{"id":302,"date":"2015-03-19T17:58:19","date_gmt":"2015-03-19T16:58:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.diebuchmacherei.dev\/?p=302"},"modified":"2025-08-28T18:43:32","modified_gmt":"2025-08-28T16:43:32","slug":"ossietzky-nr-18-2012","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/2015\/03\/19\/ossietzky-nr-18-2012\/","title":{"rendered":"&#8220;Ossietzky&#8221; Nr. 18 &#8211; 2012"},"content":{"rendered":"<p><strong>Fundgrube f\u00fcr Historiker<\/strong><br \/>\nDie deutsche Novemberrevolution von 1918 gilt als gut erforscht; ihre Hauptakteure sind bekannt: Rosa Luxemburg als theoretische Wegbegleiterin der Aufst\u00e4ndischen, Karl Liebknecht als derjenige, der am 9. November die \u201eFreie Sozialistische Republik Deutschland\u201c ausrief, Gustav Noske als \u201eBluthund\u201c und milit\u00e4rischer Totengr\u00e4ber der Revolution und Friedrich Ebert als Reichskanzler und sp\u00e4terer Reichspr\u00e4sident, der dann die revolution\u00e4ren Wirren in geordnete, b\u00fcrgerliche Bahnen lenkte &#8230;<!--more--><br \/>\nDer Metallarbeiter Richard M\u00fcller ist weniger bekannt, obwohl er als Sprecher der \u201eRevolution\u00e4ren Obleute\u201c und Vorsitzender des \u201eBerliner Arbeiter- und Soldatenrates\u201c zu den wichtigsten Akteuren des Umbruchs geh\u00f6rte. M\u00fcller gilt als einer der Begr\u00fcnder des R\u00e4tekommunismus. Sein zwischen 1924 und 1925 erschienenes dreib\u00e4ndiges Werk zur Geschichte der deutschen Novemberrevolution fand allerdings wenig Beachtung. Die Rechte ver\u00fcbelte M\u00fcller die ungeschminkte Darstellung des konterrevolution\u00e4ren Terrors und der sch\u00e4ndlichen Rolle der SPD. Der Linken war er wegen seiner gelegentlichen Kritik an Karl Liebknecht suspekt.<br \/>\nDie drei l\u00e4ngst vergriffenen B\u00e4nde \u201eVom Kaiserreich zur Republik\u201c, \u201eDie Novemberrevolution\u201c und \u201eDer B\u00fcrgerkrieg in Deutschland\u201c wurden jetzt in einer kommentierten Ausgabe neu herausgegeben, dabei zu einem Sammelband zusammengefa\u00dft. Das Buch ist immer noch eine Fundgrube f\u00fcr Historiker, nicht nur, weil M\u00fcller am revolution\u00e4ren Geschehen unmittelbar beteiligt war und \u00fcber Informationen verf\u00fcgte, die an anderer Stelle nie schriftlich niedergelegt wurden. M\u00fcllers Ausf\u00fchrungen sind auch zahlreiche Nachdrucke von Dokumenten und Zeitungsartikeln beigef\u00fcgt, die sonst nirgendwo mehr vorhanden sind.<br \/>\nM\u00fcller untersucht detailliert die sozialen Ursachen der Revolution: der entsetzliche Hunger der Kriegsjahre, Anstieg der Lebenshaltungskosten, r\u00fccksichtslose Ausbeutung in den Betrieben, w\u00e4hrend eine Handvoll Kriegsgewinnler m\u00e4rchenhafte Gewinne einfuhren. Der Autor schildert, wie nach dem Verrat der SPD linke Gewerkschaftsaktivisten nach und nach die Burgfriedenspolitik durchbrachen und sich schlie\u00dflich an die Spitze einer allgemeinen Unmutsbewegung setzten. Das alte Regime fiel daraufhin wie ein Kartenhaus zusammen.<br \/>\nEntgegen der von b\u00fcrgerlichen Historikern verkl\u00e4rend dargestellten damaligen Rolle der SPD als Garant der Demokratie gegen Putschversuche\u00a0 von rechts und links schildert M\u00fcller die Kumpanei der sozialdemokratischen Parteif\u00fchrung mit kaisertreuen Gener\u00e4len, rechtsradikalen Freikorps und antisemitischen Geheimb\u00fcnden. Die wenigen Versuche einer gewaltsamen Machtergreifung von links waren entweder auf die T\u00e4tigkeit bezahlter Provokateure zur\u00fcckzuf\u00fchren oder aber Reaktionen auf konterrevolution\u00e4re Aktivit\u00e4ten. Ausf\u00fchrlich schildert M\u00fcller den \u201eSpartakusaufstand\u201c der KPD von Januar 1919 in Berlin. Liebknecht ging gezielten Fehlinformationen auf den Leim, als er eine Protestwelle gegen die Regierung zur Machtergreifung nutzen wollte. Die Erhebung war durch regierungstreue Einheiten bereits niedergeschlagen, als rechtsradikale Freikorps das Blutbad anrichteten, dem auch Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg zum Opfer fielen.<\/p>\n<p><strong>Gerd Bedszent<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fundgrube f\u00fcr Historiker Die deutsche Novemberrevolution von 1918 gilt als gut erforscht; ihre Hauptakteure sind bekannt: Rosa Luxemburg als theoretische Wegbegleiterin der Aufst\u00e4ndischen, Karl Liebknecht&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_eb_attr":"","footnotes":""},"categories":[24],"tags":[],"class_list":["post-302","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-eine-geschichte-der-novemberrevolution"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/302","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=302"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/302\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8110,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/302\/revisions\/8110"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=302"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=302"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=302"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}