{"id":5672,"date":"2024-03-13T22:16:18","date_gmt":"2024-03-13T21:16:18","guid":{"rendered":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/?p=5672"},"modified":"2024-03-22T17:23:28","modified_gmt":"2024-03-22T16:23:28","slug":"nd-vom-28-2-2024","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/2024\/03\/13\/nd-vom-28-2-2024\/","title":{"rendered":"&#8220;nd&#8221; vom 28.2. 2024"},"content":{"rendered":"<h4 class=\"wp-block-heading\" id=\"hajo-funke-wie-ein-land-ins-unglueck-gestuerzt-wurde\">Hajo Funke: Wie ein Land ins Ungl\u00fcck gest\u00fcrzt wurde<\/h4>\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\" id=\"hajo-funke-ist-ueberzeugt-verhandeln-ist-der-einzige-weg-zum-frieden\">Hajo Funke ist \u00fcberzeugt: Verhandeln ist der einzige Weg zum Frieden<\/h5>\n\n\n<p><em>Von Karlen Vesper<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Krieg ist kein Naturereignis. Er entsteht, weil Menschen die Macht dazu haben, ihn zu f\u00fchren, andere ihn nicht verhindern wollen und wieder andere ihn nicht verhindern k\u00f6nnen\u00bb, schreibt Hajo Funke im R\u00fcckblick auf die Entfesselung des Ukraine-Krieges vor \u00fcber zwei Jahren. Der Politikwissenschaftler, der bis 2010 am Otto-Suhr-Institut der FU Berlin lehrte, mahnt sorgenvoll, dass es keinen Sieg der Ukraine ohne deren nahezu vollst\u00e4ndige Verw\u00fcstung geben wird. Eine Einsch\u00e4tzung, die er mit seri\u00f6sen Milit\u00e4rs in den USA, in Deutschland und auch in der Ukraine teilt. Die logische Konsequenz w\u00e4re demnach: \u00abWenn es einen solchen Sieg nicht geben kann, ist es verantwortlich, auf Verhandlungen zu sinnen und die Chancen hierzu auszuloten.\u00bb Stattdessen jedoch wird die Ukraine weiter vom Westen aufger\u00fcstet, sehenden Augens ins eigene Verderben gest\u00fctzt. Game Changer, \u00abein in Talkshows von Carlo Masala oder Marcus Keupp inflation\u00e4r gebrauchtes und sachfremdes Wort\u00bb, sollen die an Kiew gelieferten, stetig neuen und moderneren Waffen sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich gei\u00dfelt Funke den brutalen Angriff Putins auf die Ukraine. Er zeigt aber auch akribisch auf, wie es dazu kommen konnte, widerlegt detailliert die Behauptung, dass dieser Krieg unvermeidlich gewesen sei. Er war vermeidbar. \u00abDie Eskalation h\u00e4tte gestoppt werden k\u00f6nnen. Selbst nach Beginn des Krieges hat es verpasste Chancen gegeben.\u00bb Doch jegliche Angebote von russischer Seite und Vermittlungsbem\u00fchungen Dritter seien nicht ernst genommen worden.<\/p>\n\n\n\n<p>Funke spannt einen weiten Bogen, dies zu beweisen, erinnert an die Vision des letzten KPdSU-Generalsekret\u00e4rs Michail Gorbatschow von einem gemeinsamen europ\u00e4ischen Haus, anf\u00e4nglich im Westen goutiert, jedoch nicht mit ehrlichen Absichten, sondern heuchlerisch. Wie sich bereits wenige Jahre sp\u00e4ter mit der Nato-Osterweiterung unter Bruch von in den Verhandlungen zur deutschen Einheit gemachten Zusicherungen. Der Autor zitiert den US-Historiker George Kennan, der diese als \u00abfolgenschwersten Fehler der amerikanischen Politik seit dem Ende des Kalten Krieges\u00bb bezeichnete. \u00abEs ist damit zu rechnen, dass diese Entscheidung nationalistische, antiwestliche und militaristische Tendenzen in der russischen \u00d6ffentlichkeit st\u00e4rkt, eine neuen Kalten Krieg in den Ost-West-Beziehungen ausl\u00f6st und die russische Politik in eine Richtung dr\u00e4ngt, die \u00fcberhaupt nicht unseren W\u00fcnschen entspricht\u00bb, hatte dieser unter der \u00dcberschrift \u00abA fateful error\u00bb (Ein schicksalhafter Irrtum) in der \u00abNew York Times\u00bb am 5. Februar 1997 geschrieben. Die US-amerikanischen Administrationen hernach zeigten indes kein Interesse an einer vern\u00fcnftigen, ausgleichenden, kooperativen Sicherheitspolitik gegen\u00fcber Russland, konstatiert Funke. Vor allem bei George W. Bush junior mit seiner \u00abGotteskriegermentalit\u00e4t\u00bb stie\u00dfen russische Sicherheitsinteressen auf taube Ohren. Zugleich unternahmen alle US-Regierungen alles, um eine deutschen Interessen entsprechende \u00f6konomische und politische Kooperation mit Russland zu behindern.<\/p>\n\n\n\n<p>Gab es 2001 im Deutschen Bundestag noch st\u00fcrmische Begeisterung f\u00fcr Putin, Applaus von allen Fraktionen f\u00fcr seine in Deutsch gehaltene Rede der ausgestreckten Hand und lie\u00df der im Jahr darauf aus der Taufe gehobene Nato-Russland-Rat noch Hoffnung nach strategischer Partnerschaft aufkommen, schien gar eine EU- oder Nato-Mitgliedschaft Russlands m\u00f6glich, so sollte 2008 eine fatale Abkehr von allen vern\u00fcnftigen Ans\u00e4tzen bringen. Funke spricht von einem \u00abSchl\u00fcsseljahr\u00bb. Mit der Entscheidung in Bukarest, perspektivisch die Ukraine und Georgien in die Nato aufzunehmen, br\u00fcskierte man Moskau. Ab da erfolgte auch die Abkehr Putins von einer freundlichen Haltung gegen\u00fcber dem Westen. \u00dcber dessen warnende Kritik auf der M\u00fcnchener Sicherheitskonferenz im selben Jahr wurde \u00abarrogant hinweggegangen\u00bb.<\/p>\n\n\n\n<p>Habe sich Putin anfangs als ein liberaler, auf Zusammenarbeit bedachter Pr\u00e4sident gezeigt, radikalisierte er sich darob schrittweise zu einem antiwestlichen Nationalisten. Mit seiner Wiederwahl zum Pr\u00e4sidenten 2012 und der Gr\u00fcndung des einflussreichen Isborsk-Klubs, eines ideologischen B\u00fcndnisses patriotischer Statsm\u00e4nner, h\u00e4tten die autorit\u00e4r-nationalistischen Bestrebungen in Russland neuen Auftrieb erfahren, so Funke, der in seinem Buch einige f\u00fchrende Vertreter kurz vorstellt. Hatte Putin zu Beginn seiner Karriere an der Spitze der Macht in Russland gern Kant zitiert, insbesondere aus dessen Schrift \u00abZum ewigen Frieden\u00bb, l\u00e4sst er sich heute von Antidemokraten wie dem die Nazis glorifizierenden, 1954 verstorbenen russischen Philosophen Iwan Iljin, dem Slawophilen Nicolai Danilewski und dem eurasischen Neofaschisten Alexander Dugin inspirieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun k\u00f6nnte man hier nat\u00fcrlich einwenden, dass die politische und weltanschauliche Wandlung eines Menschen dessen eigene Wahl ist. Es l\u00e4sst sich aber nicht leugnen, dass in diesem Fall der Westen diese bef\u00f6rdert hat. Seit seiner ersten Pr\u00e4sidentschaft hat Putin in Vortr\u00e4gen wie auch konkreten Angeboten und Initiativen f\u00fcr kooperative Sicherheit geworben. Mit dem vermutlich durch Infiltration westlicher Geheimdienste ausgel\u00f6sten Putsch am 20. Februar 2014 gegen den damaligen ukrainischen Pr\u00e4sidenten sowie den darauf folgenden Auseinandersetzungen auf der Krim und der Diskriminierung der mehrheitlich russischen Bev\u00f6lkerung in Luhansk und Donezk durch das Verbot der russischen Sprache, laut Funke \u00abeine absolute Provokation\u00bb, war die Lunte am Pulverfass gez\u00fcndet. Eine wahrhaftige Durchsetzung der beiden Minsker Abkommen zur Begrenzung der Konflikte in der Ostukraine, unter anderem durch in Aussichtstellen von mehr Autonomie, ist selbst von den Garantiem\u00e4chten Deutschland und Frankreich nicht angemessen unternommen worden.<\/p>\n\n\n\n<p>Egal ob Kneipen, Caf\u00e9s, Festivals oder andere Versammlungsorte \u2013 wir wollen sichtbarer werden und alle erreichen, denen unabh\u00e4ngiger Journalismus mit Haltung wichtig ist. Wir haben ein Aktionspaket mit Stickern, Flyern, Plakaten und Buttons zusammengestellt, mit dem du losziehen kannst um selbst f\u00fcr deine Zeitung aktiv zu werden und sie zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der 2019 gew\u00e4hlte ukrainische Pr\u00e4sident Wolodymyr Selenskyyi entschied sich mit R\u00fcckhalt einer parlamentarischen Mehrheit, den Nato-Beitritt anzustreben und schloss am 31. August 2021 ein Milit\u00e4rabkommen mit den USA, das unter anderem die Modernisierung der seit 2017 verst\u00e4rkt gelieferten Waffen vorsah. Nun steuerte man im Stakkato auf den Krieg zu, merkt Funke an. Ein vom Kreml am 17. Dezember 2021 vorgeschlagenes Abkommen wurde ausgeschlagen. Funke zitiert Theo Sommer, den langj\u00e4hrigen Herausgeber der \u00abZeit\u00bb, der damals eindringlich appellierte: \u00abIm Ukraine-Konflikt braucht es dringend Komunikation. Doch die Regierungen setzen auf Milit\u00e4raktionen, das Verh\u00e4ltnis zwischen den USA und Russland ist vergiftet.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p>Zu den verpassten Chancen des Westens zur Beilegung des Konflikts und Vermeidung des furchtbaren Krieges geh\u00f6rten auch die einseitigen K\u00fcndigungen des sicherheitsstrategisch bedeutungsvollen ABM- sowie INF-Abkommen seitens der USA. Initiativen zur raschen Beendigung des Krieges wie etwa aus Peking auszuschlagen, schreibt Funke vor allem den neokonservativen Hardlinern um US-Au\u00dfenminister Antony Blinken, aber auch der deutschen Au\u00dfenministerin Annalena Baerbock zu.<\/p>\n\n\n\n<p>Rezepte, wie man zu einem Waffenstillstand und schlie\u00dflich Frieden in der Ukraine gelangt, hat Hajo Funke nicht. Er verweist aber sehr wohl auf eine Wiederbelebung einstiger deutscher und europ\u00e4ischer Entspannungspolitik als einen wesentlichen Schritt hierf\u00fcr. \u00abVerhandeln ist der einzige Weg zum Frieden\u00bb lautet seine Botschaft, die man sich in aller Ohren w\u00fcnscht, vor allem der politisch und milit\u00e4risch Verantwortung tragenden Kr\u00e4ften in West wie Ost.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hajo Funke: Wie ein Land ins Ungl\u00fcck gest\u00fcrzt wurde Hajo Funke ist \u00fcberzeugt: Verhandeln ist der einzige Weg zum Frieden Von Karlen Vesper Dieser Krieg&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_eb_attr":"","footnotes":""},"categories":[101],"tags":[],"class_list":["post-5672","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-ukraine-verhandeln-ist-der-einzige-weg-zum-frieden"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5672","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5672"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5672\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5672"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5672"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5672"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}