{"id":398,"date":"2015-03-19T20:35:12","date_gmt":"2015-03-19T19:35:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.diebuchmacherei.dev\/?p=398"},"modified":"2025-08-28T07:56:11","modified_gmt":"2025-08-28T05:56:11","slug":"junge-welt-17-03-2009","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/2015\/03\/19\/junge-welt-17-03-2009\/","title":{"rendered":"&#8220;Junge Welt&#8221; 17.03.2009"},"content":{"rendered":"<p><strong>100 Tonnen Uran &#8220;verschwunden&#8221;<\/strong><br \/>\nIsrael wurde zu Beginn der sechziger Jahre mehrfach mit dem gef\u00e4hrlichen<br \/>\nStoff beliefert. Eine Recherche<\/p>\n<p>Von Gaby Weber<br \/>\nDer UN-Report sei &#8220;alarmierend&#8221; und k\u00f6nne schwere Folgen f\u00fcr die Obama-Administration zeitigen, wertete j\u00fcngst die New York Times (19.2.) einen neuen Ermittlungsstand in Sachen des iranischen Atomprogramms. Demnach soll die Regierung in Teheran eine Tonne leicht angereichertes Uran besitzen -statt der 600 Kilogramm, die sie offiziell angegeben hat. Anfang M\u00e4rz legte der US-Generalstabschef Mike Mullen diesbez\u00fcglich nach: Der neue Fund belege, so behauptete der Admiral CNN gegen\u00fcber, da\u00df &#8220;Iran genug Uran hat, um eine Atombombe zu bauen&#8221; &#8211; eine bemerkenswerte Feststellung angesichts fr\u00fcherer \u00c4u\u00dferungen seitens Washingtons. <!--more--><\/p>\n<p>&#8220;Weniger als zehn Tonnen Natururan&#8221; seien &#8220;irrelevant&#8221;, erkl\u00e4rte einst die US-Regierung, als es um den Besitz von Uran durch Israel ging &#8211; eine Geschichte, die einige Zeit zur\u00fcckliegt und im Zusammenhang mit der Inbetriebnahme des israelischen Atomkraftwerks Dimona 1964stand. llgemein bekannt ist, da\u00df sich der israelische Geheimdienst Mossad ab Ende der sechziger Jahre in Nacht-und-Nebel-Aktionen Uran &#8220;besorgt&#8221; hatte -doch woher der erste Brennstoff f\u00fcr Dimona kam, haben die zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden bis heute nicht bekanntgegeben.<\/p>\n<p>Wer die argentinische Atombeh\u00f6rde (CNEA) dazu fragt, erh\u00e4lt eine klare Antwort: &#8220;Wir haben drei Mal Uran an Israel geliefert&#8221;, so CNEA-Sprecher Roberto Ornstein Ende vergangenen Jahres. &#8220;Die erste Lieferung, f\u00fcnf Tonnen, ging 1960 \u00fcber Deutschland. Die zweite, zehn Tonnen, ging direkt nach Israel. Und die dritte Lieferung, 1963, ging ebenfalls direkt nach Israel, hundert Tonnen. Was die Israelis mit diesem Uran gemacht haben? Das wissen nur sie.&#8221;<\/p>\n<p>Uran war nicht frei handelbar, sondern stand auf der CoCom-Liste, mit der den realsozialistischen Staaten Europas strategische Rohstoffe und Technologien vorenthalten werden sollten. In allen drei F\u00e4llen mu\u00dfte die Regierung in Buenos Aires ein Dekret erlassen, um die gesetzlichen Einschr\u00e4nkungen zu umgehen. Diese drei Dekrete sind nicht geheim und k\u00f6nnen im<br \/>\nNationalarchiv eingesehen und kopiert werden (sie k\u00f6nnen auch von der Homepage der<br \/>\nAutorin heruntergeladen werden; d.Red.).<\/p>\n<p>Das erste Dekret &#8211; aus dem Jahr 1960 &#8211; verf\u00fcgt den Export von sechs Tonnen Yellow Cake (Gemisch von Uranverbindungen) \u00fcber einen Umweg: Der Stoff wurde zuerst an zwei deutsche Firmen geliefert, an die Metallgesellschaft und die Nukem, die kurz zuvor von der Degussa gegr\u00fcndet worden war. Die Degussa hatte \u00fcbrigens w\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges nicht nur ZyklonB f\u00fcr die Vernichtungslager, sondern auch f\u00fcnf Tonnen Uranmetall f\u00fcr Hitlers &#8220;Uran-Projekt&#8221; produziert. 1962 exportierte Argentinien weitere zehn Tonnen Uran nach Israel.<\/p>\n<p>Der US-Regierung waren diese Exporte bekannt. Dieses geht aus einem vertraulichen Memorandum vom 5. M\u00e4rz 1962 hervor, das auf meinen Antrag hin Ende vergangenen Jahres vom Energieministerium in Washington freigegeben und mir \u00fcberreicht wurden. Darin berichtet Mr. A. Wells, Abteilungsleiter f\u00fcr internationale Angelegenheiten, \u00fcber die bis zu diesem Zeitpunkt von<br \/>\nArgentinien an Israel erfolgten Uranlieferungen. Dies sei dem US-Verbindungsoffizier von der argentinischen Regierung mitgeteilt worden.<\/p>\n<p>Da\u00df der Kaufvertrag keine Kontrollen \u00fcber die Verwendung des Urans vorgesehen und da\u00df die israelische Regierung ausdr\u00fccklich die Geheimhaltung dieses Gesch\u00e4fts &#8220;gefordert&#8221; habe, hatte die US-Regierung nicht zum Anla\u00df genommen, mi\u00dftrauisch zu werden oder gar &#8220;Alarm&#8221; auszul\u00f6sen. &#8220;Mengen unter zehn Tonnen&#8221; &#8211; so das Memorandum &#8211; seien laut der internationalen und der US-amerikanischen Regelungen von solchen Kontrollen ausgenommen. Da\u00df die sechs vorherigen Tonnen, die \u00fcber deutsche Firmen liefen, am Ende in Israel gelandet waren, will man in Washington nicht gewu\u00dft haben.<\/p>\n<p>Im Februar 1963 entschied die argentinische Regierung, ein drittes Mal konzentriertes Uran nach Israel zu schicken &#8211; diesmal einhundert Tonnen, ausreichend f\u00fcr den Bau von fast hundert Atombomben. Wenige Monate sp\u00e4ter, am 5. Juli 1963, schrieb Pr\u00e4sident John F. Kennedy an den israelischen Premierminister und bat um eine Inspektion des Dimona-Komplexes. Eine umfassende<br \/>\nInspektion des Atomkraftwerkes in der Negev-W\u00fcste hat die Regierung in Tel Aviv bis heute verweigert. Die \u00fcber hundert Tonnen Uran aus Argentinien wurden nie gefunden. Sie sind bis heute verschwunden, und niemand schlug Alarm.<\/p>\n<p>Und seit dem Attentat auf Kennedy im November 1963 scheint sich kein US-Pr\u00e4sident mehr um das israelische Atomprogramm zu sorgen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>100 Tonnen Uran &#8220;verschwunden&#8221; Israel wurde zu Beginn der sechziger Jahre mehrfach mit dem gef\u00e4hrlichen Stoff beliefert. 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