{"id":408,"date":"2015-03-19T20:55:28","date_gmt":"2015-03-19T19:55:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.diebuchmacherei.dev\/?p=408"},"modified":"2025-08-28T18:44:33","modified_gmt":"2025-08-28T16:44:33","slug":"rezension-der-sozialistischen-zeitung-soz-oktober-2005","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/rezension-der-sozialistischen-zeitung-soz-oktober-2005\/","title":{"rendered":"Rezension der &#8220;Sozialistische(n) Zeitung&#8221; SoZ Oktober 2005"},"content":{"rendered":"<p><strong>Sozialistische Fantasien<\/strong><br \/>\nNeu, wenn auch nicht ganz neuartig ein Buch, in dem das wichtigste Kapitel mit den Worten beginnt: &#8220;Eine sozialistische gesellschaft m\u00fcsste zum land zur\u00fcckfinden, zur landwirtschaft als grundlage einer gesunden ern\u00e4hrung und eines handwerklichen t\u00e4tigseins&#8230;&#8221;<!--more--><br \/>\nWerner Ruhoff, K\u00f6lner Sozialist und fr\u00fcherer Anh\u00e4nger der kommunistischen Partei, hat seine &#8220;fantasien&#8221; zu Papier gebracht, angeregt nicht nur durch das Scheitern des Realsozialismus, dem er sich fr\u00fcher verbunden f\u00fchlte, sondern vor allem durch alternative Erfahrungen von gemeinschaftlichem Zusammenleben und Arbeiten jenseits des bisherigen sozialistischen Mainstreams.<br \/>\nSeine pers\u00f6nliche Reise von den gef\u00fcgten Vorstellungen der DKP- und DDR-Sph\u00e4re zu den Alternativen von Longo mai oder der Sozialistischen Selbsthilfe in K\u00f6ln-M\u00fclheim wird anschaulich erg\u00e4nzt durch seine Vorstellungen, wie denn eine neue andere Art von Sozialismus aussehen k\u00f6nnte: &#8220;Ich bin der Meinung, der Real-Sozialismus ist gescheitert, weil die soziale Utopie von vornherein durch ein autorit\u00e4r-b\u00fcrokratisches System zur Durchsetzung einer rigiden Industrialisierung erstickt wurde &#8230; Die St\u00e4rke, die uns mehr und mehr bewusst werden sollte, liegt darin, dass wir t\u00e4tig und kreativ sein k\u00f6nnen, ohne in Kapitalverh\u00e4ltnisse eingebunden zu sein &#8230; Solange wir mit dem Ruf nach Arbeit das Kapital meinen, das uns Arbeit organisiert um sich zu vermehren, werden wir unter den Bedingungen eines wachsenden Arbeitskr\u00e4fte\u00fcberschusses zunehmend erpressbar, auch noch die letzten Reste von W\u00fcrde f\u00fcr einen Hungerlohn und sinnentleerte Arbeiten zu verkaufen.&#8221;<br \/>\nJenseits des Kapitals sucht Ruhoff nach anderem Leben und Arbeiten (&#8220;T\u00e4tigsein&#8221;) und widmet in seinem Buch viele Seiten den \u00f6konomischen und gesellschaftlichen Utopien, die er in Ans\u00e4tzen in seiner Stadt und drau\u00dfen gefunden hat. Jede dieser Fantasien mag diskussionsw\u00fcrdig sein: Produktion im Viertel f\u00fcr die Selbstversorgung, Lebensmittelverteilung, freier Wohnraum, handwerkliche Verarbeitung, Maschinenrecycling, Diskussion \u00fcber Bedarf und Bed\u00fcrfnisse, Mobilit\u00e4t auf der Basis von \u00f6ffentlichem Verkehr, alles das stellt sich der Autor konkret f\u00fcr seine Stadt vor.<br \/>\nWo das Buch allerdings passen muss: wie soll es dahin kommen, dass solche sozialistischen Ideen Wirklichkeit werden? Welche nicht nur kleinen Gruppen werden aufgrund der jetzigen Widerspr\u00fcche an so einem Prozess teilnehmen? Jenseits solcher Fragen ist das Buch wichtig f\u00fcr Menschen, die sich wie der Autor selbst in Solidarit\u00e4t zur DDR und Sowjetunion verstanden haben &#8211; und denen er seinen Epilog widmet: &#8220;Wer den Mut zur Scham nicht aufbringt, muss leugnen und verdr\u00e4ngen oder in eine andere Identit\u00e4t fl\u00fcchten \u2026 Der Marxsche Imperativ, alle Verh\u00e4ltnisse umzust\u00fcrzen, die den Menschen knechten, erniedrigen, aus ihm ein ver\u00e4chtliches Wesen machen, wurde verfehlt \u2026 (Im Real-Sozialismus) wurde die Moral ebenso zur reinen Funktion des Klassenkampfes, zu einem Instrument, das den kategorischen Imperativ menschlichen Handelns au\u00dfer Kraft setzte und den Menschen quasi zum Objekt degradierte.&#8221;<br \/>\n<em>Rolf Euler<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sozialistische Fantasien Neu, wenn auch nicht ganz neuartig ein Buch, in dem das wichtigste Kapitel mit den Worten beginnt: &#8220;Eine sozialistische gesellschaft m\u00fcsste zum land&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_eb_attr":"","footnotes":""},"categories":[31],"tags":[],"class_list":["post-408","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-eine-sozialistische-fantasie-ist-geblieben"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/408","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=408"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/408\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8118,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/408\/revisions\/8118"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=408"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=408"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=408"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}