{"id":371,"date":"2015-03-19T20:14:35","date_gmt":"2015-03-19T19:14:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.diebuchmacherei.dev\/?p=371"},"modified":"2015-03-19T20:14:35","modified_gmt":"2015-03-19T19:14:35","slug":"archiv-fuer-die-geschichte-des-widerstands-und-der-arbeit-nr-19-2011","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/archiv-fuer-die-geschichte-des-widerstands-und-der-arbeit-nr-19-2011\/","title":{"rendered":"&#8220;Archiv f\u00fcr die Geschichte des Widerstands und der Arbeit&#8221; Nr. 19 \/ 2011"},"content":{"rendered":"<p><strong>Beitrag zu einer kritischen Entmystifizierung der bolschewistischen Revolutionsromantik<\/strong><br \/>\nDer Anfang der zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts in der Kommunistischen Partei Jugoslawiens aktive Kroate Ante Ciliga geh\u00f6rte zu jenen Kommunisten, die sich im Laufe der zwanziger Jahre aus aller Herren L\u00e4nder auf den Weg nach Moskau machten, um von dort aus einen Beitrag zu jener Revolution zu leisten, von der er zu diesem Zeitpunkt wohl noch glaubte, da\u00df sie internationalistisch orientiert sei. <!--more-->Seine baldige Erkenntnis, da\u00df Stalins \u201eSozialismus in einem Land&#8221; mit solcherlei Illusionen nichts mehr zu tun hatte und da\u00df die in den Jahren nach dem Oktoberputsch der Bol\u00adschewisten von 1917 weltweit gegr\u00fcndeten Kommunistischen Parteien nach und nach zu nationalen Agenturen der sowjetischen Au\u00dfenpolitik geworden waren, f\u00fchrten Ci\u00adliga zur Ann\u00e4herung an die trotzkistische Opposition; allerdings wurde ihm schon schnell klar, da\u00df Stalins Programm einer forcierten Industrialisierung nichts anderes beinhaltete als eine Umsetzung der entsprechenden Vorstellungen des von ihm ausge\u00adschalteten Konkurrenten Trotzki und da\u00df in der Sowjetunion nichts anderes als ein von entsprechenden b\u00fcrokratischen Apparaten geleiteter Staatskapitalismus installiert wor\u00adden war, der mit einer nach wie vor ideologisch propagierten R\u00e4tedemokratie nicht das geringste zu tun hatte. Im Mai 1930 wurde Ciliga, der im Oktober 1926 in Moskau eingetroffen war, verhaftet und verbrachte die n\u00e4chsten Jahre bis zum Dezember 1935 im Gef\u00e4ngnis in Leningrad, im Lager in Werchne-Uralsk, wo er zu dem linkskommu\u00adnistisch orientierten \u201eKollektiv der linken Bolschewisten-Leninisten&#8221; geh\u00f6rte und schlie\u00dflich in Sibirien. Nach seiner Entlassung lebte er in Paris, wo er 1938 seinen Er\u00adfahrungsbericht \u201eAu pays du grand mensonge&#8221; ver\u00f6ffentlichte, dem 1950 ein zweiter, bereits 1941 abgeschlossener Band \u201eSiberi\u00e9, zerre de l&#8217;exil et de l&#8217;industrialisation&#8221; folgte. Beide B\u00e4nde wurden in den siebziger Jahren unter Hinzuf\u00fcgung eines in der Erstausgabe fehlenden Kapitels \u00fcber Lenin, das zuerst in der 1950 erschienen zweiten Auflage des ersten Bandes gedruckt worden war, in Frankreich (\u201eDix ans au pays du mensonge deconcertant&#8221;, Paris 1977) und in England (\u201eThe Russian Enigma&#8221;, London 1979), wo der erste Band bereits 1940 erschienen war, neu herausgegeben. Bei der in der Bundesrepublik unter dem Titel &#8220;Im Land der verwirrenden L\u00fcge\u201c Zehn Jahre hinter dem Eisernen Vorhang&#8221; 1953 in der antikommunistischen Reihe der \u201eRoten Wei\u00dfb\u00fccher&#8221; erschienenen Ausgabe handelte es sich um eine sehr stark gek\u00fcrzte und insofern ihren Zweck im Kalten Krieg zweifellos erf\u00fcllende, ansonsten aber nur mit Bedenken zu gebrauchende Fassung der beiden B\u00fccher Ciligas. Unter dem Titel <strong>Ante Ciliga, Im Land der verwirrenden L\u00fcge<\/strong> (Berlin: Die Buchmacherei 2010, 303 S.) liegt diese gek\u00fcrzte Fassung der beiden B\u00fccher Ciligas nun wieder vor, erg\u00e4nzt um ein kurzes Vorwort der Herausgeber sowie einen 1995 zuerst in kroatischer und englischer Fassung erschienenen biographischen Essay von Stephen Schwanz (erlaubt sei an die\u00adser Stelle der Hinweis, da\u00df in Heft 13\/1994 des ARCHIVS zwei Beitr\u00e4ge zu Ciliga ver\u00f6ffentlicht wurden: Philippe Bourrinet, Nationalistische Barbarei oder Weltrevolu\u00adtion? Ante Ciliga (1898-1992): Lebensweg eines Kommunisten aus Kroatien, S. 91\u00ad118; Arkadij Maslow, A. Ciliga: \u201eAu pays du grand mensonge&#8221;. Mit einer Vorbemer\u00adkung von Georg Scheuer, S. 119-136). Nachdem Ciligas Buch im Milieu der gegen\u00ad\u00fcber der westlichen Linken in vielfacher Hinsicht versp\u00e4teten und durch die \u201einner\u00addeutsche&#8221; Konfrontation im Kalten Krieg zweifellos auch vielfach gehemmten und fehlgeleiteten bundesdeutschen Linken wohl kaum zur Kenntnis genommen worden ist, kann es heute, aus der Distanz und jenseits der fragw\u00fcrdigen Verwertung im Kontext des Kalten Krieges, als das gelesen werden, was es zu sein beabsichtigte: als Beitrag zu einer kritischen Entmystifizierung der bolschewistischen Revolutionsromantik in ihrer sowohl theoretischen als auch praktischen Dimension, wobei anzumerken bleibt, da\u00df sich in dem Text zwar reichlich Hinweise auf theoretische Auseinandersetzungen finden, es sich aber nicht um einen theoretischen Text im engeren Sinne han\u00addelt, sondern um einen Erfahrungsbericht, der die angeblich sozialistischen Verh\u00e4lt\u00adnisse auf der Ebene der geschilderten sozialen und politischen Auseinandersetzungen eindr\u00fccklich demaskiert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beitrag zu einer kritischen Entmystifizierung der bolschewistischen Revolutionsromantik Der Anfang der zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts in der Kommunistischen Partei Jugoslawiens aktive Kroate Ante Ciliga&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_eb_attr":"","footnotes":""},"categories":[29],"tags":[],"class_list":["post-371","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-im-land-der-verwirrenden-luege"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/371","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=371"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/371\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=371"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=371"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=371"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}