{"id":379,"date":"2015-03-19T20:19:40","date_gmt":"2015-03-19T19:19:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.diebuchmacherei.dev\/?p=379"},"modified":"2015-03-19T20:19:40","modified_gmt":"2015-03-19T19:19:40","slug":"weltrevolution-nr-163","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/weltrevolution-nr-163\/","title":{"rendered":"&#8220;Weltrevolution&#8221; Nr. 163"},"content":{"rendered":"<p><strong>Zeugnis einer fast versch\u00fctteten Debatte<\/strong><br \/>\n1953 erschien mitten im Kalten Krieg in der Reihe \u00bbRote Wei\u00dfb\u00fccher\u00ab im Verlag f\u00fcr Politik und Wirtschaft Ante Ciligas Aufzeichnungen \u00bbIm Land der verwirrenden L\u00fcge\u00ab. Gek\u00fcrzt aufgelegt als anti-kommunistische Agitationsausgabe bei Kiepenheuer und Witsch, dem damaligen \u00bbHausverlag\u00ab des Gesamtdeutschen Ministeriums. Die schon l\u00e4ngst vergriffene Ausgabe ist in dem Berliner Kleinverlag \u00bbdie Buchmacherei\u00ab neu erschienen. Diese Wiederver\u00f6ffentlichung ist nun eingebettet in die Wiederaneignung eines Teils der versch\u00fctteten linkskommunistischen Geschichte. Es gibt ein neues Vorwort der Herausgeber und ein biografisch interessantes Nachwort. <!--more--><br \/>\nWorin besteht der besondere Wert von Ante Ciligas Aufzeichnungen? Kritik aus revolution\u00e4rer Perspektive hatte es schon vor ihm gegeben: Fr\u00fch wurde die anarchistische Kritik, wie Alexander Berkmans 1925 erschienenes Buch \u00bbDer Bolschewistische Mythos \u2013 Tagebuch aus der russischen Revolution 1920\u20131922\u00ab, bekannt. Panait Istrati hatte nach seiner zweiten Reise 1929 durch das post-revolution\u00e4re Russland die Lage der Arbeiterklasse dramatisch geschildert (dieses Buch erschien 1929 auf franz\u00f6sisch und 1930 auf deutsch). Victor Serges aus Russland herausgeschmuggelter Brief entwarf schon 1933 ein beklemmendes Bild der politischen Enge und Repression. Was Ante Ciliga auszeichnet ist sein besonderes Drama: Im Herbst 1926 wurde er von der jugoslawischen KP aus seinem Exil in \u00d6sterreich, wo er als Delegierter der KPJ im Balkansekretariat der Komintern t\u00e4tig war, an die Kommunistische Universit\u00e4t der nationalen Minderheiten des Westens in Moskau entsandt, 1927 nahm er Kontakt mit der trotzkistischen Opposition auf, damit begann seine Reise durch Knast, Lager und Verbannung. Die Jahre 1931 \u2013 33 verbrachte er im Lager \u00bbIsolator\u00ab in Werchne-Uralsk und nahm dort aktiv teil an den Auseinandersetzungen zwischen den diversen trotzkistischen Gruppen, der Arbeitergruppe und den Dezisten, an deren Ende die Gr\u00fcndung der \u00bbF\u00f6deration der Linkskommunisten\u00ab stand.<\/p>\n<p>Dieser Text m\u00f6chte untersuchen, wie diese Diskussion durch die Ver\u00f6ffentlichung des Buches in die internationale revolution\u00e4re Diskussion eingeflossen ist. Wie die Diskussion der russischen Linken \u2013 die s\u00e4mtlich liquidiert wurden \u2013 die internationalistische linkskommunistische Auseinandersetzung nach einigen Jahren doch noch bereichern konnte. Vorangestellt ist ein Blick auf die Generation der \u00bbBewegung f\u00fcr die Befreiung der Arbeiterklasse\u00ab und eine kurze Skizze der diskutierten Themen.<\/p>\n<p><strong>Generation 1917<\/strong><\/p>\n<p>Verf\u00fcgte Ante Ciliga \u00fcber eine besonders geniale Pers\u00f6nlichkeit, die ihn zu einer solchen Erfahrung bef\u00e4higte? Nein \u2013 er war wie seine ganze Generation 1917 euphorisiert worden. Viele verbanden wie Ciliga ihre eigene elendige Situation mit der ihrer ganzen Klasse. Der Kampf der russischen Arbeiterklasse riss den Horizont auf f\u00fcr eine emanzipatorische Zukunft und machte zugleich offenkundig, wer den Schl\u00fcssel zu dieser in der Hand hatte. Das Ende des imperialistischen Weltgemetzels schien greifbar nahe. Hunderttausende junge Arbeiter in Europa traten ein in die \u00bbBewegung f\u00fcr die Befreiung der Arbeiterklasse\u00ab (so Agis Stinas \u00fcber sein Engagement als Jugendlicher 1917). Sie nahmen an vorderster Front Teil an den Klassenk\u00e4mpfen in ihren L\u00e4ndern, sie beteiligten sich an den Auseinandersetzungen mit Sozialdemokraten und innerhalb der Gewerkschaften f\u00fcr eine revolution\u00e4re Politik und gegen die staatlichen Institutionen und den Krieg. Sie wurden durch die revolution\u00e4re Welle zu Revolution\u00e4ren gemacht und als Revolution\u00e4re nahmen sie an ihr begeistert teil. Auch Ante Ciliga war als Soldat der k.u.k Armee von der russischen Revolution begeistert. Er organisierte sich gleich in dem linken Fl\u00fcgel der kroatischen Sozialdemokraten, nahm an der ungarischen R\u00e4terepublik teil und polemisierte 1919 innerhalb der Partei f\u00fcr die Weltrevolution. Hunderttausende seiner Generation gingen den gleichen Weg und bauten die kommunistische(n) Partei(en) mit auf. Die russische Revolution und die Gr\u00fcndung der Kommunistischen Internationale war f\u00fcr sie der Beginn der Weltrevolution. Ihre Arbeit in der Arbeiterklasse und in der Partei war Teil dieser weltweiten Kampfbewegung. Konnte diese Kampfwelle erlahmen? Konnte diese Partei Fehler machen oder gar zu einer konterrevolution\u00e4ren Kraft werden? Bis auf wenige spektakul\u00e4re Ausschl\u00fcsse (z. B. Boris Souvarine 1924) und die besondere Entwicklung in Italien und Deutschland blieben die meisten Revolution\u00e4re mindestens bis 1926 (Agis Stinas gar bis 1931) in der Partei, obwohl die Degeneration der Revolution und ihrer Organisationen immer offensichtlicher wurden. Ciligas Weg ist auch hier typisch: \u00bbW\u00e4hrend meiner Haft im \u00bbIsolator\u00ab beteiligte ich mich erst sp\u00e4t an Diskussionen \u00fcber Lenins Rolle. Ich geh\u00f6rte einer Generation junger KommunistInnen an, f\u00fcr die Lenin unantastbar war. F\u00fcr mich stand au\u00dfer Frage, dass er immer recht gehabt hatte. Die Ergebnisse &#8211; die revolution\u00e4re Eroberung der Macht wie ihr Erhalt &#8211; sprachen schlie\u00dflich daf\u00fcr. Dadurch waren f\u00fcr mich und meine Generation sowohl Taktik als auch Mittel gerechtfertigt.\u00ab<br \/>\n<strong>Die \u00bbkommunistische Linke\u00ab in Russland<\/strong><\/p>\n<p>Die Opposition der russischen Linken hatte sich in der Regel um einen Antrag auf den j\u00e4hrlichen Parteikongressen Anfang der 20er organisiert. So f\u00fchrten die Demokratischen Zentralisten auf dem IX. Parteitag vom M\u00e4rz-April 1920 ihre Kampagne gegen die \u00bbMilitarisierung der Arbeit\u00ab, die Arbeiteropposition auf dem X. Parteikongress im M\u00e4rz 1921 die sogenannte Gewerkschaftsdiskussion. 1921 kam Kronstadt und das Fraktionsverbot. Die Arbeitergruppe um Gavriel Miasnikow (ehemaliges Mitglied der Arbeiteropposition) ver\u00f6ffentlichte ihr Manifest zum XII. Parteitag 1923 und intervenierte illegal in der Streikwelle. Damit wurde klar zum Ausdruck gebracht: das Klassenterrain zu diesem Zeitpunkt umfasste den Kampf in der Partei und an der Seite des k\u00e4mpfenden Proletariats. Doch der Niedergang der Revolution schritt weiter fort.<\/p>\n<p>Als Ciliga Ende 1930 im Lager eintraf, waren fast alle \u00fcbriggebliebenen Militanten der Opposition im Lager oder der Verbannung. Beeindruckend ist, welche Tiefe und Ernsthaftigkeit die Diskussion im Lager annahm. Die Gruppen hielten Sitzungen ab und jede Tendenz gab ihre eigene Zeitung heraus. Die Diskussionen waren bestimmt von \u00bbsozialistischen Illusionen\u00ab, viele Linke hatten sich mit Trotzki am \u00bblinken\u00ab Kriegskommunismus orientiert und jede noch so radikale Kritik an der NEP war letztendlich ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr die Kollektivierung (die Stalin nach seinem \u00bbLinksschwenk\u00ab scheinbar Trotzkis Plan folgend durchf\u00fchrte). Doch auch die Kritiken aus der Arbeiterperspektive, die mit Trotzki gebrochen hatten, gingen letztendlich davon aus, dass der Sozialismus in Russland aufzubauen sei. Andere sahen die historische Klemme und verwarfen nicht nur die M\u00f6glichkeit des \u00bbSozialismus in einem Land\u00ab, sondern stellten gleich den proletarischen Charakters der Revolution von 1917 in Frage. Die Diskussionen im Lager waren somit ein Panoptikum angef\u00fcllt mit Leidenschaft, aber von Ungenauigkeiten und Verwirrungen. Konnte die Diktatur des Proletariats, die eine Diktatur der Partei geworden war, als eigenst\u00e4ndige Gesellschaftsform \u00bbin Richtung auf den Sozialismus\u00ab bezeichnet werden. Nach zehn Jahren war die internationale Ausweitung ausgeblieben, welche Schl\u00fcsse sind daraus zu ziehen?<br \/>\nZus\u00e4tzlich beachtenswert ist an Ante Ciligas Buch, dass er nicht nur die Diskussion um die politische und \u00f6konomische Macht in Russland nachzeichnet, sondern sich auch bem\u00fchte die soziale Realit\u00e4t der Arbeiterklasse und der Bauernschaft in Russland einzufangen. Die Berichte \u00fcber das Massensterben auf dem Land erreichten die Lager, die Lage der Arbeiterklasse war verheerend. Nach dieser Bestandsaufnahme erfolgte f\u00fcr Ciliga und andere nicht nur der Bruch mit dem herrschenden russischen Stalinismus, sondern auch mit dem Trotzkismus.<\/p>\n<p><strong>Miasnikow in Paris<\/strong><\/p>\n<p>Die Analysen der russischen Linken waren in den 20ern einer kleinen Schar von oppositionellen Linken in Westeuropa bekannt. 1923 verteilte die KAI in Berlin Flugbl\u00e4tter gegen die Repression der Arbeitergruppe, 1923 und &#8217;24 ver\u00f6ffentlichte Worker&#8217;s Dreadnought Texte der Arbeitergruppe auf englisch, 1925 besuchte Sapranow als Vertreter der Dezisten illegal Karl Korsch, 1927 ver\u00f6ffentlichten \u00bble reveil communiste\u00ab und \u00bbvon den aus der Kommunistischen Partei ausgeschlossenen Hamburger Oktoberk\u00e4mpfern\u00ab (\u00fcbersetzt von Hedda Korsch) die Plattform der 15. Somit waren die Diskussionen der linken Kommunisten bereits bekannt, als 1930 Gavriel Miasnikow nach Knast und Folter nach Paris fliehen konnte. In Paris schlie\u00dft sich Miasnikow der Gruppe \u00bbl&#8217;ouvrier communiste\u00ab (ein Nachfolgeprojekt von \u00bble reveil communiste\u00ab) um Pappalardi (ehemaliges Gr\u00fcndungsmitglied der italienischen Fraktion) an. Warum f\u00fchrte dies nicht zu einer Umgruppierung der oppositionellen Kommunisten im Allgemeinen und der internationalistischen Linken im besonderen?<\/p>\n<p>Zehn Jahre nach der Oktoberrevolution hatte sich die Welt dramatisch gewandelt. Die Revolution in Deutschland war blutig unterdr\u00fcckt und sp\u00e4testens 1923 hatte die Arbeiterklasse eine herbe Niederlage erleiden m\u00fcssen. Der britische Generalstreik 1926 war niedergeschlagen worden und die chinesischen Revolution\u00e4re wurden mehrmals der Konterrevolution ausgeliefert, bevor 1929 die Weltwirtschaftskrise ausbrach. Die euphorische Stimmung war abgeklungen, die wenigen Revolution\u00e4re, die sich au\u00dferhalb der bereits stalinisierten Parteien organisierten, waren eingeklemmt zwischen Stalinismus und Faschismus. Frankreich war zwar das Zentrum der internationalen Diskussion, KommunistInnen aus Deutschland, Italien, Rum\u00e4nien usw. fanden sich hier ein, doch beschr\u00e4nkte dieses Milieu sich auf einige Dutzend. Die Tiefe und Dramatik des historischen Wendepunktes war zwar sp\u00fcrbar, jedoch noch nicht analysiert. In welcher historischen Phase befinden wir uns? Welche politischen und organisatorischen Schl\u00fcsse sind daraus abzuleiten?<\/p>\n<p>Die Gruppe \u00bbl&#8217;ouvrier communiste\u00ab um Miasnikow war politisch stark der Traditionslinie der KAPD verpflichtet. Somit waren sie fr\u00fch dazu in der Lage, das politische Scheitern der russischen Revolution festzustellen. Doch befand sich nach ihrer Analyse nicht nur der Kapitalismus in seiner Todeskrise, sondern wir befanden uns weiterhin in einer offenen revolution\u00e4ren Phase. Welche Probleme diese Analyse mit sich zog, erkennen wir im n\u00e4chsten Abschnitt.<\/p>\n<p><strong>Internationalistische Diskussion in Frankreich<\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend Trotzki innerhalb der Arbeiterklasse Russlands wegen der \u00bbMilitarisierung der Arbeit\u00ab verhasst war, galt er f\u00fcr die meisten kommunistischen Oppositionellen au\u00dferhalb Russland nach seiner Ausweisung 1929 als tadelloser F\u00fchrer der Weltrevolution. Trotzki strebte sofort eine Umgruppierung an. Alfred Rosmer wurde nach Deutschland geschickt, franz\u00f6sische Genossen reisten nach Prinkipo. Trotzkis Entscheidungskriterium f\u00fcr eine Zusammenarbeit war die Haltung zum russischen Staat. So brach er mit den \u00bbKorschisten\u00ab und lobte die \u00bblinke Fraktion der PCI\u00ab f\u00fcr ihr Gr\u00fcndungsmanifest von Pantin 1927 und den Bruch mit \u00bble reveil communiste\u00ab. Die italienische Fraktion akzeptiert 1930 Trotzkis Plattform der ILO als Grundlage der Diskussion. W\u00e4hrend \u00bble reveil communiste\u00ab 1929 in einem offenen Brief an die Basis der PCF und der Kommunistischen Internationalen die M\u00f6glichkeit einer Wiederbelebung der KI verwirft und die fraktionelle Orientierung der Trotzkisten und Bordigisten (so wurde die Fraktion um die Zeitschrift \u00bbPrometeo\u00ab bezeichnet) als konterrevolution\u00e4r denunzierte.<\/p>\n<p>An dieser Stelle m\u00fcssen wir innehalten und uns den Hintergrund der Diskussion verdeutlichen. Tiefere Grundlage f\u00fcr die unterschiedlichen Einsch\u00e4tzungen (innerhalb der Linkskommunisten von \u00bbPrometeo\u00ab und \u00bble reveil communiste\u00ab und den Trotzkisten) ist nicht die Frage des \u00bbStaatskapitalismus\u00ab, sondern die Analyse der historischen Phase. Hier verl\u00e4uft die Frontstellung f\u00fcr die folgenden Jahre. \u00bble reveil communiste\u00ab (und ab 1930 \u00bbl&#8217;ouvrier communiste\u00ab) geht \u00e4hnlich wie Trotzki von einer offenen revolution\u00e4ren Phase aus. Dieser kann sich nicht von der Einsch\u00e4tzung der \u00bbrevolution\u00e4ren Phase\u00ab trennen und orientiert sich ab 1933 hin zum Aufbau einer neuen (vierten) Internationale. Die Analyse der historischen Phase ist also eng verbunden mit der Frage der Organisierung. Kein Wunder, dass der Bruch zwischen Fraktion und Trotzki schon 1931\/32 erfolgt. Die Fraktion entschlie\u00dft sich gegen solche voluntaristischen Abenteuer und f\u00fcr das intensive Studium der dramatischen Kernfragen: wie konnte die erste erfolgreiche proletarische Revolution solch ein Gebilde hervorbringen, wie konnte die F\u00fchrerin der Weltrevolution \u2013 die KI \u2013 zu einer Kraft der Konterrevolution werden, wie konnte sich die Phase des revolution\u00e4ren Aufbegehrens und der Euphorie in eine der Desillusionierung und Isolation wenden? Angetrieben von diesen Fragen wurde 1933 Bilan gegr\u00fcndet.<\/p>\n<p>Die ernsthafte und tiefe Analyse der russischen Revolution bef\u00e4higte die Fraktion dazu, einige wichtige Prinzipien zu konkretisieren, hierzu z\u00e4hlen insbesondere die Kritik der nationalen Befreiungsbewegungen und die Kritik der demokratischen Illusionen. Die gr\u00f6\u00dfte Pr\u00fcfung kam mit dem spanischen B\u00fcrgerkrieg. Die UdSSR und ihre Kommunistischen Parteien traten als imperialistische Macht mit Deutschland und Italien in den europ\u00e4ischen (wenn nicht schon in den globalen) Machtkampf ein, Trotzki sprang ihnen an die Seite und sah eine neue \u00bbrevolution\u00e4re Phase\u00ab eintreten. Doch auch die vielen linkstrotzkistischen Gruppen, die bereits mit Trotzki gebrochen hatten, und auch die Minderheit der Fraktion schlossen sich dieser \u00bbrevolution\u00e4ren Hoffnung\u00ab an. Sp\u00e4testens hier erkannte die Fraktion das Gift der antifaschistischen Ideologie.<\/p>\n<p><strong>Umgruppierung und Bereicherung w\u00e4hrend des 2. Weltkriegs<\/strong><\/p>\n<p>Die Politik der Volksfront und des Antifaschismus hatten den internationalen Klassenkampf in die Irre gef\u00fchrt und das Klassenterrain verlassen. Der Ausbruch des 2. Weltkriegs versch\u00e4rfte die Lage noch mehr. Die Reste der revolution\u00e4ren Linken waren desorientiert, die trotzkistischen Gruppen hatten endg\u00fcltig das eine oder andere imperialistische Lager gew\u00e4hlt. Doch traten erstmals wieder neue und junge Militanten auf. Der Kern der zuk\u00fcnftigen franz\u00f6sischen Fraktion orientierte sich an den Lehren der Arbeit von Bilan und war ab 1941 gar wieder in der Lage j\u00e4hrliche Konferenzen abzuhalten. Der Vormarsch der Nationalsozialisten hatte die RK\u00d6\/RKD ins Exil nach Frankreich und Belgien getrieben. Als urspr\u00fcnglich trotzkistische Organisation hatten sie 1938 als einzige gegen die Gr\u00fcndung der IV. Internationalen gestimmt und entwickelten einen unnachgiebigen revolution\u00e4ren Def\u00e4tismus. Die W\u00fchlarbeit der RKD, die Flugbl\u00e4tter unter deutschen Soldaten und unter der franz\u00f6sischen Zivilbev\u00f6lkerung zur Fraternisation verteilte, war Orientierung f\u00fcr alle Revolution\u00e4re, die die Aufgabe des Klassenterrains nicht mitmachen wollten. So gr\u00fcndeten sich um die RKD 1942 die \u00bbcommuniste revolutionaire\u00ab. Die RKD und die CR schrieben und verteilten teilweise zusammen mit dem Kern der sp\u00e4teren franz\u00f6sischen Fraktion Flugbl\u00e4tter, und sie begannen eine vertiefende Diskussion \u00fcber die russische Frage. In dieser Diskussion spielte das Buch von Ciliga eine gro\u00dfe Rolle. Nun kamen unnachgiebiger Internationalismus, Einsch\u00e4tzung der historischen Phase und Arbeiterperspektive (\u00bbvon unten\u00ab) in der Diskussion zusammen und machten es m\u00f6glich, dass die Positionen der italienischen, deutschen und russischen Linken sich gegenseitig befruchteten.<br \/>\nDie Linkskommunisten in der Tradition der italienischen Linken waren bisher sehr skeptisch gegen\u00fcber der fr\u00fchzeitigen Einsch\u00e4tzung des russischen Staates als \u00bbStaatskapitalismus\u00ab gewesen. Ihnen war es wichtiger, eine fundamentale Bilanz der revolution\u00e4ren Welle zu ziehen und sich daran zu organisieren.<br \/>\nDer Fraktion gelang es, sich durch die gemeinsame illegale Arbeit und tiefen Diskussionen, die ernsthaften Auseinandersetzungen, die Ante Ciliga aus dem Lager schildert, anzueignen. Es ist nun keine \u00dcberraschung mehr, dass auch um diese Zeit herum das Studium von Rosa Luxemburg intensiviert wurde und die Auseinandersetzung mit der deutsch-holl\u00e4ndischen Linken ernsthaftere Formen annahm. Internationalistische Perspektive und die \u00dcberzeugung, dass die Revolution nur die Sache der Arbeiterklasse selbst sein k\u00f6nne, waren der Kern des Linkskommunismus. 1943 stellt die Konferenz der Fraktion erstmals fest, dass die UdSSR \u00bbstaatskapitalistisch\u00ab sei. Doch war dies nun kein Label, sondern fu\u00dfte auf dem Kampf um eine revolution\u00e4re Position in den d\u00fcstersten Zeiten des Weltgemetzels und der Konterrevolution. Zum 1. Mai 1945 verteilten RKD, CR und die Fraktion gemeinsam ein Flugblatt an die Proletarier in Russland, Italien, Deutschland, Frankreich &#8230;. \u00bbVorw\u00e4rts zur kommunistischen Weltrevolution!\u00ab<br \/>\nDiese revolution\u00e4re Position ist bis heute nicht abgebrochen, doch um die heutigen Aufgaben auf den historischen Lehren aufzubauen, m\u00fcssen diese erstmal wieder freigeschaufelt und angeeignet werden. Die Herausgeber des Ciliga Buches sind ebenso um das \u00bbhistorische Erbe des Marxismus\u00ab bem\u00fcht und beziehen sich mit Rosa Luxemburg auf die Grundlage jeder revolution\u00e4ren Ver\u00e4nderung der \u00bblebendigen Quell selbst, aus dem heraus alle angeborenen Unzul\u00e4nglichkeiten der sozialen Institutionen allein korrigiert werden k\u00f6nnen: das aktive, ungehemmte, energische politische Leben der breitesten Volksmassen\u00ab &#8211; dem ist zuzustimmen. Das Interesse an der Wiederaneignung scheint vorhanden, die erste Auflage ist schon ausverkauft und eine Diskussionsveranstaltung in Berlin brachte drei\u00dfig Interessierte GenossInnen zusammen.<br \/>\n<strong>Aus \u201eWeltrevolution&#8221; Nr. 163 (http:\/\/de.internationalism.org\/)<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zeugnis einer fast versch\u00fctteten Debatte 1953 erschien mitten im Kalten Krieg in der Reihe \u00bbRote Wei\u00dfb\u00fccher\u00ab im Verlag f\u00fcr Politik und Wirtschaft Ante Ciligas Aufzeichnungen&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_eb_attr":"","footnotes":""},"categories":[29],"tags":[],"class_list":["post-379","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-im-land-der-verwirrenden-luege"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/379","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=379"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/379\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=379"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=379"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=379"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}