{"id":360,"date":"2015-03-19T20:07:46","date_gmt":"2015-03-19T19:07:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.diebuchmacherei.dev\/?p=360"},"modified":"2015-03-19T20:08:00","modified_gmt":"2015-03-19T19:08:00","slug":"neues-deutschland-vom-30-12-2005","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/neues-deutschland-vom-30-12-2005\/","title":{"rendered":"&#8220;Neues Deutschland&#8221; vom 30.12.2005"},"content":{"rendered":"<p><strong>Selbsterm\u00e4chtigung? Bilanz des &#8220;wilden&#8221; Opel-Streiks 2004<\/strong><br \/>\nDer sechst\u00e4gige Streik im Bochumer Opelwerk hat im Oktober 2004 f\u00fcr Aufsehen gesorgt. Schlie\u00dflich werden auch in Teilen der Linken Arbeitsk\u00e4mpfe als Ereignisse aus einer anderen Zeit angesehen. Willi Hajek und Jochen Gester geh\u00f6ren zur kleinen Gruppe linker Gewerkschafter, die die Arbeiterklasse nicht rechts liegen gelassen haben. Aber ihre langj\u00e4hrige Basisarbeit verhindert auch, dass sie das Proletariat verkl\u00e4ren. Ihr Buch hat davon profitiert. Sie interviewen Bochumer Streikaktivisten aus verschiedenen Generationen.<!--more--><\/p>\n<p>Dabei gehen die Gespr\u00e4che weit \u00fcber die Streikereignisse hinaus. \u00c4ltere erinnern sich noch an die sp\u00e4ten 70er Jahre, als linke Gewerkschafter zu Chaoten und Terroristenfreunden gestempelt wurden. Daran waren nicht nur konservative Medien, sondern auch sozialdemokratische Gewerkschaftsfunktion\u00e4re beteiligt.<\/p>\n<p>Besonders verd\u00e4chtig waren Kollegen, die von der Universit\u00e4t in den Betrieb gegangen sind. Wolfgang Schaumburg geh\u00f6rte dazu. Der Theologiestudent ging als Maoist an die Opel-Werkbank und kehrte nicht nach wenigen Jahren an die Uni zur\u00fcck. Er wurde einer der K\u00f6pfe der linken Kollegengruppe &#8220;Gegenwehr ohne Grenzen&#8221; (GoG). Viele der Interviewpartner kommen aus diesem Kreis. Wer bei den &#8220;sechs Tagen der Selbsterm\u00e4chtigung&#8221;, wie die Herausgeber den Streik nennen, spr\u00fchenden historischen Optimismus erwartet, wird entt\u00e4uscht sein. Im Gegenteil: es gibt kaum einen Gespr\u00e4chspartner, der ein gutes Wort f\u00fcr die IG Metall findet. Der GoG-Aktive Manfred Strobel, der nach 28 Opel-Jahren einen Aufhebungsvertrag unterschrieben und ein Studium begonnen hat, nennt die Gewerkschaften einen &#8220;Bewusstseinsverhinderungsapparat&#8221; und propagiert den Massenaustritt. Wenn er auch zugibt, keine Alternative zu haben.<\/p>\n<p>Es sind die klugen Fragen des Interviews, die diese Haltung als Frust eines Entt\u00e4uschten kenntlich machen. Schlie\u00dflich hat die Gewerkschaftsspitze den Streik nicht unterst\u00fctzt, sondern auf ein schnelles Ende gedr\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Auch die Ergebnisse werden unterschiedlich interpretiert. F\u00fcr die IG Metall wurden respektable Abfindungen erzielt. F\u00fcr viele GoGler war es aber eine Niederlage. &#8220;Arbeitest du noch oder z\u00e4hlst du schon?&#8221; war das gefl\u00fcgelte Wort, als in der Belegschaft \u00fcber die Abfindungen diskutiert wurde. Danach war an eine Fortsetzung der Kampfma\u00dfnahmen nicht mehr zu denken. Doch viele Interviewte r\u00e4umen ein, dass das Ergebnis kein Diktat war, sondern in der Belegschaft auf Zustimmung stie\u00df.<\/p>\n<p>Eingerahmt sind die Gespr\u00e4che von einer knappen Geschichte der gar nicht so seltenen &#8220;wilden Streiks&#8221; in Westdeutschland und einigen \u00dcberlegungen zum Kampf gegen Werkschlie\u00dfungen des Bochumer Arbeiterintellektuellen Robert Schlosser. Wenn man sich bei den Interviews auch manchmal etwas mehr inhaltliche Pr\u00e4zision gew\u00fcnscht h\u00e4tte, ist das Buch doch sehr empfehlenswert.<br \/>\n<strong>Peter Nowak<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Selbsterm\u00e4chtigung? 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