{"id":289,"date":"2015-03-19T17:50:47","date_gmt":"2015-03-19T16:50:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.diebuchmacherei.dev\/?p=289"},"modified":"2025-08-28T18:43:34","modified_gmt":"2025-08-28T16:43:34","slug":"senioren-echo-der-ig-metall-senioren-hamburg-nr-23-dezember-2013","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/2015\/03\/19\/senioren-echo-der-ig-metall-senioren-hamburg-nr-23-dezember-2013\/","title":{"rendered":"&#8220;Senioren-Echo&#8221; der IG Metall-Senioren Hamburg Nr. 23 &#8211; Dezember 2013"},"content":{"rendered":"<p><strong>Vor 95 Jahren: Die Novemberrevolution<\/strong><br \/>\n<strong>Innerhalb nur weniger Tage, beginnend mit dem Matrosenaufstand in Kiel am 3. November 1918, war das Kaiserreich hinweggefegt worden.<\/strong><\/p>\n<p>Am 9. November 1918, um 14 Uhr, rief Philipp Scheidemann am Reichstagsgeb\u00e4ude die Republik aus. Wenige Stunden sp\u00e4ter wurde von Karl Liebknecht vom Balkon des Berliner Schlosses die Sozialistische Republik ausgerufen. Neben diesen bei den Protagonisten wird die Revolution h\u00e4ufig noch mit Friedrich Ebert und Rosa Luxemburg in Verbindung gebracht.<!--more--><\/p>\n<p>Nur ein Name taucht selten oder gar nicht auf, der von Richard M\u00fcller. Und dies v\u00f6llig zu Unrecht. Richard M\u00fcller war bereits vor dem Beginn des Ersten Weltkriegs als Branchenleiter der Dreher im Gro\u00dfraum Berlin in der Berliner Ortsverwaltung des Deutschen Metallarbeiterverbandes (DMV), dem Vorl\u00e4ufer der IG Metall. Bereits im Januar 1918 organisierte er als f\u00fchrender Kopf der \u201eRevolution\u00e4ren Obleute\u201c Massenstreiks gegen den Krieg, an denen sich mit Schwerpunkt Berlin deutschlandweit zirka eine Million Menschen beteiligten. Ein Gro\u00dfteil der deutschen R\u00fcstungsproduktion kam f\u00fcr Tage zum Erliegen. Den \u201eRevolution\u00e4ren Obleuten\u201c waren die Beseitigung von Krieg, Hunger und Elend wichtiger als die momentane Sicherheit ihrer Arbeitspl\u00e4tze. Sie gingen dabei ein gro\u00dfes Risiko ein. Denn bei Aufdeckung ihrer R\u00e4delsf\u00fchrerschaft drohte ihnen im besten Fall die Schutzhaft und im schlechtesten Fall das Abkommandieren an die Front zu einem Todeskommando. Bereits vor der Ausrufung der Republik hatten in den fr\u00fchen Morgenstunden des 9. November 1918 die \u201eRevolution\u00e4ren Obleute\u201c und die Spartakusgruppe Flugbl\u00e4tter mit Revolutionsaufrufen verteilt. Zwischen 8 und 10 Uhr begann der allgemein befolgte Generalstreik. Ohne die in den Betrieben verankerten \u201eRevolution\u00e4ren Obleute\u201c w\u00e4re dies nicht m\u00f6glich gewesen. Es formierten sich am Vormittag aus den Gro\u00dfbetrieben riesige Demonstrationsz\u00fcge in Berlin, die zu den Kasernen zogen und sich mit den Soldaten verbr\u00fcderten. Gegen Mittag unterst\u00fctzte die SPD-F\u00fchrung den Generalstreik, den sie noch am Morgen zu verhindern versucht hatte. Die Ausrufung der Republik war also nicht die fixe Idee einzelner, sondern war aufgrund des Drucks einer Massenbewegung zustande gekommen.<\/p>\n<p>Am 10. November wurde Richard M\u00fcller zum Vorsitzenden des Berliner Vollzugsrats der Gro\u00df-Berliner Arbeiter- und Soldatenr\u00e4te gew\u00e4hlt. In der Anfangszeit der Revolution wirkte er als Organisator und Theoretiker der R\u00e4tebewegung. In der Folgezeit konnte sich jedoch der Vollzugsrat nicht gegen den einflussreicheren \u201eRat der Volksbeauftragten\u201c, der mehrheitlich durch die SPD dominiert war, durchsetzen. Nach der Generalversammlung des DMV im Oktober 1919 wurde Richard M\u00fcller f\u00fcr zirka ein Jahr leitender Redakteur der \u201eMetallarbeiterzeitung\u201c, dem Vorl\u00e4ufer unserer Metall-Zeitung.<\/p>\n<p>Als Bericht eines Zeitzeugen erschien in den Jahren 1924 bis 1925 in drei B\u00e4nden von Richard M\u00fcller unter dem Titel \u201eVom Kaiserreich zur Republik\u201c eine Darstel\u00adlung der Novemberrevolution. In den 1970er Jahren wurde diese Ausgabe von dem Verlag Olle &amp; Wolter als Nachdruck neu aufgelegt, sie ist jedoch seit l\u00e4ngerer Zeit vergriffen. Dem kleinen Verlag \u201eDie Buchmacherei\u201c in Berlin ist zu danken, dass die drei B\u00e4nde in einem Buch unter dem Titel \u201eEine Geschichte der November Revolution\u201c neu erschienen sind. F\u00fcr das Lektorat zeichnet Rainer Knirsch, IG Metaller und inzwischen Rentner, verantwortlich. Rainer Knirsch war Betriebsrat und Betriebsratsvorsitzender bei BMW Berlin. Die Gesch\u00e4ftsleitung hatte ihn mit etlichen K\u00fcndigungen \u00fcberzogen, um einen aktiven Gewerkschafter loszuwerden. Mit Hilfe der IG Metall hatte er s\u00e4mtliche Verfahren gewonnen. Im letzten Sommer hatte ich Gelegenheit, mit ihm zu sprechen. F\u00fcr ihn beschreibt Richard M\u00fcller die Novemberrevolution 1918 spannend wie ein Krimi.<\/p>\n<p><strong>Rolf-R\u00fcdiger Beyer<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor 95 Jahren: Die Novemberrevolution Innerhalb nur weniger Tage, beginnend mit dem Matrosenaufstand in Kiel am 3. November 1918, war das Kaiserreich hinweggefegt worden. 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