{"id":4537,"date":"2022-12-11T17:39:32","date_gmt":"2022-12-11T16:39:32","guid":{"rendered":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/?p=4537"},"modified":"2025-08-28T21:09:28","modified_gmt":"2025-08-28T19:09:28","slug":"sozialistische-zeitung-soz12-2022","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/sozialistische-zeitung-soz12-2022\/","title":{"rendered":"&#8220;Sozialistische Zeitung&#8221; (SoZ)12\/2022"},"content":{"rendered":"\n<h4 class=\"wp-block-heading\" id=\"gejagt-und-verraten\">Gejagt und verraten<\/h4>\n\n\n\n<p><strong>Die KPD S\u00fcdbayern in den 20er und 30er Jahren<\/strong><br><br><em>von Peter Nowak<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Bayern ist als Ort der Reaktion schon in der Weimarer Republik bekannt. In M\u00fcnchen begann der Aufstieg der NSDAP. N\u00fcrnberg wurde zum Inbegriff der Reichsparteitage der NSDAP. Viel weniger ist \u00fcber den linken Widerstand in Bayern bekannt.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht ist gerade noch die M\u00fcnchner R\u00e4terepublik ein Begriff, wird aber in der Regel als kurze Zeit des linken Chaos abgetan. Deshalb ist es umso verdienstvoller, dass der Historiker Max Brym auf knapp 80 Seiten eine kurze Geschichte des antifaschistischen Widerstands in S\u00fcdbayern vorgelegt hat.<br>Brym wurde 1957 in Alt\u00f6tting geboren und ist seit Jahrzehnten in der linken Bewegung in Bayern aktiv. Dar\u00fcber hat er auch in der Vergangenheit schon B\u00fccher verfasst.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zumeist in der Halblegalit\u00e4t<\/strong><br>In seinem neuen Buch beginnt Brym ebenfalls mit den verschiedenen bayerischen R\u00e4terepubliken im Jahr 1919. Denn nicht nur in M\u00fcnchen, sondern auch in vielen kleineren bayerischen St\u00e4dten riefen die Arbeitenden damals solche R\u00e4terepubliken aus. Dar\u00fcber hat Michael Seligmann 1989 im Trotzdem-Verlag ein sehr informatives Buch unter dem Titel Aufstand der R\u00e4te herausgegeben, das allerdings nur noch antiquarisch zu bekommen ist. Leider wird es nicht in Bryms Literaturliste angef\u00fchrt. Doch es ist sehr wahrscheinlich, dass er es gelesen hat. Denn mehrmals erw\u00e4hnt er die R\u00e4terepubliken in Kolbermoor oder Rosenheim, die trotz ihrer schnellen Niederschlagung Auswirkungen auch auf den Widerstand gegen den Faschismus ab 1933 hatten. Denn die wenigen Wochen der R\u00e4terepubliken haben zur Politisierung einer ganzen Generation von Arbeiter:innen gef\u00fchrt, die sich trotz der massiven Repression nicht brechen lie\u00dfen. Dabei erinnert Brym auch daran, dass die massive Repression gegen Linke aller Couleur bereits 1919 in der rechten Ordnungszelle Bayern begann.<br>\u00bbDie KPD war bis 1921 in Bayern vollst\u00e4ndig illegal. Darauf folgte eine teilweise Legalisierung bis zum Jahr 1923, die von 1923 bis 1925 erneut zur vollst\u00e4ndigen Illegalisierung f\u00fchrte. Von 1925 bis 1933 befand sich die KPD in einem halblegalen Zustand. Knapp die H\u00e4lfte ihrer Veranstaltungen in dieser Periode wurden polizeilich verboten und immer wieder wurde Material der Partei beschlagnahmt\u00ab, skizziert Brym die Arbeitsbedingungen einer antagonistischen Linken in einer Zeit, die heute als Weimarer Demokratie verkl\u00e4rt wird. Bei der Zerschlagung der R\u00e4terepubliken spielten auch f\u00fchrende bayerische Sozialdemokraten eine unr\u00fchmliche Rolle.<br>\u00bbEs ist daher kein Wunder, dass die verh\u00e4ngnisvolle Sozialfaschismustheorie bei den bayerischen Kommunisten weitgehend auf Zustimmung stie\u00df\u00ab, kommentiert Brym. Er hebt sich damit wohltuend von vielen Historiker:innen ab, die darin nur ein Diktat Stalins sehen und vergessen, dass viele Arbeiter:innen in den Jahren 1919\u20131923 die Erfahrung machen mussten, dass von Sozialdemokraten befehligte Polizei und Freikorps Jagd auf sie machten, sie verhafteten oder gar ermordeten.<br><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><strong>Einheitsfront gegen die Nazis<\/strong><br>Trotzdem gab es am 9.M\u00e4rz 1933 in der Weimarer Republik eine wenig bekannte Einheitsfrontaktion von Sozialdemokraten und Kommunisten, die das Hissen der Hakenkreuzfahne auf dem Rathaus verhindern sollte. Die Nazis konnten nur unter gro\u00dfem Polizeischutz ihr Banner hissen. Im Anschluss gab es eine Repressionswelle gegen alle Beteiligten, von der vor allem bekannte Kommunist:innen betroffen waren. Dem stellte Brym die kampflose \u00dcbergabe des M\u00fcnchner Gewerkschaftshauses an die SA gegen\u00fcber, die in der bayerischen Hauptstadt bereits am 8.M\u00e4rz 1933 erfolgte und nicht erst am 2.Mai wie in Berlin.<br>Brym beschreibt dann in verschiedenen Kapiteln, wie sich der antifaschistische Widerstand gegen den Terror der Nazis behaupten musste. Eine immer wichtigere Rolle spielte die Gefangenensolidarit\u00e4tsorganisation Rote Hilfe, die die vielen Gefangenen betreute. Ein weithin beachteter Erfolg des Widerstands war die Flucht des kommunistischen Funktion\u00e4rs Hans Beimler aus dem KZ-Dachau. Es war f\u00fcr ihn eine Frage von Leben und Tod \u2013 ein SS-Mann hatte einen Strick in seine Zelle angebracht und ihn zum Selbstmord aufgefordert. Beimlers Flucht f\u00fchrte zu einem Streit zwischen SS und SA, den Brym mit Zitaten belegt. Die R\u00f6hmtruppe warf ihren innerfaschistischen Kontrahenten vor, nicht brutal genug gegen den Gefangenen vorgegangen zu sein.<br>Die massive Repression gegen die KPD wurde durch den Spitzel Max Troll verursacht, der als f\u00fchrender KPD-Funktion\u00e4r \u00fcber mehrere Jahre die Gestapo informierte. Es gab schon vor seiner Enttarnung Ger\u00fcchte \u00fcber einen Spitzel in KPD-Kreisen, was parteiunabh\u00e4ngige Linke wie die Gruppe Neu Beginnen veranlasste, deshalb auf Distanz zu ihr zu gehen. Brym schreibt, dass die Gruppe Neu Beginnen (NB) als leninistische Organisation innerhalb der SPD einen dritten Weg zwischen der Politik der Weimarer SPD und der KPD-Politik propagierte. Allerdings pr\u00e4gten viele der NB-Aktivist:innen die bayerische Nachkriegs-SPD und standen dort eher am rechten Rand. Vielleicht geht Brym in einem weiteren Band darauf noch ein, wenn er die Geschichte der bayerischen Linken nach 1945 aufarbeitet. Denn seine Skizzen linker Geschichte machen Appetit auf weitere Arbeiten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gejagt und verraten Die KPD S\u00fcdbayern in den 20er und 30er Jahren von Peter Nowak Bayern ist als Ort der Reaktion schon in der Weimarer&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_eb_attr":"","footnotes":""},"categories":[96],"tags":[],"class_list":["post-4537","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-skizzen-arbeiterwiderstand-in-suedbayern"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4537","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4537"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4537\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8181,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4537\/revisions\/8181"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4537"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4537"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4537"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}