Profiteure des Faschismus
von Wolfgang Pomrehn
Vor nunmehr zweieinhalb Jahren hat Argentiniens Präsident Javier Milei seinen Generalangriff auf soziale Absicherung und Gewerkschaftsrechte wie auch auf die Aufarbeitung der Verbrechen der argentinischen Militärs begonnen, die das Land von 1976 bis 1983 beherrschten und Zehntausende Linke folterten und brutal ermordeten. Umso wichtiger ist es, an die Verbrechen zu erinnern. Dieser Aufgabe stellt sich Gaby Weber. In ihrem Band Causa Mercedes-Benz lässt sie noch einmal ihre Recherche zum Fall der 17 Betriebsräte und Betriebsaktivisten Revue passieren, die 1976 und 1977 aus dem Werk des deutschen Autobauers in Buenos Aires verschleppt wurden.
Nur drei von ihnen überlebten die schwere Folter, die anderen »verschwanden« wie Tausende anderer. Das Unternehmen lehnt jederlei Verantwortung ab, doch die Recherche der Autorin hat schon vor über 20 Jahren zutage gefördert, dass die vom Militär Gefolterten und Ermordeten von der Betriebsleitung als »Agitatoren« denunziert worden waren. In einem Fall liegt schon seit den 1980er Jahren die Zeugenaussage eines Überlebenden vor, wonach der Produktionsleiter Juan Tasselkraut den Militärs die Privatadresse eines Mitarbeiters gegeben hat, der daraufhin verhaftet und nie wieder gesehen wurde.
Doch die Verstrickungen des Unternehmens endeten nicht beim gewaltsamen Beseitigen unliebsamer Arbeiter. Mehrere Manager »adoptierten« Kinder, die das Militär linken Aktivisten raubte, bevor es die Eltern ermordete. Das Unternehmen, oder zumindest einer seiner Manager, spendete dem Militärkrankenhaus, das der Folterzentrale Campo de Mayo angeschlossen war, sogar Brutkästen.
In der Stuttgarter Konzernzentrale meint man dennoch, seine Hände in Unschuld waschen zu können. Gaby Weber zeichnet akribisch nach, wie diverse juristische Verfahren in Argentinien im Sande verliefen oder – wie in den USA und Deutschland – abgeblockt wurden. Bis zum heutigen Tag wurde keiner der verantwortlichen Manager verurteilt.
