{"id":317,"date":"2015-03-19T18:06:38","date_gmt":"2015-03-19T17:06:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.diebuchmacherei.dev\/?p=317"},"modified":"2025-08-28T18:43:31","modified_gmt":"2025-08-28T16:43:31","slug":"soz-express-scharf-links","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/2015\/03\/19\/soz-express-scharf-links\/","title":{"rendered":"&#8220;SoZ&#8221;, &#8220;Express&#8221;, &#8220;Scharf-Links&#8221;"},"content":{"rendered":"<p><strong>was k\u00f6nnen wir von den revolution\u00e4ren obleuten lernen?<\/strong><br \/>\nmit seinem Buch \u201eRichard M\u00fcller. Der Mann hinter der Novemberrevolution\u201c hatte der junge Berliner Historiker Ralf Hoffrogge Richard M\u00fcller und die Revolution\u00e4ren Obleute von Berlin aus dem historischen Vergessen hervorgeholt. <!--more--><\/p>\n<p>Dem kleinen Berliner Verlag &#8216;Die Buchmacherei&#8217; und ihm ist es auch zu verdanken, da\u00df jetzt nach Jahrzehnten die drei B\u00e4nde von Richard M\u00fcller, dem \u201eMann hinter der Novemberrevolution\u201c wieder aufgelegt wurden!<\/p>\n<p>Im Mai 2009 luden wir Ralf Hoffrogge zu einem Jour Fixe nach Hamburg ein. An dem \u00fcberaus informativen Abend erfuhren wir nicht nur, da\u00df M\u00fcller weder f\u00fcr einen sozialen Kapitalismus noch f\u00fcr eine Einparteienherrschaft k\u00e4mpfte sondern f\u00fcr ein R\u00e4tesystem, in dem die Arbeitenden selbst \u00fcber Produktion und Politik bestimmten. Wir diskutierten, was zu lernen ist von den klandestin organisierten revolution\u00e4ren Berliner Obleuten, die zwar meist in der USPD organisiert waren aber davon unabh\u00e4ngig ihr politisches Gewicht als Betriebsarbeiter bei der Organisierung in die Waagschale der Streiks und K\u00e4mpfe in Berlin warfen, weil sie das Vertrauen und die Aufopferungsbereitschaft ihrer KollegInnen hinter sich hatten.<\/p>\n<p>Das Verdienst der revolution\u00e4ren Obleute war der Zusammenschlu\u00df von KollegInnen, bei denen die Sache im Vordergrund stand, n\u00e4mlich der wirksame gewerkschaftliche Kampf in den Betrieben, dann ab 1916 der Sturz des Systems. Nicht im Vordergrund stand ihre Gewerkschaftszugeh\u00f6rigkeit im Deutschen Metallarbeiterverband und die Mitgliedschaft in USPD oder Spartacus\/KPD. Sie nutzten die Organisation f\u00fcr ihre Organisierung als revolution\u00e4re Obleute, aber unterlagen nicht der Ideologie der Gewerkschaftsf\u00fchrer. Das kann und mu\u00df uns heute Vorbild sein, wenn wir fragen: Was k\u00f6nnen wir von den revolution\u00e4ren Obleuten lernen? Richard M\u00fcller und seine Mitk\u00e4mpfer organisierten sich, den Bedingungen w\u00e4hrend des 1. Weltkrieges gem\u00e4\u00df klandestin als Widerstandsgruppen, um gegen die Politik der Gewerkschaftsf\u00fchrungen zu arbeiten, die nicht nur eine Burgfriedenspolitik sondern eine Unterst\u00fctzung von Reichsregierung und Heeresleitung war. Unter heutigen Bedingungen m\u00fcssen auch wir uns vernetzen, um gegen Sozialpartnerschaft, Co-Management und die Unterst\u00fctzung von Gewerkschaftsapparaten und -f\u00fchrungen von weltweiten Bundeswehreins\u00e4tzen Widerstand leisten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Nach der gescheiterten Novemberrevolution trat M\u00fcller der KPD bei und wurde ihr Gewerkschaftsverantwortlicher. Er wandte sich gegen die abenteuerliche Politik der KPD-Zentrale, den gescheiterten Aufstandsversuch in Mitteldeutschland (M\u00e4rzaktion 1921). Er ging in die Berliner Metallbetriebe und agitierte gegen die M\u00e4rzaktion. Er hat dadurch das Blutvergie\u00dfen vieler Berliner ArbeiterInnen verhindert. \u201e&#8230; Jedoch stand Levi nicht allein da. Viele seiner Freunde, einige noch in f\u00fchrender Position, teilten seine Ansichten und vermerkten, Richard M\u00fcller, ehemaliger Funktion\u00e4r der Revolution\u00e4ren Obleute, sei auf dem H\u00f6hepunkt des Aufstandes von einem Berliner Betrieb zum anderen gezogen, um den Metallarbeitern davon abzuraten, sich dem Generalstreik anzuschlie\u00dfen\u201c. (Werner T. Angress: Die Kampfzeit der KPD 1921\u00ad1923. S. 208. Droste 1973). Er hat dadurch das Blutvergie\u00dfen vieler Berliner ArbeiterInnen verhindert. Auf dem III. Weltkongre\u00df wurden Levi und er jedoch der Sabotage bezichtigt. Paul Levi (fr\u00fcherer KP-Vorsitzender), wurde aus der Partei ausgeschlossen, das Ausschlu\u00dfverfahren gegen Klara Zetkin und sieben andere Parteif\u00fchrer wurde in eine Verwarnung umgewandelt. Richard M\u00fcller wurde 1922 aus der KPD ausgeschlossen.<\/p>\n<p>Die B\u00fccher, auf die sich Hoffrogge in seinem 2008 herausgegebenen Band bezieht, ist die Trilogie \u201eVom Kaiserreich zur Republik\u201c, die M\u00fcller 1924 und 1925 herausgab. Sie waren zwar als Raubdrucke gleich zu Beginn der Studentenbewegung neu aufgelegt worden und dann auch 1973-1974 vom Verlag Olle und Wolter und in so manchen B\u00fccherschrank von Linksradikalen und gewerkschaftlich Interessierten gewandert aber in den Jahrzehnten danach so ziemlich in Vergessenheit geraten. Nur wer sich f\u00fcr die K\u00e4mpfe w\u00e4hrend des 1. Weltkrieges interessierte und w\u00e4hrend der Novemberrevolution, der stie\u00df immer wieder auf die Rolle der Revolution\u00e4ren Obleute und eben auf Richard M\u00fcller. Seine drei packend erz\u00e4hlten B\u00e4nde sind Standardwerk und Geheimtip zugleich. Wer sie sich in den letzten Jahrzehnten kaufen wollte, mu\u00dfte (antiquarisch) daf\u00fcr 100 bis 150 Euro aufbringen. Die drei B\u00e4nde sind jetzt von dem kleinen Berliner Verlag Die Buchmacherei in einem Band herausgegeben, f\u00fcr 19,90 Euro! Mit einem Vorwort von Ralf Hoffrogge.<\/p>\n<p>Wer heute was \u00fcber die Zeit damals lernen will, kauft sich mit dem Buch ein authentisches Werk. Wichtige historische Literatur \u00fcber die K\u00e4mpfe der Arbeiterbewegung erscheinen nicht mehr in gr\u00f6\u00dferen Verlagen wie nach 1968 sondern durch m\u00fchevollen Einsatz in Kleinstverlagen. Unser Dank geht an die Buchmachererei (Berlin)!<\/p>\n<p><strong>Dieter Wegner<\/strong><br \/>\n(Jour Fixe Gewerkschaftslinke Hamburg)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>was k\u00f6nnen wir von den revolution\u00e4ren obleuten lernen? mit seinem Buch \u201eRichard M\u00fcller. 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