{"id":943,"date":"2016-12-04T10:36:11","date_gmt":"2016-12-04T09:36:11","guid":{"rendered":"http:\/\/diebuchmacherei.de\/?p=943"},"modified":"2025-08-28T18:46:43","modified_gmt":"2025-08-28T16:46:43","slug":"augustin-wien-nr-425","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/diebuchmacherei.de\/de_de\/2016\/12\/04\/augustin-wien-nr-425\/","title":{"rendered":"&#8220;AUGUSTIN\u201c (Wien)  Nr. 425"},"content":{"rendered":"<p><strong>Was von den Erich-M\u00fchsam-Songs h\u00e4ngen bleibt<\/strong><\/p>\n<p><strong>Wir wollen im Leben versinken!<\/strong><\/p>\n<p>Jeden Abend werfe ich\/eine Zu\u00adkunft hinter mich, die sich niemals mehr erhebt \/ denn sie hat im Geist gelebt \/ Neue Bilderr werden, wachsen; \/ Welten drehn um neue Achsen, \/ werden, ster\u00adben, lieben, schaffen. \/Die Vergan\u00adgenheiten klaffen. \/ Tobend, wir\u00adbelnd st\u00fcrzt die Zeit \/ in die Gruft. &#8211; Das Leben schreit! Erich-M\u00fchsam-Lyrik, von Maren Rahmann vertont, zu h\u00f6ren auf einer CD mit dem Titel \u00abDoch ob sie mich er\u00adschl\u00fcgen &#8211; sich f\u00fcgen hei\u00dft l\u00fcgen\u00bb. Der Tontr\u00e4ger und die Liveauftrit\u00adte der in Wien lebenden Schau\u00adspielerin und S\u00e4ngerin, zusam\u00admen mit dem Musiker Didi Disko und dem M\u00fchsam-Verehrer Die\u00adter Braeg, k\u00f6nnen als ein Beitrag zur Anarchismus-Renaissance durchgehen, die laut Feuilletonisten unter der verzweiflungsanf\u00e4lligen Linken grassiert.<\/p>\n<p>14 M\u00fchsam-Gedichte hat Rah\u00admann vertont. Das oben zitier\u00adte ist ihr Favorit, weil es in seiner poetischen R\u00e4tselhaftigkeit kei\u00adnerlei Kampfrezepte liefert, son\u00addern nachdenklich \u00fcber das Wie des Existierens macht. Nein, sie fantasiere im Prozess des Vertonens solcher Lieder nicht eine Zukunft herbei in der die in Be\u00adwegung Geratenen ihre M\u00fchsam-Songs auf den besetzten Pl\u00e4tzen singen, meint sie im Augustin-Ge\u00adspr\u00e4ch; ihr gen\u00fcge die Hoffnung, dass markante Passagen aus den M\u00fchsam-Texten bei den Zuh\u00f6rerIinnen quasi \u00abh\u00e4ngenbleiben\u00bb und als neue Handlungsdevise in ihr zuk\u00fcnftiges Leben integriert wer\u00adden. \u00abSich f\u00fcgen hei\u00dft l\u00fcgen\u00bb &#8211; das sei zum Beispiel so ein zivil-couragef\u00f6rderndes \u00a0Motto.<\/p>\n<p>Sie liebe an M\u00fchsam, dass er in vielen seiner Texte die Vision ei\u00adner Einheit von Leben, Genie\u00dfen und K\u00e4mpfen im Jetzt ausstrahle. Im \u00abTrinkerkerlied\u00bb geht es nicht um eine Oktoberfestsaufpropaganda, wie es oberfl\u00e4chlich aussieht, son\u00addern um den Imperativ des Bo\u00adhemiens: \u00abWir wollen im Leben versinken!\u00bb So meilenweit das von der lebensfeindlichen KPD-Direktive \u00abEin denkender Arbei\u00adter trinkt nicht\u00bb entfernt ist und so suspekt den Kommunstinnen seine Vision der Einheit von Intel\u00adlektuellen und Ge\u00e4chteten (\u00abLand\u00adstreicher, Huren, Verbrecher und Bettler\u00bb) war &#8211; M\u00fchsam hat sich doch nach einer Partnerschaft zwischen Anarchistinnen und Marxistinnen gesehnt Auch das ist eine Eigenschaft, die von Rah\u00admann und Braeg geteilt wird. \u00a0Ihr M\u00fchsam-Projekt empfinden sie als einen Beitrag gegen die Zerspargelung der Linken.<\/p>\n<p>Davon kann auch Dieter Braeg, der in der westdeutschen Ge\u00adwerkschaftsbewegung politisiert wurde, ein Lied singen. Die Re\u00addaktion der KP-nahen Literatur\u00adzeitung \u00abK\u00fcrbiskern\u00bb meckerte \u00fcber \u00abanarchistische Tendenzen\u00bb eines Braeg-Textes. Der \u201eK\u00fcrbiskern\u201c existiert nicht mehr, aber M\u00fchsam, der sinnlichste F\u00fchrer der M\u00fcnchner R\u00e4terepublik, feiert in den K\u00f6pfen vieler Unzufriedener fr\u00f6hliche Wiederaufstehung.<\/p>\n<p>R. Sommer<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was von den Erich-M\u00fchsam-Songs h\u00e4ngen bleibt Wir wollen im Leben versinken! 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