{"id":414,"date":"2015-03-19T20:49:05","date_gmt":"2015-03-19T19:49:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.diebuchmacherei.dev\/?p=414"},"modified":"2025-08-28T18:44:33","modified_gmt":"2025-08-28T16:44:33","slug":"antwort-von-ulrich-weiss-auf-wrs-replik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/antwort-von-ulrich-weiss-auf-wrs-replik\/","title":{"rendered":"Antwort von Ulrich Weiss auf WRs Replik"},"content":{"rendered":"<p><strong>&#8220;Weder das Staatseigentum noch proudhonistischen R\u00fccknahmen der Kapitalisierung k\u00f6nnen die Vermittlung von Gesellschaftlichkeit durch Wert\/Geld aufheben.&#8221;<\/strong><\/p>\n<p><strong>1.<\/strong> Du schl\u00e4gst &#8220;streitbare Diskussion &#8230; [bei] Anerkennung der Argumente auf einer \u201agleichrangigen H\u00f6he'&#8221; vor. Sonst &#8211; Du meinst wohl meine Methode &#8211; habe &#8220;das Ganze ein unfruchtbares Gef\u00e4lle, das sich von der H\u00f6he der Wahrheit auf die Tiefe der fixen Idee herablassen muss.&#8221; Ich nehme die dann folgende Bemerkung zu &#8220;Grundpositionen und Fragmenten bei Marx\/Engels&#8221; als Erl\u00e4uterung dieser Aussage: &#8220;Keiner der Aspekte\/Bereiche d\u00fcrfte ein Schl\u00fcsselproblem darstellen, dessen L\u00f6sung das Tor zu einer besseren Gesellschaft \u00f6ffnete. Meiner Meinung gibt es keinen einzigen Dreh- und Angelpunkt, der wie eine Drehscheibe an alle anderen Probleme andockt.&#8221;<!--more--><br \/>\nNun, von &#8220;allen anderen Problemen&#8221; redet kein Mensch. Diese Floskel sei geschenkt. Aber meinst tats\u00e4chlich, dass es keine Grundstrukturen gibt, die die sozialen Qualit\u00e4ten von Gesellschaften bestimmen? Oder zweifelst Du nur daran, dass diese erkennbar sind? Die theoretische Rekonstruktion solcher Strukturen nach der Art der Marxschen Kategorien f\u00fchrt zu fixen Ideen. Habe ich Dich richtig verstanden?<\/p>\n<p><strong>2.<\/strong> Gleich anschlie\u00dfend schreibst Du: &#8220;Das sowjetische System &#8230; war &#8230;<br \/>\nein sozialistisches, DA es ganz wesentliche Merkmale aufwies, die auch Marx und Engels als charakteristisch f\u00fcr den Sozialismus ansahen&#8221; (&#8220;DA&#8221; hervorgehoben von mir). Du nennst auch gleich entsprechende &#8220;Schl\u00fcsselprobleme&#8221;. In angenommener \u00dcbereinstimmung mit Marx h\u00e4ltst Du n\u00e4mlich eine Gesellschaft f\u00fcr sozialistisch, in der sich die wesentlichen &#8220;Produktionsmittel &#8230; in den H\u00e4nden der staatlichen Macht&#8221; befinden und in der es eine &#8220;zentrale Wirtschaftsplanung&#8221; gibt. Ein weiteres Kriterium sei, dass die Planung eingesetzt wird, &#8220;um wirtschaftliche Krisen zu vermeiden und die Produkte auch nach sozialen Kriterien zu verteilen.&#8221;<br \/>\nSag bitte, was soll ich nun als g\u00fcltig annehmen? Erst verneinst die Existenz oder Erkennbarkeit solcher &#8220;Schl\u00fcsselprobleme&#8221; bzw. Lehnst die theoretische Bezugnahme auf solche &#8220;Dreh- und Angelpunkte&#8221; ab, nimmst sie dann aber selbst als Kriterien f\u00fcr die Bewertung einer Gesellschaft.<br \/>\nIch denke, wir sollten uns dar\u00fcber verst\u00e4ndigen, ob wir eine theoretische Diskussion f\u00fchren wollen oder nicht, ob und in welchem Sinne wir die Marxschen (oder andere) Begriffe (Gesellschaftsformation, Produktionsweise, kapitalistische Warenproduktion, Kapital, Lohnarbeit, Staat &#8230; und die Aufhebung all dessen durch eine sozialistisch-kommunistische Umw\u00e4lzung) f\u00fcr geeignet halten, Dreh- und Angelpunkte f\u00fcr die Suche nach Wegen aus dem Kapitalismus zu erkennen.<br \/>\nGegebenenfalls sind diese zu korrigieren oder ausdr\u00fccklich verwerfen.<br \/>\nJedenfalls m\u00fcssten wir mit unseren Erkenntnissen stringent umgehen und Gef\u00e4lle vermeiden.<\/p>\n<p><strong>3.<\/strong> Marx zustimmend schreibst Du: &#8220;In der deutschen Ideologie geht es um die Teilung der Arbeit in k\u00f6rperliche und geistige und die damit verbundene Verf\u00fcgungsgewalt \u00fcber ProduzentInnen und Produkte.&#8221; Offenkundig ist auch nach Deiner Meinung die Aufhebung dieser Arbeitsteilung (im Sinne von Herrschaft der einen \u00fcber die anderen) wesentlich f\u00fcr die \u00dcberwindung des Kapitalismus &#8211; ein &#8220;Dreh- und Angelpunkt&#8221; also. Dass Du diese Marxsche Grundposition heranziehst macht in Bezug auf Deinen Text auch Sinn, geht es doch in Deiner sozialistischen Fantasie oft um die R\u00fccknahme der kapitalistischen Arbeitsteilung. Du schreibst auch, dass die Sowjetunion dies nicht gel\u00f6st hatte. Sozialistisch war sie Dir trotzdem. Warum? Vermutlich, weil es da staatliches Eigentum an Produktionsmitteln gab und zentrale Planung. Unsozialistische Arbeitsteilung und sozialistisches Staatseigentum &#8211; das geht also zusammen?<br \/>\nHierzu erstens Marx\/Engels in der &#8220;Deutschen Ideologie&#8221;: &#8220;\u00dcbrigens sind Teilung der Arbeit und Privateigentum identische Ausdr\u00fccke &#8211; in dem Einem wird in Beziehung auf die T\u00e4tigkeit dasselbe ausgesagt, was in dem Andern in Bezug auf das Produkt der T\u00e4tigkeit ausgesagt wird.&#8221; (MEW 3\/32)1 Wenn das stimmt, dann kann, wo diese Teilung der Arbeit vorherrscht, das darauf begr\u00fcndete Eigentum nicht sozialistisch sein, auch nicht als Staatseigentum.<br \/>\nZweitens. Marx hat nicht die proudhonistische Vorstellung, dass Widerspr\u00fcche der kapitalistischen Produktionsweise dadurch \u00fcberwunden werden k\u00f6nnten, dass die Arbeitsteilung und damit das (kapitalistische) Privateigentum an Produktionsmittel zugunsten der vorkapitalistischen handwerklichen T\u00e4tigkeit aufgehoben oder eingeschr\u00e4nkt wird. Mit sozialistisch-kommunistischer Perspektive kann dies nach Marx nur auf der Ebene hoher Produktivit\u00e4t menschlicher Arbeit (deren Voraussetzungen der Kapitalismus schafft) geschehen und zwar durch eine Vergesellschaftung, die weder der Vermittlung durch Wert (Geld) noch durch staatliche Gewalt bedarf. Erst dies und nicht aber die Konzentration von Kapital in den H\u00e4nden des Staates bedeutet Aufhebung von kapitalistischem Privateigentum. Weder das Staatseigentum noch proudhonistischen R\u00fccknahmen der Kapitalisierung k\u00f6nnen die Vermittlung von Gesellschaftlichkeit durch Wert\/Geld aufheben. Die unmittelbaren Produzenten k\u00f6nnen ihre abh\u00e4ngige Rolle als Lohnarbeiter so nicht \u00fcberwinden. Im Staatseigentum an Produktionsmitteln, mittels derer in Lohnarbeit Waren hergestellt werden, ist die Kapitaleigenschaft der Produktionsmittel nicht aufgehoben. Das Gleiche gilt f\u00fcr kommunales Eigentum und f\u00fcr Eigentum etwa von Genossenschaften usw.<\/p>\n<p>Werner Du willst die kapitalistische Arbeitsteilung in Frage stellen. Du versuchst das, indem Du sie Dir kleiner, abgeschw\u00e4chter vorstellst, aber nicht indem Du die soziale Form, die die (kapitalistische) Arbeitsteilung hervorbringt und voraussetzt, aufhebst. Dies ist eine r\u00fcckw\u00e4rtsgewandt-utopische Idee, die auf vorkapitalistische Warenproduktion, handwerkliche Verh\u00e4ltnisse orientiert. Du willst die Wertform zur\u00fcck entwickeln, aber nicht aufheben. Du entkommst aber ihrer Logik nicht &#8211; Dein Text bietet selbst Belege daf\u00fcr (ich habe welche genannt).<br \/>\nDu schreibst, Du konntest nicht so k\u00fchn sein, Dir als Alternative zum Kapitalismus eine Produktionsweise vorzustellen, die nicht Warenproduktion ist. K\u00fchn oder nicht, realistisch sollten wir sein und nicht etwas als Alternative beschw\u00f6ren, was weder m\u00f6glich noch meines Erachtens w\u00fcnschenswert ist (im Sinne des bewahrenden Aufhebens und Verallgemeinerns wesentlicher zivilistorischer Errungenschaften der b\u00fcrgerlichen Epoche). Hier gibt es enormen Diskussionsbedarf.<\/p>\n<p><strong>4.<\/strong> Du k\u00f6nntest zum Beispiel auf folgendes verweisen: Marx folgend (siehe seine Gedanken zur russischen Dorfgemeinde und deren sozialistischen Potenzen) verweisen manche Leute (ich auch) in der Suche nach Wegen aus dem Kapitalismus auf die Parallelit\u00e4t verschiedener historischer Erscheinungen. Einerseits wird international die gesellschaftliche Entwicklung von postfordistischen kapitalistischen Produktionsverh\u00e4ltnisse und Produktivkr\u00e4fte dominiert, die allerdings ihre integrative, lebenserhaltende Kraft verlieren und immer lebensfeindlicher wirken. Zugleich gibt es weiterhin &#8211; nicht nur in der sogenannten dritten Welt &#8211; nichtkapitalistische Lebensformen von Gemeinschaften. Diese sind angesichts der Globalisierung massiv bedroht.<br \/>\nIm Unterschied zu den Zeiten der urspr\u00fcnglichen Akkumulation, des westlichen Fr\u00fchkapitalismus, erwachsen aber den betroffenen Menschen in ihrer Mehrheit auf kapitalistische Weise keine Existenzm\u00f6glichkeiten, die sie dauerhaft tragen k\u00f6nnten. Vielleicht gibt in dieser Gleichzeitigkeit und in den konflikthaften Zusammentreffen der entsprechenden Kulturen Momente zu entdecken, die im Westen gerade als Konsequenz der tiefgehenden kapitalistischen Arbeitsteilung l\u00e4ngst verloren gegangen sind, die aber f\u00fcr die notwendige Aufhebung kapitalistischer Verh\u00e4ltnisse von Bedeutung sein k\u00f6nnen. Sozusagen Neues im (sehr) Alten: Gemeinschaftsmentalit\u00e4ten, soziale Kompetenzen, geistige Vermittlungen von menschlichen Zusammenh\u00e4ngen. Johannes Stockmeier besch\u00e4ftigt sich mit letzterem stark.<br \/>\nVielleicht sagst Du ja jetzt: Genau darum geht es mir in meiner Orientierung auf Kleinteiligkeit usw.<br \/>\nDas verstehe ich schon. Der Fehler ist nur der: Global einen entwickelten Kapitalismus vorausgesetzt, k\u00f6nnen die kapitalistischen Widerspr\u00fcche nicht dadurch \u00fcberwunden oder beherrscht werden, dass die Warenproduktion, die Lohnarbeit, die ganze Wertvergesellschaftung halb zur\u00fcckgenommen oder abgeschw\u00e4cht wird. Sie muss aufgehoben werden. Wir k\u00f6nnen nicht (und ich will das auch nicht; wer in den Metropolen will das denn wirklich?; abgesehen davon, dass wir dazu 5 Mrd. Menschen zuviel sind) zur\u00fcck zu den Zeiten der Luditen und Maschinenst\u00fcrmer, auch nicht mit Hilfe etwa der Gemeinschaftsmentalit\u00e4ten, die in vielen Regionen noch aus nichtkapitalistischen Zeiten \u00fcberlebten.<br \/>\nEs ist ein kurzschl\u00fcssiger, nicht verallgemeinerbarer Versuch, Geschichte zur\u00fcckzudrehen, indem Kleinteiliges, Handwerkliches als materielle Grundlage der Existenz in die bestehende (kapitalistische) Warenproduktion implantiert werden soll. Du versuchst, so Produktion und N\u00fctzlichkeit, Planung und Verbrauch sozusagen kurzzuschlie\u00dfen und die Logiken eben der Warenproduktion, die Du beibeh\u00e4lst, auszuschalten. Das ist kein sozialistisches und kein realistisches Projekt.<\/p>\n<p><strong>5.<\/strong> Hier muss tats\u00e4chlich theoretisch argumentiert werden. Du wei\u00dft oder ahnst, was hier das Schl\u00fcsselproblem ist und erkl\u00e4rst, dass es auch bei Marx in der &#8220;Frage der Warenproduktion und des Wertgesetzes &#8230; nicht so eindeutig und einfach&#8221; sei.<br \/>\nEinfach ist es nicht, aber jedenfalls in Marx&#8217; Kritiken der Politischen \u00d6konomie sehr eindeutig: Die sozialistische Gesellschaft ist keine Gesellschaft, der \u00f6konomisch eine Produktion zugrunde liegen kann, in der die Produkte als Waren produziert werden, in der also das Wertgesetz gilt und die Arbeit als Lohnarbeit verausgabt wird, in der die unmittelbaren Produzenten also nicht die Verf\u00fcgungsgewalt \u00fcber die Produktionsmittel und die Produkte haben.<br \/>\nWas ist da im &#8220;Kapital&#8221; oder etwa in den &#8220;Grundrissen&#8221; unklar? Mein Vorschlag zur Diskussion dieser Differenz:<\/p>\n<p><strong>Erstens:<\/strong> Wir sollten anhand der genannten Marxschen oder anderer Texte dar\u00fcber diskutieren, ob die Alternative so steht: Sozialismus oder Warenproduktion?<\/p>\n<p><strong>Zweitens:<\/strong> Dann sollten wir die Marxschen Argumente in der Kritik des Gothaer Programms pr\u00fcfen. Die haben es in Bezug auf unsere Kontroverse in sich. Zu dieser Kritik ist Marx als Reaktion auf die Sozialismusbilder der Lasalleaner gezwungen, die er grunds\u00e4tzlich f\u00fcr falsch hielt (Volksstaat, ungeteilter Arbeitsertrag, gerechte Verteilung). Hier nimmt er eine \u00dcbergangsgesellschaft zwischen Kapitalismus und dem entfalteten Kommunismus an, Sozialismus oder erste Phase des Kommunismus. Der Marxismus-Leninismus hat sich in seinem Bestandteil &#8220;Politischen \u00d6konomie des Sozialismus&#8221; und in der &#8220;sozialistischen&#8221; Wirtschaftspraxis gerade auf wesentliche Aussagen von Marx \u00fcber diese \u00dcbergangsgesellschaft gest\u00fctzt. In real-&#8220;sozialistischer&#8221; Theorie und Praxis ging es immer wieder auch um die konsequentere &#8220;Anwendung des Wertgesetzes&#8221;. (Ein Einschub: Die Wende, l\u00e4ngst durch die DDR-\u00d6konomie vorbereitet, war die radikale Umsetzung genau dieser Forderung. Der bundesdeutsche Sozialstaat zieht jetzt insgesamt nach).<br \/>\nDie Marxschen Programmkritik von 1875, die Politische \u00d6konomie des Sozialismus bezog sich nicht zu Unrecht darauf, widerspricht m.E. In wesentlichen Punkten tats\u00e4chlich sowohl den gro\u00dfen Kritiken der Politischen \u00d6konomie als auch den Fr\u00fchschriften.<br \/>\nHierzu nur als Hypothese: Die Aussagen der Fr\u00fchschriften bzw. Der Kritiken der Politischen \u00d6konomie hinsichtlich des Sozialismus-Kommunismus gehen von einen voll entfalteten Kapitalismus voraus. Durch die Arbeiterbewegung, die Diskussion um das sozialdemokratische Programm, gezwungen, Sozialismusvorstellungen plausibel zu machen und zwar von einem noch sehr unentwickeltem Kapitalismus aus, kommt Marx zur Annahme einer \u00dcbergangsgesellschaft, die unvermeidbar noch vom b\u00fcrgerlich-kapitalistischen Leistungsprinzip, von staatlicher Herrschaft usw. Gepr\u00e4gt sei. Ich sehe das heute als einen verst\u00e4ndlichen aber &#8211; gemessen an den tats\u00e4chlichen Voraussetzungen und M\u00f6glichkeit &#8211; untauglichen Versuch an, aus einem noch unentwickelten Kapitalismus heraus eine sozialistisch-kommunistische Umw\u00e4lzung zu denken bzw. Praktisch zu gehen. Die N\u00e4he des ML, der sogenannten Politischen \u00d6konomie des Sozialismus zu diesen Marxschen Aussagen ist auch Ausdruck der auch ab nach 1917\/1945 noch lange nicht \u00fcberwundenen Grundsituation der Arbeiterbewegung. Im praktischen proletarischen Klassenkampf (dies ein Ringen um die Verbesserung der Existenz innerhalb der b\u00fcrgerlichen Epoche) konnte Sozialismus als motivierendes Ziel damals nur in den Kategorien der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft wirksam werden (siehe das Arbeitsethos, siehe die Vorstellung von Reichtum, Gerechtigkeit usw., siehe die Ideale, die in den Arbeiterliedern deutlich werden).<br \/>\nHeute ist die Situation eine andere: Die zivilisatorischen Potenzen der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft, der kapitalistischen Warenproduktion ersch\u00f6pfen sich. Zugleich gibt es inzwischen solche materiellen und geistigen Voraussetzungen, die eine praktische Aufhebung der Warenproduktion denkbar und w\u00fcnschenswert machen (Dies ist an anderer Stelle entwickelt.) Es gibt weder realistische M\u00f6glichkeiten noch Notwendigkeiten, eine quasi noch b\u00fcrgerliche erste Phase des Kommunismus als unumg\u00e4nglichen \u00dcbergang anzunehmen. In der Geschichte seit 1874, 1917\/45, wesentlich ein Erfolg gerade der innerkapitalistischen Arbeiterbewegung, wurde sozusagen der &#8220;Wahrheit&#8221; und Wirksamkeit der Marxschen Aussagen in der Programmkritik die Grundlage entzogen. Den viel weitersichtigen Grundaussagen der Kritiken der Politischen \u00d6konomie und der Fr\u00fchschriften (in denen eben ein entfalteterer Kapitalismus vorausgesetzt wurde, der an die Grenze seiner zivilisatorischen M\u00f6glichkeiten und an die seiner Zivilisationsvertr\u00e4glichkeit gekommen ist) dagegen wuchs die Wirklichkeit sozusagen entgegen.<br \/>\nWollen wir dies als Diskussionsthema aufnehmen? Ich bin sehr daf\u00fcr.<\/p>\n<p><strong>Drittens:<\/strong> Ich nehme Marx hier nicht als obersten Schiedsrichter an, nach dem sich die Wirklichkeit zu richten h\u00e4tte, sondern &#8220;nur&#8221; als Bezugspunkt f\u00fcr theoretische Auseinandersetzungen \u00fcber die Wirklichkeit und m\u00f6gliche Entwicklungen. Als solchen kenne ich allerdings keinen besseren und nehme ihn ernst.<br \/>\nMarx wird sozusagen sehr sprechend, wenn wir in unsere Diskussion den Blick richten auf Besonderheiten der jetzigen kapitalistischen Produktionsweise, der postfordistischen Produktionsmethoden, auf<\/p>\n<ul>\n<li>die innerkapitalistischen \u00c4nderungen in der Arbeitsteilung,<\/li>\n<li>die Zunahme der sogenannten Wissens\u00f6konomie,<\/li>\n<li>die erneute Ausweitung der reellen Subsumtion der agierenden Individuen (&#8220;Lohnarbeiter&#8221; ist hier nicht immer der richtige Ausdruck, z.B. Nicht bei den sogenannten Ich-AG) unter das Kapital durch die \u00dcbernahme von wesentlichen Kapitalfunktionen (Auftragsbeschaffung, Arbeitsorganisation, Kontrolle, Vertrieb &#8230;) durch die unmittelbaren Produzenten selbst. Die Personifizierungen des Kapitals, damit die alten Losungen des Klassenkampfes von den M\u00fc\u00dfigg\u00e4ngern usw. Werden immer problematischer. Die Kapitalverh\u00e4ltnisse sind sozusagen in den Individuen, in ihren sozialen Beziehungen, in ihren Mentalit\u00e4ten und Mythen selbst zu bek\u00e4mpfen bzw. Aufzuheben. Mit den alten Widerstandslosungen, mit dem Anrennen gegen Institutionen oder dem Marsch durch sie, ist da nichts mehr zu machen.<\/li>\n<li>das Hineinziehen sozusagen immer neuer Reproduktionsfunktionen in den direkten Verwertungsprozess, damit dramatische \u00c4nderungen in den Klassenstrukturen,<\/li>\n<li>die \u00f6konomisch begr\u00fcndete (und bei Beibehaltung der Warenproduktion nicht aufhaltbare) zunehmende Unf\u00e4higkeit von Staaten und Kommunen, allgemeine soziale Aufgaben wahrzunehmen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<br \/>\nWenn wir diese reale Entwicklung konfrontieren mit der Marxschen Methode, mit seinen Kategorien, in der er die kapitalistische Produktionsweise, die Wertverwertung durchg\u00e4ngig unter dem Gesichtspunkt ihrer Aufhebbarkeit analysiert, dann wird die Aufhebung des Kapitalismus als Aufhebung der Warenproduktion tats\u00e4chlich denkbar. Dann kann die Suche nach Keimformen, nach Voraussetzungen und Momenten des Neuen im Alten sinnvoll diskutiert und betrieben werden.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft \u00fcberhaupt nicht, dass eine solche (auch theoretisierende) Herangehensweise die einzige oder auch nur die wesentliche Suche nach Wegen aus dem Kapitalismus ist (ich treibe ja auch mehr). Doch Dein Text Werner hat eben auch einen theoretischen Anspruch und er f\u00fchrt einen entsprechenden Titel (&#8220;sozialistische Fantasie&#8221;).<\/p>\n<p>Nicht jede soziale Bewegung, die sich antikapitalistisch d\u00fcnkt, ist auch eine. Was Aufhebung der Kapitalverh\u00e4ltnisse bedeutet und was Sozialismus ist, in welche Richtung ich also suche und mich engagiere, das muss diskutierbar sein.<br \/>\nHier also meine Vorschl\u00e4ge zur Diskussion. Ansonsten kann ich nur sagen: Leute, lest Werners Text. Ich denke, dass er viele Ideen und einzelne W\u00fcnsche vereint, die diese und jener als Zukunftsvision mit sich tr\u00e4gt.<br \/>\nIn Richtung Werners Fantasie, die die Warenproduktion, die Wertvergesellschaftung beibeh\u00e4lt, ist kein Sozialismus zu finden. Daf\u00fcr bringe ich Argumente, diskutierbare wie ich hoffe.<\/p>\n<p><strong>Uli Wei\u00df<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Weder das Staatseigentum noch proudhonistischen R\u00fccknahmen der Kapitalisierung k\u00f6nnen die Vermittlung von Gesellschaftlichkeit durch Wert\/Geld aufheben.&#8221; 1. Du schl\u00e4gst &#8220;streitbare Diskussion &#8230; [bei] Anerkennung der&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_eb_attr":"","footnotes":""},"categories":[31],"tags":[],"class_list":["post-414","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-eine-sozialistische-fantasie-ist-geblieben"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/414","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=414"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/414\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8122,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/414\/revisions\/8122"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=414"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=414"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=414"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}