen US- Dollar machen.<br \/>\nDas Buch \u201eAuf dem Weg\u201c von der Buchmacherei<!--more--><br \/>\nSehr ausf\u00fchrlich wird zun\u00e4chst \u00fcber die ersten zwanzig Jahre berichtet, vor allem \u00fcber eine gemeinn\u00fctzige Transportkooperative, die es mit reichlich Gegenwind zu tun hatte und schlie\u00dflich scheiterte. folgt eine Reflexion der emotionalen und kulturellen Hintergr\u00fcnde, die eine solidarische Zusammenarbeit oft erschweren. Kulturelle Muster, die als typisch venezolanische \u00bbTropenversion der westlichen Kultur\u00ab gelten, werden dargestellt. Im Abschnitt \u201eAuf dem Weg zur Harmonie\u201c beschreiben sie die Ver\u00e4nderung der Beziehungen untereinander. Dabei sprechen sie sich f\u00fcr ein kollektives Handeln aus, dass die individuelle Entwicklung bef\u00f6rdert. Kapitel \u00bbAuf dem Weg zu einem kollektiven Gehirn?\u00ab beschreibt dann nochmal genauer, wie aus \u00bbformalen Versammlungen Orte der Begegnung\u00ab werden, in denen es keine hierarchischen Strukturen gibt. Das Buch schlie\u00dft mit einem Bericht \u00fcber ein Gesundheitszentrum, die Bedingungen im \u201eSozialismus des 21. Jahrhunderts\u201c und einem Nachwort von John Holloway.<\/p>\n<p><strong>Die Geschichte<\/strong><\/p>\n<p>1967 ging die Initiative von Priestern aus und begann mit viel Enthusiasmus, aber bereits 1974 legte sich die Begeisterung. Die Kooperativen hatten sich der traditionellen vertikalen Struktur angepasst, mit einer klaren Hierarchie. Zun\u00e4chst kam mit einer neuen Gesch\u00e4ftsleitung ein Ver\u00e4nderungsproze\u00df.<br \/>\nEntscheidend waren dann aber Proteste gegen Fahrpreiserh\u00f6hungen. \u201eIn nur einem Jahr hatte Cecesesola seine b\u00fcrokratische Phase hinter sich gelassen, war auf die Stra\u00dfe gegangen und hatte sich einer sozialen Bewegung angeschlossen.\u201c 1 Als sich ihre Mobilisierungsf\u00e4higkeit mit der Zeit verbrauchte, gr\u00fcndeten sie selbst eine gemeinn\u00fctzige Transportkooperative und kauften von einem Kredit 92 Busse.<br \/>\nDer Gegenwind war stark. F\u00fcr die Kulturgruppen war das zu reformistisch, f\u00fcr eine Oppositionsgruppe, die einen reinen Wirtschaftsbetrieb wollte, zu gemeinn\u00fctzig. Gegenwind kam zudem von Parteiaktivisten, die Einflu\u00df gewinnen wollten, von den Medien und von der Transport- Innung und einem Transport- Syndikat, die eine Erh\u00f6hung der Fahrpreise wollten. Ende 1977 ging die Kooperative in Caracas auf die Stra\u00dfe, um f\u00fcr eine Erh\u00f6hung des Kredites und eine Subventionierung des Fahrpreises zu demonstrieren. 1978 bekamen sie einen Kredit und kauften weitere 35 Busse. Auch der Zuschuss wurde schlie\u00dflich vom Stadtrat bewilligt.<br \/>\n\u201eDas hatte es in Venezuelas Demokratie noch nicht gegeben: Dass eine Basisorganisation, die von keiner politischen Partei kontrolliert wird, einen Stadtrat, der in der Hand der beiden gro\u00dfen Parteien war, derma\u00dfen vorf\u00fchrt. So etwas war f\u00fcr die meisten Politiker nicht hinnehmbar- egal, welcher Partei sie angeh\u00f6rten. Der SCT (Anm. die Transportkooperative)musste gestoppt werden; darin waren sie sich einig[&#8230;]Ende 1979 nahmen die Versuche zu, Cecosesola zu isolieren. Die Pressekampagne wurde verst\u00e4rkt und die Parteien machten in den Stadtteilen Propaganda gegen uns angebliche Linksextremisten.\u201c 2<br \/>\nAm 19. M\u00e4rz 1980 f\u00fchrte die Kooperative eine Umsonstfahr- Aktion durch. Das hatte es noch nicht gegeben, ein Transportunternehmen organisierte ein kostenloses System auf freiwilliger Basis. Die Nutzer waren begeistert. Die Polizei nicht, sie st\u00fcrmte das Betriebsgel\u00e4nde, verhaftete einige Arbeiter und beschlagnahmte die Busse. Paar Tage sp\u00e4ter kamen Rechnungspr\u00fcfer in die Kooperative. Jetzt begann der Exodus, 17 Kooperativen verlie\u00dfen den Verbund. Nach einem Marsch auf Caracas, einem Richterspruch und 140 Tagen konnten sie wieder ihr Betriebsgel\u00e4nde betreten. Von 127 Bussen waren nur noch 32 fahrt\u00fcchtig. Hier war mutwilliger Vandalismus am Werk gewesen.<br \/>\nSchlie\u00dflich bauten sie Wochenm\u00e4rkte und einen Gem\u00fcsehandel auf. Busse wurden zu mobilen Gem\u00fcsem\u00e4rkten umgebaut. 1985 beschlossen sie die endg\u00fcltige Schlie\u00dfung des Transportunternehmens. \u201eWir hatten eine Aktivit\u00e4t entdeckt, mit der wir von politischen Entscheidungen unabh\u00e4ngiger waren.\u201c 3 M\u00e4rkte, mit denen sie zudem erfolgreich waren.<\/p>\n<p><strong>Ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr Arbeitsdisziplin?<\/strong><\/p>\n<p>Bei der Arbeit geht es um die lohnm\u00e4\u00dfige Entsch\u00e4digung f\u00fcr diese Stunden und die Eingrenzung von Arbeitszeit und -intensit\u00e4t. \u201e[&#8230;]wenn wir aus den Abh\u00e4ngigkeitsverh\u00e4ltnissen aufbrechen, merken wir, dass Arbeit und Lohn ihren urspr\u00fcnglichen Charakter verlieren. Dabei entsteht eine wirtschaftliche Produktivit\u00e4t, die nicht nur h\u00f6her ist, sondern auch einen anderen Inhalt bekommt.\u201c 4 Arbeit wird immer weniger Arbeit. Der Begriff der westlichen Arbeitskultur k\u00f6nnte eine Art Zwangsjacke werden. Andererseits wurden von Mitte bis Ende der 1990er Jahre auf jedem Markt ein Komitee f\u00fcr Arbeitsdisziplin gegr\u00fcndet. Durch die Rotation ist es m\u00f6glich, in allen Bereichen zu arbeiten. Die Preise werden gemeinsam festgelegt. Sie richten sich nicht nach dem Gesetzen des Marktes. Die Kooperativen haben ein eigenes System solidarischer Finanzierung entwickelt, mit einem Generalfonds und lokalen Fonds.<\/p>\n<p><strong>Ein Pl\u00e4doyer gegen erstickenden Kollektivismus und f\u00fcr Individualit\u00e4t<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr Cecosesola sind Individualit\u00e4t und Kreativit\u00e4t sehr wichtig. Die Beteiligten entwickeln eine globale ganzheitliche Sicht auf das Leben. Sie zeigen sich in Alltagssituationen konkret verantwortlich. Mit den Ver\u00e4nderungen wird auch das Verhalten vielschichtiger. Sie wollen keine erstickende Welt des Kollektivismus, sondern ein kollektives Handeln, dass die individuelle Entwicklung vorantreibt. Ergebnis dieses Transformationsprozesses ist eine offene und flexible Organisation in st\u00e4ndiger Bewegung. In der das Vertrauen zunimmt und sich die Beziehungen zu den anderen ver\u00e4ndern. Damit wird ein Gef\u00fchl der Zugeh\u00f6rigkeit erreicht. Ziel ist die pers\u00f6nliche Ver\u00e4nderung und die Entwicklung all unserer M\u00f6glichkeiten im Rahmen kollektiven Handelns.<\/p>\n<p><strong>Ein Pl\u00e4doyer gegen das Pl\u00fcndern im chaotischen venezolanischen Alltag<\/strong><\/p>\n<p>Es ginge vor allem darum, die kulturelle Pr\u00e4gung zu \u00fcberwinden, jede Gelegenheit f\u00fcr den pers\u00f6nlichen Vorteil auszunutzen. Zudem ende der vielbeschworene egalit\u00e4re Zug der Venezolaner in Gleichmacherei. Solidarit\u00e4t verkomme zu einem komplizenhaften Ausnutzen der Situation. In Venezuela w\u00fcrden die Sammlerkultur und die westliche Kultur aufeinandertreffen. Es sei eine tropische Variante der westlichen Kultur. In der Sammlerkultur w\u00fcrden keine Anstrengungen zur Produktion von Lebensmitteln unternommen. \u201eDas Wirtschaftssystem Kapitalismus erzeugt in uns eine erschreckende F\u00e4higkeit zum Pl\u00fcndern[&#8230;]Manche rechtfertigen dieses Handeln mit unserer Armut. Das Pl\u00fcndern ist aber in gr\u00f6\u00dferem oder geringerem Ma\u00dfe in allen sozialen Schichten zu beobachten. Manchmal sieht es so aus, als sei unser Bed\u00fcrfnis nach unmittelbarer Aneignung uners\u00e4ttlich.\u201c5 Im venezolanischen Alltag bef\u00e4llt viele das Gef\u00fchl der Gesetzlosigkeit und\/ oder Chaos.<\/p>\n<p><strong>Das Besondere I: Die Struktur ist nichts Statistisches, sondern ein flie\u00dfender und flexibler Prozess.<\/strong><\/p>\n<p>In dem Dachverband gibt es weder Direktoren noch Hierarchien. Es finden j\u00e4hrlich 300 gemeinsame Treffen statt &#8211; neben den w\u00f6chentlichen Treffen der einzelnen Gruppen und Arbeitsbereiche. Bei den Versammlungen verschwanden nach und nach die Abstimmungen und machten dem Konsens Platz. Auch die Ausbildung und Schulung wurde Schritt f\u00fcr Schritt von allen gemeinsam angegangen, nicht nur von \u201eExpertInnen\u201c. Sie arbeiten ohne Chefs und im Rotationsverfahren, es wird ein Einheitslohn bezahlt. Damit ist es ihnen gelungen, die \u00fcbliche B\u00fcrokratisierung zu vermeiden.<\/p>\n<p><strong>Das Besondere II: die Beziehungen und sich selbst ver\u00e4ndern<\/strong><\/p>\n<p>\u201eAm Anfang liegt \u00fcber jeder Selbstverwaltungserfahrung ein besonderer Zauber, und alle k\u00fcmmern sich um die Organisation in ihrer Gesamtheit. Aber pl\u00f6tzlich und ohne es zu merken, werden wir darin zu Inseln, jeder zu seiner eigenen. Gr\u00fcndungsmitglieder beginnen, Privilegien f\u00fcr sich zu fordern. Die Hierarchie taucht in unterschiedlichen Gew\u00e4ndern wieder auf. Die Organisation verkn\u00f6chert zusehends. Es kommt zur B\u00fcrokratisierung und damit zum Tod der anf\u00e4nglichen Leidenschaft. Stattdessen bl\u00fcht die Korruption in all ihren Spielarten.\u201c 6<br \/>\nViele Leute, die die Kooperativen besuchten, glaubten einfach die Verfahren \u00fcbernehmen zu k\u00f6nnen, um ebenfalls erfolgreich zu sein. Sie teilten die Hallen \u00e4hnlich auf, setzten sich zu Besprechungen in einen Kreis oder benutzten die gleichen Ger\u00e4tschaften. Dabei beachteten sie aber nicht die Beziehungen, die in Cecosesola entwickelt wurden.<br \/>\n\u201eWir haben jedoch gelernt, dass die herrschende Kultur auch in uns drinsteckt und die Art unserer Beziehungen bestimmt. Diese Art von Beziehungen erschwert unter uns die Selbstorganisationsprozesse[&#8230;]Offensichtlich wird, sobald in einer Organisation der Kampf um die Macht als zentrales Motiv zum Verschwinden gebracht wird, eine kollektive Energie freigesetzt, die unter anderem in einer vorher ungekannten wirtschaftlichen Produktivit\u00e4t zum Ausdruck kommt.\u201c 7<br \/>\nEs war ein langer Weg von einer hierarchischen bis zu einer horizontalen Struktur mit Konsens- und Rotationsprinzip. Und es ist ein Versuch, \u201edie kapitalistisch- patriarchale Kultur zu \u00fcberwinden und stattdessen zu einem solidarischen Miteinander zu kommen.\u201c 8 Aber immer noch schleppen die Mitglieder der Kooperative Elemente der alten Gesellschaft mit sich herum. Selbstver\u00e4nderung und Basisdemokratie beansprucht viel Zeit, da bleibt wenig Energie, sich politisch einzumischen. \u201eAber: Die gro\u00dfe revolution\u00e4re Ver\u00e4nderung ist nicht denkbar ohne die vielen Ver\u00e4nderungen im Kleinen.\u201c 9<\/p>\n<p><strong>Im Sozialismus des 21. Jahrhunderts<\/strong><\/p>\n<p>In vier Jahrzehnten hat sich Cecosesola enorm ver\u00e4ndert. Aber auch die politischen Verh\u00e4ltnisse. Seit 1999 ist Hugo Chavez Pr\u00e4sident von Venezuela. Seitdem ist in der Verfassung verankert, Kooperativen jeglicher Art zu bilden. Das f\u00fchrte zu einem Gr\u00fcndungsboom. Viele Kooperativen existieren allerdings nur auf dem Papier, weil die Gr\u00fcnder nur die Zusch\u00fcsse kassieren wollten. Und viele aktive Kooperativen wurden von Firmen gegr\u00fcndet, um an \u00f6ffentliche Auftr\u00e4ge zu kommen oder um Kosten zu sparen.<br \/>\n\u201eDie Selbstverwaltung von Cecosesola passt nicht so richtig in das staatssozialistische Schema[&#8230;]Die Autonomie ist f\u00fcr den Staat ein Risiko. Das ist immer noch dieselbe Politik, die versucht, die Basisorganisationen zu kontrollieren. Die Sprache hat sich ge\u00e4ndert, die Symbole und die Farben. Aber die politische Mentalit\u00e4t der Kontrolle hat sich nicht ge\u00e4ndert.\u201c 10<\/p>\n<p><strong>Auf dem Weg<\/strong><\/p>\n<p>Ausf\u00fchrlich wird in dem Buch zun\u00e4chst \u00fcber die ersten zwanzig Jahre berichtet, vor allem \u00fcber den Gegenwind, mit dem die Transportkooperative zu k\u00e4mpfen hatte. Diese unterlag schlie\u00dflich. Zu kurz kam mir dabei, woher der pl\u00f6tzliche Erfolg der Gem\u00fcsem\u00e4rkte kam. Sie waren jetzt von politischen Entscheidungen unabh\u00e4ngig, aber hatten sie nicht auch mit Konkurrenten auf dem Markt zu tun.<br \/>\nAuch die Rolle von Gewerkschaftern scheint mir zu negativ gef\u00e4rbt. Die Gegner der Transportkooperative versuchten innerhalb der Cecosesola Gewerkschaften zu etablieren und Lohnerh\u00f6hungen von 200 Prozent durchzusetzen, die die finanziellen M\u00f6glichkeiten der Kooperative \u00fcberstieg. Es wurden schlie\u00dflich zehn Prozent beschlossen, danach gab es keine Gewerkschaft mehr. Das Fazit in dem Buch: \u201eWo Schmalhans K\u00fcchenmeister ist, kann der Mensch eben keine gro\u00dfen Gelage feiern.\u201c<br \/>\nGleichzeitig freuen sie sich, dass die Arbeitsproduktivit\u00e4t steigt, weil es keine Chefs mehr gebe. Auf den Gem\u00fcsem\u00e4rkten wurden sogar Komitees f\u00fcr Arbeitsdisziplin etabliert. \u00dcber das Beerdigungsinstitut schreiben sie Folgendes: \u201e1981 hatten 30 KollegeInnen 30 Beerdigungen pro Monat organisiert. Im Jahr 2000 waren nur noch 20 ArbeiterInnen f\u00fcr 73 Beerdigungen und 38 Aufbahrungen zust\u00e4ndig und produzierten au\u00dferdem noch jeden Monat 80 S\u00e4rge.\u201c 11Auch in der postmodernen Arbeitswelt mit flachen Hierarchien steigt die Produktivit\u00e4t, man kann es auch Selbstausbeutung nennen. Auch dort ist der ganze Mensch, vor allem seine Kreativit\u00e4t und Individualit\u00e4t gefragt.<br \/>\nGut kann ich verstehen, wenn sich Menschen in einer chaotischen Gesellschaft mit permanentem Unsicherheitsgef\u00fchl wie in Venezuela gegen das Pl\u00fcndern aussprechen. Allerdings kollidiert das mit dem Konzept der Aneignung, dass vor einigen Jahren in der radikalen Linken in Deutschland propagiert wurde. Auch heute noch h\u00e4ngen in den Stra\u00dfen Plakate, die zum Pl\u00fcndern aufrufen. Statt soziale Rechte also Pl\u00fcndern, was zur Kriminalisierung f\u00fchren kann, in einer Gesellschaft, in der das Eigentum \u00fcber allem steht.<br \/>\nInteressant fand ich den Abschnitt zum kulturellen Hintergrund und den Ver\u00e4nderungen der Beziehungen. Sie haben sich mehr mit den Beziehungen im Alltag besch\u00e4ftigt und gemeinsam die Beziehungen analysiert, die im allt\u00e4glichen Handeln entstehen. Im Gegensatz zu anderen selbstverwalteten und selbstorganisierten Projekten haben sie sich um die internen Strukturen gek\u00fcmmert. Viele dieser Initiativen scheitern an internen Streitigkeiten, die Beziehungen untereinander sind nachhaltig zerr\u00fcttet. Und das liegt daran, dass sich informelle Machtverh\u00e4ltnisse herausbilden, es gibt den \u201eChef\u201c, den \u201eExperten\u201c, die Mitl\u00e4ufer etc. Daher sind auch die flie\u00dfenden Strukturen mit Rotation, Konsens etc. sehr hilfreich.<br \/>\nDie Ver\u00e4nderungen der Beziehungen und die flexible Struktur sind jene Besonderheiten, die diese Organisation auszeichnen und deshalb auch das Buch empfehlenswert machen.<br \/>\nZu kurz erschien mir der Abschnitt \u201eCecosesola im &#8216;Sozialismus des 21. Jahrhunderts&#8217;\u201c. Sie schreiben: \u201eEin erfolgreiches Gro\u00dfprojekt wie Cecosesola ruft Neider auf den Plan, und f\u00fcr den Staatssozialismus sind Organisationen, die auf ihrer Unabh\u00e4ngigkeit bestehen und sich nicht verplanen lassen, in der Regel suspekt[&#8230;]Cecosesola wird immer wieder vorgeworfen, Teil der Opposition zu sein.[&#8230;]Die Mitglieder von Cecosesola machen dagegen immer wieder klar, dass sie als Projekt keiner Partei und keiner Religion anh\u00e4ngen.\u201c12 Einige Kooperativistas bef\u00fcrchten sogar eine Enteignung. Dabei steht sogar in der Verfassung, dass eine Dezentralisierung des Staates und die Verlagerung der Entscheidungsbefugnis an die Basis vorgesehen sind. Ich kann mir daher nicht vorstellen, dass Cecosesola nicht auch Vorteile hat, seit Chavez an der Macht ist.<\/p>\n<p>Das Buch schlie\u00dft mit einem Nachwort von John Holloway: \u201e Der Besuch bei Cecosesola war eine gro\u00dfe Lernerfahrung f\u00fcr mich. Er hat mir Sachen gezeigt, die ich nie zuvor gesehen habe, hat meinen Geist in neue Richtungen geweitet, neue Fragen f\u00fcr mich aufgeworfen.\u201c<br \/>\nAktivistInnen von Cecosesola waren am 2. und 3. Mai in Berlin:<\/p>\n<p>http:\/\/www.cecosesola.solioeko.de\/<br \/>\nDie Kooperative:\u00a0 http:\/\/cecosesola.blogspot.de\/<br \/>\nRezension von Elisabeth Vo\u00df:\u00a0 http:\/\/www.cecosesola.solioeko.de\/Heft331-Seite3.pdf<br \/>\nAlix Arnold:\u00a0 http:\/\/www.cecosesola.solioeko.de\/Heft330-Seite3.pdf<br \/>\n<strong>Anne Seeck<\/strong><\/p>\n<p>Anmerkungen<br \/>\n1Cecosesola, Auf dem Weg, Berlin 2012, S. 23<br \/>\n2Ebd. S. 36f.<br \/>\n3Ebd. S. 49<br \/>\n4Ebd. S.88<br \/>\n5Ebd. S. 81<br \/>\n6Ebd. S.101f.<br \/>\n7Ebd. S. 103f.<br \/>\n8Ebd. S. 8<br \/>\n9Ebd. S. 12<br \/>\n10Ebd. S. 154<br \/>\n11Ebd. S.47<br \/>\n12Ebd. S. 151f.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der lange Weg zur &#8220;Harmonie&#8221; &#8211; ein Buch zum Kooperativenverbund Cecosesola in Venezuela Cecosesola Die Kooperativistas betreiben gro\u00dfe Gem\u00fcsem\u00e4rkte, produzieren Lebensmittel und bieten Gesundheitsversorgung und&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_eb_attr":"","footnotes":""},"categories":[23],"tags":[],"class_list":["post-273","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-auf-dem-weg-gelebte-utopie-einer-kooperative-in-venezuela"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/273","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=273"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/273\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7971,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/273\/revisions\/7971"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=273"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=273"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=273"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}